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GeldpolitikDie EZB sucht eine neue Strategie

Die entscheidenden Notenbanker haben sich erstmals seit über einem Jahr persönlich getroffen. Ein wichtiges Ziel ist es, künftig klarer und verständlicher zu kommunizieren. 20.06.2021 - 17:04 Uhr Artikel anhören

Bisher gilt es als wahrscheinlich, dass das Inflationsziel künftig einfach als „zwei Prozent“ definiert wird, statt bislang als „nahe an, aber unter zwei Prozent“.

Foto: Jan Huebner

Frankfurt. Mehrere große Themen hat der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) am Wochenende besprochen: die Definition und die Messung von Preisstabilität, das dazugehörige analytische Konzept, die Orientierung der Geldpolitik „auf mittlere Sicht“, die Rolle der Klimapolitik bei der Formulierung der Geldpolitik, und die Modernisierung der Kommunikation.

Das geht aus einer Mitteilung der EZB hervor, die allerdings keine Ergebnisse dieser Diskussionen enthält. Die meisten Themen waren vorab schon bekannt.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde lässt sich zitieren mit: „Es war gut, sich wieder persönlich zu treffen, und die Hügel des Taunus waren ideal um nach Monaten digitaler Kommunikation wieder Kontakt aufzunehmen.“ Die Französin hat zu ihrer Amtsübernahme im Herbst 2019 bereits zu einem ähnlichen Treffen in einem Edelhotel eingeladen. Damals war der EZB-Rat zerstritten und es ging darum, Wunden zu heilen. Zurzeit ist weniger Streit spürbar, allerdings könnte die Frage, wann und wie die EZB den Krisenmodus der Coronazeit verlassen soll, wieder zu härteren Diskussionen führen.

Bisher gilt es als wahrscheinlich, dass das Inflationsziel künftig einfach als „zwei Prozent“ definiert wird, statt die bisherige Formulierung „nahe an, aber unter zwei Prozent“ zu verwenden. Bei der Inflationsmessung dürfte die Einbeziehung der Kosten des Wohnens im Eigentum, das bisher nicht gemessen wird, eine zentrale Rolle spielen.

Die „mittlere Sicht“ ist bisher stets der Joker gewesen, um Abweichungen vom Inflationsziel als tolerabel einzustufen. Insofern wäre es spannend, falls es dort zu einer Präzisierung kommen sollte. Die US-Notenbank (Fed) verfolgt inzwischen offiziell die Strategie, Abweichungen vom Ziel auszugleichen, so dass also nur noch ein Durchschnitt als entscheidende Größe gilt.

Wie geht es weiter mit der EZB bei der Klimapolitik?

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Bisher gibt es wenig Anzeichen, dass die EZB sich in eine ähnliche Richtung entwickelt. Bei der Klimapolitik ist vor allem die Frage spannend, ob die EZB daran festhält, diesen Bereich unter dem primären Mandat der Preisstabilität abzuhandeln, oder vielleicht stärker in der Kommunikation auf das sekundäre Mandat der Unterstützung der Politik der Europäischen Union (EU) überzugehen. Und schließlich will die EZB insgesamt etwas einfacher und verständlicher kommunizieren.

Bei ihrer nächsten Sitzung im September wird die EZB wahrscheinlich näheren Aufschluss über ihre Strategie geben. Bis dahin dürften auch die Erwartungen steigen, dass sie Klarheit über ihre Abkehr von der ultraleichten Geldpolitik schafft.

fw
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