Geldpolitik: EZB-Direktor Elderson empört mit Wortwahl
Frankfurt. Die Affäre um kritische Äußerungen von EZB-Direktor Frank Elderson über Mitarbeiter zieht in der Notenbank Kreise. In einer Stellungnahme, die dem Handelsblatt vorliegt und über die zunächst die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, wendet sich die für Personal zuständige „Chief Services Officer“ Myriam Moufakkir an die Belegschaft der Europäischen Zentralbank (EZB). Darin versucht sie auf Geheiß von EZB-Chefin Christine Lagarde, die Wogen zu glätten.
Ausgangspunkt sind Äußerungen Eldersons in einem internen Meeting, über die das Magazin „Politico“ berichtet hatte. Elderson, Vizechef der EZB-Bankenaufsicht, soll demnach gefragt haben: Warum stelle die EZB Leute ein, „die wir umprogrammieren müssen, weil sie von den besten Universitäten kommen, aber immer noch nicht wissen, wie man das Wort ,Klima‘ buchstabiert“.
Innerhalb der EZB sorgt das für Empörung. Die Personalvertretung wandte sich an das EZB-Direktorium, das die Geschäfte der Notenbank führt.
In dem Schreiben äußern sich die Personalvertreter „geschockt“ über die Wortwahl Eldersons. Sie stehe „sehr stark im Widerspruch zu Diversität und Inklusion, insbesondere Meinungsvielfalt“.
Auch in Teilen des EZB-Rats, der über die Geldpolitik entscheidet, sorgt das nach Informationen des Handelsblatts aus Notenbankkreisen für Unruhe. Ein nationaler Notenbankchef findet den Vorgang „schmerzhaft“.
Anderswo heißt es hingegen, man solle die Episode nicht überbewerten, auch wenn die Wortwahl nicht glücklich sei: Elderson gelte als extrem kompetent und unumstritten.
Elderson reagierte Mitte der Woche persönlich. In einer Mitteilung an die Belegschaft räumte er einen Fehler ein. Statt „umprogrammieren“ hätte er das Wort „trainieren“ benutzen sollen.
EZB-Spitze: Nehmen Sorgen zur Kenntnis
Zugleich stellte Elderson klar: Die EZB müsse in ihrer Arbeit die Erkenntnisse der Klimawissenschaft berücksichtigen. Er sei ein Verfechter von Meinungsfreiheit und jeglicher Form von Diversität.
Moufakkir schreibt, die EZB-Spitze habe die Sorgen von Mitarbeitern „zur Kenntnis genommen“. Eldersons Äußerungen seien im Kontext der EZB-Strategie zu sehen.
Demnach sollten wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel in die Arbeit der Notenbank einfließen.
EZB-Chefin Lagarde hatte sich im EU-Parlament hinter Elderson gestellt.