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Geldpolitik Erste Fed-Sitzung unter Biden: Worauf es bei der US-Notenbank heute ankommt

Fed-Chef Powell hat die Amtszeit von Donald Trump überstanden. Eine Änderung des Leitzinses wird nicht erwartet. Es kommt aber auf die Zwischentöne in der Pressekonferenz an.
27.01.2021 - 06:30 Uhr Kommentieren
Die US-Währungshüter haben bereits im Vorfeld der Sitzung klargemacht, dass sie den Leitzins bis über das Ende der Pandemie hinaus nicht anheben wollen. Quelle: AFP
US-Notenbankchef Jerome Powell

Die US-Währungshüter haben bereits im Vorfeld der Sitzung klargemacht, dass sie den Leitzins bis über das Ende der Pandemie hinaus nicht anheben wollen.

(Foto: AFP)

New York Nach der zweitägigen Tagung tritt der Gouverneur der US-Zentralbank Jerome Powell am Mittwoch an die Öffentlichkeit. Es ist das erste Mal, seitdem Joe Biden die Präsidentschaft übernommen und ein massives Hilfsprogramm angekündigt hat. 

Was erwarten die Investoren?

Investoren erwarten am Mittwoch keine Zinsschritte. Trotz Pandemie und schwachen Arbeitsmarkts haben die Währungshüter um Fed-Chef Jerome Powell bereits im Vorfeld klargemacht, dass sie den Leitzins bis über das Ende der Pandemie hinaus in der Spanne von null bis 0,25 Prozent halten wollen.

Auch an den massiven Käufen von Staatsanleihen wird die US-amerikanische Zentralbank wohl nicht rütteln. Die Notenbank stabilisiert die Wirtschaft und das Finanzsystem mit monatlichen Wertpapierkäufen im Volumen von 120 Milliarden Dollar. Beobachter erwarten, dass Powell diesen Kurs nochmals bekräftigen wird.

Worauf muss man achten?

Wie so oft bei Notenbanken kommt es auch nach dieser Fed-Sitzung auf die Zwischentöne an, wenn der Zentralbank-Gouverneur Jerome Powell im Anschluss seine Pressekonferenz hält. Da werden die Investoren genau hinhören, wenn es um das Thema Inflation und um das sogenannte „Tapering“ – also das Zurückfahren der Anleihekäufe – geht.

Das könnte Hinweise geben, ob die Zentralbank sich doch irgendwann von der zuletzt sehr lockeren Geldpolitik verabschieden will. Zuletzt war eine Debatte darüber entbrannt, wann man die Käufe von Anleihen am besten herunterfahren sollte.

Was hat sich an der Lage in den USA verändert?

Es ist das erste Mal, dass die Fed unter der neuen Regierung von Joe Biden tagt. Generell wird erwartet, dass sich das Verhältnis zwischen der Notenbank und dem Weißen Haus entspannt. Donald Trump hatte den von ihm ernannten Powell in den letzten Jahren häufig stark kritisiert und unter Druck gesetzt. Die Fed hatte ihrerseits die Politik deutlich dazu aufgerufen, ihren Teil zu tun und die Wirtschaft mit weiteren Hilfsprogrammen zu stützen.

Bei Biden sitzt nun mit Janet Yellen als Finanzministerin Powells Vorgängerin und langjährige Kollegin in der Regierung. Die beiden kennen und schätzen sich sehr.

Was die Konjunktur angeht, dürften das geplante Stimulus-Programm von Joe Biden und seine Pläne für eine schnellere Impfung der Bevölkerung mittel- und langfristig der Wirtschaft helfen. Kurzfristig hat sich der Ausblick jedoch eingetrübt. Das zeigten die jüngsten Daten vom Arbeitsmarkt und vom Einzelhandel. Hinzu kommt, dass Bidens schärfere Corona-Regeln die Konjunktur zumindest kurzfristig hemmen könnten.

Der US-Senat hat Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt. Quelle: Reuters
Janet Yellen

Der US-Senat hat Janet Yellen als Finanzministerin bestätigt.

(Foto: Reuters)

Wie eng sieht die Fed ihr Inflationsziel von zwei Prozent?

Die Fed hat ein Inflationsziel von zwei Prozent ausgerufen. Im vergangenen Jahr setzte sie sich aber auch einen Rahmen, nach dem sie nicht sofort reagieren muss, sollte die Inflation kurzfristig über diese Schwelle steigen.

Der Grund dafür: Die Fed will eine möglicherweise noch zaghafte Erholung nicht schon im Keim ersticken. Die Zentralbank hat sich daher zum Ziel gesetzt, dass die Inflation „die zwei Prozent über einen gewissen Zeitraum moderat überschreitet“. Viele Beobachter kritisieren, dass diese Formulierung zu vage ist.

Für eine schon bald steigende Inflation spricht nicht nur das geplante Konjunkturprogramm in Höhe von 1,9 Billionen Dollar. Auch die zwei Billionen Dollar, die die Amerikaner während der Pandemie zusätzlich zur Seite gelegt haben, könnten in einem geimpften Land schnell in Form von Reisen, Restaurantbesuchen und anderen Einkäufen wieder in Umlauf kommen. Das alles könnte die Preise nach oben treiben.

Wie urteilen die Experten?

Der wahrscheinlich weiterhin lockere Kurs der amerikanischen Zentralbank wird zumindest von einigen Beobachtern durchaus kritisch gesehen. „Die Sorge ist, dass die Fed, ultrasanft (dovish) bleiben wird, weil ihr kurzfristiger Ausblick düsterer geworden ist, auch wenn der langfristige Ausblick besser geworden ist“, erklärte der renommierte Ökonom und Allianz-Berater Mohamed El-Erian gegenüber dem Börsensender CNBC.

Eine klassische Zentralbank würde in solch einer Situation nach vorn schauen und ein Zurückfahren der Anleihekäufe andeuten. „Aber diese Fed wird das nicht tun“, ist El-Erian überzeugt. Und das bringe das Risiko weiterer Blasen mit sich.

Der Ökonom räumt ein, dass dem Markt mit einer solchen Andeutung ein „Tantrum“ drohen würde, dass die Börsen also ausrasten könnte. Aber: „Das ist das typische Elternproblem: Süßigkeiten wegnehmen, und man bekommt ein Tantrum. Aber wenn man die Süßigkeiten weitergibt, macht das die Dinge nicht einfacher“, sagt El-Erian.

Der Ökonom Ebrahim Rahbari erwartet ebenfalls eine weiterhin lockere Geldpolitik. Das sei durchaus bemerkenswert angesichts der jüngsten Diskussion darüber, die Anleihekäufe herunterzufahren, schreibt er.

Rahbari erwartet keine großen Änderungen am Mittwoch. Sollte die Fed zusätzlichen Stimulus ins Gespräch bringen, wäre das eine Überraschung in Richtung einer lockereren Geldpolitik. Ein Risiko einer härteren Geldpolitik wäre es dagegen, wenn die Fed „andeutet, dass die Diskussion über ein Zurückfahren der Anleihekäufe in den kommenden Monaten relevant werden könnte“, schreibt der Citi-Ökonom.

Die Privatbank Brown Brothers Harriman (BBH) erhofft sich mehr Klarheit zu der Diskussion um die Anleihekäufe. „Gleichzeitig wird die Fed sicher die jüngste Schwäche der US Konjunkturdaten zur Kenntnis nehmen und ihren ultralockeren Kurs verteidigen.“ 

Mehr: Joe Biden gestaltet die Finanzregulierung neu – und sendet ein Signal an die Wall Street

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