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Bundesbank-Präsident Jens Weidmann warnt Staaten vor einer Zinswende

Laut dem Bundesbank-Präsidenten können Länder nicht dauerhaft mit Niedrigzinsen rechnen. Regierungen sollten deshalb die Schuldenlast im Blick haben, so Weidmann.
31.12.2020 - 03:44 Uhr 6 Kommentare
Weidmann sieht die Ausweitung der Anleihenkäufe durch die EZB skeptisch. Quelle: Reuters
Bundesbank-Präsident Jens Weidmann

Weidmann sieht die Ausweitung der Anleihenkäufe durch die EZB skeptisch.

(Foto: Reuters)

Berlin Trotz der ultralaxen Geldpolitik im Euro-Raum können die Staaten laut Bundesbank-Präsident Jens Weidmann nicht auf Dauer mit Niedrigzinsen rechnen. „Die Politik hat ja in dieser Krise im Großen und Ganzen richtig gehandelt. Sie sollte sich nur nicht darauf verlassen, dass die Notenbanken die Zinsen für immer niedrig halten werden“, sagte er der „Rheinischen Post“ vom Donnerstag laut Vorabbericht. Wenn der Preisausblick es erfordere, müsse auch die Zinswende kommen, betonte Weidmann.

Auf die Frage nach einer zeitlichen Prognose für die Zinswende sagte er: „Laut unseren jüngsten Prognosen dürfte der Preisauftrieb im Euroraum in den nächsten Jahren eher verhalten bleiben. Bis zu einer Zinswende kann es also noch dauern.“

Doch wenn Regierungen davon ausgehen sollten, dass die Notenbanken ihnen im Zweifel immer zur Rettung eilten, sähen sie bei den Staatsschulden unter Umständen keine Grenzen mehr. In ihrem eigenen Interesse sollten sie sich auf einen Anstieg der Zinsen vorbereiten und nicht so tun, als ob jede Schuldenlast mühelos finanzierbar sein werde.

Er bekräftigte zugleich, dass er die jüngsten Hilfsmaßnahmen der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Bewältigung der Corona-Folgen mit Skepsis sieht. „Ich halte eine Unterstützung durch die Geldpolitik für notwendig, habe aber in der Tat Zweifel am Ausmaß der beschlossenen neuen Anleihenkäufe.“ Die Möglichkeiten der Geldpolitik seien gegenwärtig begrenzt. „Wenn beispielsweise Restaurants und Läden geschlossen sind, dann kann trotz niedriger Zinssätze dort niemand Geld ausgeben.“ Hier sei der Staat gefordert, die Unternehmen und Beschäftigten bei Einnahmeausfällen zu unterstützen.

Die EZB hatte auf ihrer Zinssitzung im Dezember ihr Pandemie-Notprogramm PEPP um 500 Milliarden Euro auf ein Volumen von inzwischen 1,85 Billionen Euro erhöht. Es war bereits die zweite Aufstockung. Zudem wurden die Käufe bis Ende März 2022 verlängert.

Mehr: Weidmann hält Aufstockung der EZB-Anleihekäufe für problematisch

  • rtr
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6 Kommentare zu "Bundesbank-Präsident: Jens Weidmann warnt Staaten vor einer Zinswende"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • DAs größte Problem dürfte wohl nicht die Zinswende am kurzen Ende aufgrund der Notenbankpolitik sein, Die Notenbank ist fest in der Hand der Politik und wird eher versuchen, die Realzinsen deutlich negativ zu halten, Deswegen bleiben die Zinslasten aufgrund des höheren nominalen Wachstums auch bei höheren Nominalzinsen tragbar. (aufgrund des negativen Realzinses findet sogar eine Entschuldung statt). Die größte Gefahr droht von sich ausweitenden Risikoaufschlägen, wenn andere Käufer außer der Notenbank sich der steigenden Risiken bewusst werden. Schließlich kann die Notenbank nicht alle Anleihen kaufen, weil dann zu offensichtlich würde, dass das Aufkaufen der Schulden tatsächlich eine Finanzierung durch die Notenpresse ist. Sollten die Zinsen dann insbesondere in den schwächeren Staaten wieder deutlich im Bereich positiver, realer Verzinsung liegen, wird die Schuldenlast sehr schnell untragbar und nicht mehr refinanzierbar. Eine Refinanzierung ausschließlich durch die Notenbank wird die Geldmenge und damit irgendwann die Inflation durch die Decke schießen lassen. Ab einer gewissen Höhe der Inflation wird durch das Durcheinander der relativen Preise die Wirtschaft in die Rezession schlittern und das nominale Wachstum unter der Inflationsrate liegen, was auch dann die Schuldenlast wieder untragbar macht. Man sollte sich keiner Illusion hingeben. Schulden müssen irgendwann getilgt werden, entweder ganz traditionell durch Rückzahlung, durch massive Steuerhöhungen oder Zwangsanleihen auf Eigentum (insbesondere Immobilien), durch sehr hohe Inflation oder durch Pleiten. Die erste Variante scheitet wahrscheinlich aus, alle anderen sind mit sehr deutlichen, negativen Begleiteffekten verbunden. Ein Blick nach Südamerika der 70er und 80er ist ein sehr schönes Praxisbeispiel, was man durch maßlose Schulden und Finanzierung durch die Notenpresse so alles erreichen kann. (und die Malaise begann mit der Selbstüberschätzung in der wirtschaftlichen Blütezeit in den 40ern und 50ern)

