Enria-Nachfolge: Nur noch zwei Kandidatinnen für Chefposten der EZB-Bankenaufsicht
Die Bundesbank-Vizepräsidentin ist bei der Notenbank unter anderem für Finanzstabilität zuständig.
Foto: ReutersFrankfurt. Das Feld der Kandidatinnen für die Nachfolge des obersten EZB-Bankenaufsehers Andrea Enria verengt sich. Im Rennen seien nur noch die Vizepräsidentinnen der Bundesbank und der spanischen Notenbank, Claudia Buch und Margarita Delgado, sagten mehrere mit dem Thema vertraute Personen dem Handelsblatt.
Die Vize-Präsidentin der irischen Notenbank, Sharon Donnery, habe dagegen einen Rückzieher gemacht. Die EZB werde die Shortlist mit Buch und Delgado voraussichtlich am Mittwochabend an den Währungsausschuss des Europaparlaments weiterleiten.
Die EZB wollte sich dazu nicht äußern. Die irische Notenbank reagierte auf eine Anfrage zum Rückzug von Donnery, die ebenfalls Ambitionen auf den Posten hatte, nicht. Insidern zufolge wären Donnerys Chancen auf die Nachfolge von Enria aus Proporz-Gründen ohnehin gering gewesen.
Bei der Postenvergabe auf europäischer Ebene spielt es nämlich eine wichtige Rolle, dass die unterschiedlichen Interessen der EU-Länder berücksichtigt werden. Irland ist bei den europäischen Spitzenposten bereits verhältnismäßig stark vertreten. EZB-Chefvolkswirt Philip Lane kommt genauso aus Irland wie der Chef der Eurogruppe, Paschal Donohoe.
Enria tritt Ende des Jahres ab. Für die Bundesregierung wäre es ein Prestigeerfolg, wenn mit Buch eine Deutsche seine Nachfolge antreten würde. Zudem hätte Finanzminister Christian Lindner (FDP) dann die Möglichkeit, eine Nachfolgerin nach seinen Vorstellungen für den Posten der Bundesbank-Vizepräsidentin zu nominieren.
Es gibt jedoch auch Stimmen, die dies eher kritisch sähen. Sie argumentieren, so könnten Deutschlands Chancen schwinden, einen Nachfolger für EZB-Präsidentin Christine Lagarde zu nominieren, deren Amtszeit im Jahr 2027 endet.
>> Lesen Sie hier: Bundesbank-Präsident Nagel – Noch keine Entwarnung bei Inflation
In die Verhandlungen könnten auch andere Personalien einfließen, wie die Nachfolge des bisherigen EZB-Direktoriumsmitglieds Fabio Panetta. Die italienische Regierung will ihn zum neuen Chef der Banca d’Italia machen, dadurch würde sein Posten in Frankfurt frei. Es wird erwartet, dass Italien erneut einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin vorschlägt und dabei zum Zuge kommt. Möglich wären aber auch Gegenkandidaten, zum Beispiel aus Osteuropa.
Europaparlamentarier hatten bereits 2018 gewünscht, den Chefposten bei der EZB-Bankenaufsicht mit einer Frau zu besetzen. Das Europaparlament hat in dem Prozess allerdings nicht das letzte Wort.
Buch und Delgado müssen sich nun Anhörungen im Währungsausschuss des Europaparlaments stellen. Die Entscheidung für eine Kandidatin fällt jedoch im EZB-Rat und muss dann vom Rat der EU mit qualifizierter Mehrheit bestätigt werden.