Geldpolitik: Inflation und Euro-Krise: Auf diese Punkte kommt es bei der EZB-Sitzung an
Die EZB-Chefin und ihre Ratskollegen sind durch die hohe Inflation, die Rezessionsgefahr und die Regierungskrise in Italien in einer besonders schwierigen Situation.
Foto: ReutersFrankfurt. Als die Europäische Zentralbank (EZB) vor über elf Jahren zum letzten Mal die Zinsen erhöhte, hieß ihr Präsident noch Jean-Claude Trichet. Der damalige Schritt hielt nicht lange an. Nur wenige Monate später revidierte sein Nachfolger Mario Draghi diese Maßnahme.
Seither sind die Leitzinsen im Euro-Raum immer weiter gefallen. Diesen Trend wird die EZB auf ihrer Sitzung am heutigen Donnerstag höchstwahrscheinlich beenden.
Die Ausgangslage für die Notenbank ist allerdings so schwer wie lange nicht mehr. So lag die Inflation im Euro-Raum im Juni auf dem historischen Höchststand von 8,6 Prozent. Das dürfte nicht das Ende sein: „Wir erwarten, dass die Gesamtinflation im September einen Höchststand von über zehn Prozent erreichen wird“, sagt Roxane Spitznagel, Ökonomin des US-Fondsverwalters Vanguard.
Gleichzeitig aber droht eine Rezession im Währungsraum, also eine schrumpfende Wirtschaft. Diese Gefahr besteht vor allem dann, wenn Russland seine Gaslieferungen nach Deutschland, Italien und andere Länder aussetzt.
Zudem sind die Renditeaufschläge für die Staatsanleihen hochverschuldeter Euro-Länder wie Italien zuletzt deutlich gestiegen, seit die EZB baldige Zinserhöhungen signalisiert hat. Das erhöht die Refinanzierungskosten für die ohnehin schon angeschlagenen Staaten. Manche Ökonomen wie der Chef des Münchener Ifo-Instituts, Clemens Fuest, warnen daher bereits vor einer neuen Euro-Krise.