  • A+B=C. So funktioniert das in der Wirtschaft nicht, da die Akteure wie im Floh-Kino gegensteuern werden. Es werden die vielen Millionen Wirtschafts-Subjekte in jeder nur erdenklichen Richtung ihre Flucht- und Schutzräume finden und deshalb ist die logische Formel A+B=C nicht anwendbar in der Ökonomie. Es ist gar lächerlich, solche Formeln in Bezug auf Ökonomie anwenden zu wollen. Die mathematischen Systeme der Herrn Prof. sind Sandkasten-Spiele. Man tut schon lange so, als wäre die Volkswirtschaftslehre so etwas wie Algebra. Die Volkswirtschaftslehre ist nur eine Sozial-Wissenschaft. Die Volkswirtschaftslehre ist zwar nicht so lächerlich wie die Lehrinhalte der Geschwätzfakultäten, (Genderlehrstühle) aber keine harte Naturwissenschaft. Und noch was, die Staats-Bonds, die die EZB aufgekauft hat, kann man auf eine Laufzeit von 100 Jahren verlängern, dann interessiert das heute keinen Hedgfonds-Manager mehr. Und als Folge können Staaten sich weiter verschulden, am sinnvollsten für Infrastruktur-Investitionen, wieder über die EZB, Zinsen Null.

  • Nun, ...

    * wenn Corona-bedingt massenhaft Wertschöpfung=Gütermengen ausbleiben (Gastro, Handel, Kunst, Industrie...) und gleichzeitig astronomische Summen neues Geld durch die Hilfsprogramme in Umlauf kommt, dann ist es eine GESETZMÄSSIGKEIT, dass dies zur Inflation führen muss - sobald eben diese Erkenntnis durch Medialen Fokus denn ins Massenbewusstsein gebrennt wird
    * wenn dann die Zinsen steigen auf vielleicht 6 % oder 8 % zerschiesst es jede private Baufinanzierung wie auch Wohnkosten-Relation durch galoppierende Anpassungen
    * parallel wird dann die aktuell wieder in die Schublade versteckte Novellierung der Wohnbaurichtlinie wieder ‚überraschend’ auf den Tisch gepackt (Same Procedere as DSGVO), wonach die Banken ihre Sicherheiten an eine Zentralstelle hin verwerten MÜSSEN, sobald sich die „wirtschaftliche Verhältnisse des Schuldners verschlechtern“ - und sie nicht mehr wie bisher, wenn „ein Kredit Notleidend wird“ als Herr des Verfahrens selber autonom die Verwertung betreiben können.
    = in Summe purzeln hier die Eigentumsverhältnisse binnen Jahren raus aus der Privathand hin in eine BigFinance-Hand, was ich als ganz wesentlichen Baustein zur Umsetzung von Klaus Schwab seinem Credo „Sie werden 2030 nichts mehr besitzen“ sehe.

    Intelligenter Weg, das muss man anerkennen.

  • Der Standpunkt ist richtig - das zeigt die Geschichte von Staaten.
    Interessant wäre wie Herr Weidmann in der EZB votiert hat???

  • Was soll das? Wenn die Zinswende kommen würde, sind doch fast alle
    Staaten in Europa Pleite. Dann mueßten alle Vermögen der Bürger abge-
    wertet werden, CA 50%. Wie werden die Reaktionen der Bürger aussehen.
    Sie würden sich alle bei Frau Dr. MERKEL, der größten Schadens- und Schulden-
    kanzler bedanken für ihren Einsatz.

  • So groß kann unser Wachstum kaum werden, dass die Schulden in der EU auf Normalmaß bald zurückkommen. Entweder brauchen wir eine sehr starke Inflation oder Streichung der Staatsschulden bei der EZB. Wenn die erste Lebensversicherung wegen Null Zins pleite ist, wird der Bürger rebellieren.

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