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GeldpolitikUS-Inflationsrate sinkt leicht auf 4,9 Prozent – Spekulationen um den weiteren Kurs der Fed

Der Preisdruck in den USA schwächt sich ab, wenn auch nur leicht. Die neuen Daten dürften bei den US-Währungshütern erneut gemischte Reaktionen auslösen.Katharina Kort, Leonidas Exuzidis 10.05.2023 - 14:40 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Sorge vor den Folgen einer hartnäckigen Teuerung.

Foto: AP

New York, Düsseldorf. Die USA kommen der ersten Zinspause seit März 2022 einen weiteren Schritt näher. Der Preisdruck in der weltgrößten Volkswirtschaft hat sich im April – wenn auch nur leicht – erneut abgeschwächt. Doch die neuen Daten sollten nach Meinung von Experten keine zu große Vorfreude wecken. Zwei Indikatoren könnten die US-Notenbank Fed doch noch zu einem weiteren Zinsschritt bewegen.

Im Vergleich zum Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise (CPI) im April in den USA um 4,9 Prozent. Der Rückgang ist der zehnte in Folge und eine Überraschung. Experten hatten erwartet, dass die Teuerungsrate auf dem Niveau von 5,0 Prozent verharrt.

Deshalb fiel die Marktreaktion erst einmal positiv aus. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagte die Ökonomin Betsey Stevenson von der Universität Michigan. „Es ist sicher ein langsamer Weg und sicher einer mit ein paar Hürden. Aber die Fed glaubt, dass ihr Plan aufgeht.“

Die US-Notenbank muss nun entscheiden, ob der Rückgang ausreicht, um eine Zinspause einzulegen, nachdem sie ihre Leitsätze zuvor zehn Mal angehoben hat. Die Fed hatte in der vergangenen Woche eine solche Pause in Aussicht gestellt. Deshalb waren die April-Daten mit Spannung erwartet worden.

An den Terminmärkten wird die Chance nunmehr auf 90 Prozent taxiert, dass die Zinspause tatsächlich kommt. Die Investoren gehen sogar noch einen Schritt weiter. Sie rechnen mit Zinssenkungen bis zum Jahresende. Die durchschnittliche Erwartung für das Zinsniveau Ende 2023 liegt bei nur noch 4,5 Prozent.

Doch die Experten der Commerzbank sehen das anders. Nach ihrer Meinung sind Spekulationen auf Zinssenkungen wegen der Hartnäckigkeit der Inflation verfehlt. Als Indiz dafür, dass sich die Teuerung in weiten Teilen der US-Wirtschaft festgesetzt hat, gilt die um die schwankungsanfälligen Posten Energie und Lebensmittel bereinigte Kerninflationsrate. Diese Kennzahl lag im April mit 5,5 Prozent erneut über der allgemeinen Teuerung.

Ein zweiter Hinweis darauf, dass sich höhere Preise in der Breite niederschlagen, ist der Vergleich zum Vormonat, der in den USA größere Beachtung erfährt als etwa im Euro-Raum. Demnach stiegen die Konsumentenpreise um 0,4 Prozent, nach 0,1 Prozent im März. Das heißt: Der gleiche Warenkorb war im April 2023 0,4 Prozent teurer als im März 2023.

Die Monatsrate sei „weiterhin viel zu hoch“, warnt der Kapitalmarktexperte Thomas Altmann. „Zu früh freuen sollte sich niemand.“ Bastian Hepperle von Hauck Aufhäuser Lampe erwartet, dass die Fed „wohl in Warteposition bleiben“ wird.

Die gemischten Signale, die von den neuen Preisdaten ausgehen, lassen sich auch an den Marktreaktionen ablesen. Die US-Leitindizes Dow Jones und S&P 500 eröffneten bis zu 0,6 Prozent im Plus, ehe sich die Stimmung wieder eintrübte. Ebenso machte der Dollar seine Verluste wieder wett.

Die Fed erachtet eine Inflationsrate von zwei Prozent als optimal. Da dieser Wert noch immer weit entfernt ist, hat sie in der Vorwoche die Zinsen ein weiteres Mal auf eine Spanne von nunmehr 5,0 bis 5,25 Prozent erhöht – das höchste Niveau seit 16 Jahren. Der Chef des einflussreichen Notenbankbezirks New York, John Williams, hatte am Dienstag betont, dass weiter steigende Zinsen denkbar sind: „Wir haben nicht gesagt, dass wir fertig sind.“ Höhere Zinsen wirken erst verzögert auf die Wirtschaft.

Die vielen und starken Anhebungen der vergangenen Monate machen sich in den USA jedoch längst bemerkbar. Aus der aktuellen Fed-Umfrage unter Banken geht hervor, dass die Geldhäuser in den USA die Anforderungen für die Kreditvergabe verschärft haben. Außerdem hat sich die Nachfrage nach Privat- und Firmenkrediten abgeschwächt.

Dazu tragen auch die Turbulenzen im Bankensektor bei. Infolge der Krise der Regionalbanken und der Ereignisse seit März haben Experten zufolge viele Geldhäuser ihre Richtlinien zur Kreditvergabe verschärft – in Erwartung höherer Ausfallraten und einer strengeren Regulierung.

Andere Indikatoren sprechen jedoch gegen eine Abkühlung der bislang robusten US-Konjunktur. So wurden im April deutlich mehr Stellen aufgebaut als prognostiziert. Auch ist die Arbeitslosenquote nochmals leicht gesunken auf 3,4 Prozent. Die Jobdaten sprechen dafür, dass die Wirtschaft die vielen Zinsschritte gut verkraftet. Eine Abkühlung ist weiter nicht in Sicht.

Das Ansehen der Fed ist angekratzt

Das Ansehen der Zentralbank hat in den USA angesichts der hohen Inflation und der Bankenkrise spürbar gelitten. Die Fed hatte beim Umgang mit der Situation Fehler eingeräumt. Laut einer Gallup-Umfrage ist das Vertrauen in die Führung von Notenbankchef Jerome Powell stark gefallen. Nur noch 36 Prozent der Befragten trauen ihm zu, das Richtige für die Wirtschaft zu tun oder zu empfehlen.

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„Das ist nicht überraschend, angesichts der jüngsten Beweise für Fehler der Fed bei der Bankregulierung und der Aufsicht, die sich in eine lange Liste von Nachlässigkeiten in Analyse, Ausblick, Taten und Kommunikation einreihen“, kommentiert der Kapitalmarktexperte Mohamed El-Erian.

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