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GroßbritannienBank von England hebt Leitzins auf 4,25 Prozent

In Großbritannien liegt die Inflationsrate weiterhin hoch – bei 10,4 Prozent. Die Notenbanker wollen mit dem erneuten Zinsschritt der hartnäckigen Teuerung entgegenwirken.Torsten Riecke 23.03.2023 - 15:26 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Notenbank hebt den Leitzins im Land erneut an.

Foto: Reuters

London. Die Bank of England (BoE) hat ihren Leitzins am Donnerstag um 25 Basispunkte auf jetzt 4,25 Prozent erhöht. Das ist die elfte Zinserhöhung der britischen Notenbank seit Dezember 2021. Der Zinssatz steigt damit auf den höchsten Stand seit 2008. Die BoE folgt dem Beispiel der Federal Reserve (Fed) in den USA, die ihren Leitzins am Mittwoch ebenfalls um einen Viertelprozentpunkt angehoben hatte.

Die Entscheidung des geldpolitischen Ausschusses fiel mit einer deutlichen Mehrheit von sieben Stimmen. Zwei Mitglieder votierten dafür, den Zinssatz unverändert zu lassen. Die Währungshüter begründeten ihren Zinsschritt vor allem damit, dass sich das Wirtschaftswachstum in Großbritannien stärker entwickelt habe als gedacht, was „die Persistenz der höheren Kosten bei den Verbraucherpreisen verstärken“ könne.

Die Zinserhöhung gab dem britischen Pfund auf dem Devisenmarkt zusätzlichen Rückenwind. Der Kurs stieg leicht auf 1,23 Dollar an. Auch die Rendite der zweijährigen Staatsanleihen verbesserte sich.

Analysten hatten nach der Fed-Entscheidung am Vortag und dem Anstieg der britischen Inflationsrate mit einer Zinserhöhung um einen Viertelprozentpunkt gerechnet. „Sollte es Anzeichen für einen anhaltenden (Preis)Druck geben, wäre eine weitere Straffung der Geldpolitik erforderlich“, schreiben die Währungshüter.

An den Finanzmärkten ist jetzt eine weitere Zinserhöhung der Bank of England fest eingepreist. „Wir sind der Meinung, dass die Inflation noch weiter bekämpft werden muss, auch wenn die Bank mit Problemen der Finanzstabilität und zunehmendem rezessivem Gegenwind zu kämpfen hat“, sagte John Leiper vom Vermögensverwalter Titan Asset Management in London. James Smith, Ökonom bei der niederländischen Großbank ING, sieht dagegen bereits das Ende der Zinserhöhungen in Großbritannien in Sichtweite und sagt für die Notenbank-Sitzung im Mai eine Zinspause voraus.

Die drei Probleme der Notenbanken

Wie alle großen Notenbanken stecken auch die britischen Geldwächter in einem Trilemma: Der Kampf gegen eine hartnäckig hohe Inflationsrate von zuletzt 10,4 Prozent hat Priorität, insbesondere nachdem die Verbraucherpreise entgegen den Erwartungen im Februar nicht gesunken, sondern wieder gestiegen sind.

Zugleich muss die Bank of England nach den Erschütterungen im internationalen Bankensektor die Finanzstabilität im Auge behalten, auch wenn die Währungshüter versichern, dass das britische Bankensystem „widerstandsfähig“ und „gut positioniert“ sei, um „die Wirtschaft (…) auch in einer Zeit höherer Zinsen zu unterstützen“.

Und schließlich müssen die Notenbanker die Wirkungen ihrer Zinserhöhungen auf das schwache Wachstum in Großbritannien beachten. Zwar rechnen die Geldwächter jetzt nicht mehr mit einer Rezession im laufenden Jahr. Dennoch bleibt das Inselreich das Schlusslicht in der Wachstumstabelle der sieben führenden Wirtschaftsnationen (G7). Catherine Mann, die zu den Falken im geldpolitischen Ausschuss der BoE gehört, hatte kürzlich gewarnt, dass Großbritannien in eine Phase der Stagflation mit hohen Preissteigerungen und niedrigem Wachstum rutschen könnte.

Zusätzlich erschwert wird die geldpolitische Kursbestimmung noch durch die wechselseitige Abhängigkeit der drei Ziele: So rechnen Ökonomen damit, dass die Kreditinstitute nach den Erschütterungen auf dem Bankenmarkt in den USA und der Schweiz noch sensibler auf Zinserhöhungen reagieren und ihre Kreditvergabe stärker einschränken.

Hartnäckige Inflation schafft neue Unsicherheit

Das wiederum würde bedeuten, dass die Zentralbanken ihre geldpolitischen Zügel weniger stark anziehen müssten, um die gewünschte dämpfende Wirkung auf die gesamtwirtschaftliche Nachfrage zu erzielen. Die Bank of England hatte die Leitzinsen im Februar um einen halben Prozentpunkt erhöht und schon damals signalisiert, dass bald das Ende der Zinserhöhungen erreicht sein könnte.

Dass die Inflationsrate im Februar dennoch wieder von 10,1 auf 10,4 Prozent stieg und damit nach wie vor fünfmal höher ist als die Zielmarke der Notenbank, hat nicht nur damit zu tun, dass vorangegangene Zinserhöhungen erst mit einer Zeitverzögerung ihre volle Wirkung entfalten.

Die Bank of England rechnet nicht damit, dass sich die starken Preiserhöhungen für Lebensmittel in den nächsten Monaten fortsetzen.

Foto: Bloomberg

Vielmehr mehren sich die Anzeichen, dass sich die Inflationserwartungen in den Köpfen von Verbrauchern und Unternehmern festsetzen könnten und damit schwerer zu bekämpfen sind. Dennoch gehen die britischen Notenbanker weiterhin davon aus, dass der Preisauftrieb dank sinkender Energiepreise schon im zweiten Quartal des laufenden Jahres „deutlich“ und schneller als erwartet sinken wird.

Der Preisschub im Februar wurde vor allem von hohen Lebensmittelpreisen und teureren Dienstleistungen angeheizt. Die Hoffnung, dass die stark gesunkenen Gas- und Ölpreise den Preisdruck bremsen, hat sich nicht erfüllt.

>> Lesen Sie alles zur Bankenkrise in unserem Newsblog: Keine „pauschale“ Garantie für US-Bankeinlagen

Auch auf dem Arbeitsmarkt gibt es angesichts eines gravierenden Fachkräftemangels keine Entwarnung: Nach Angaben des Office for National Statistics (ONS) stiegen die Löhne in den drei Monaten bis Januar 2023 um 6,5 Prozent. Die Arbeitslosenquote liegt bei 3,7 Prozent. Während die Beschäftigten angesichts der deutlich höheren Inflation mit Streiks gegen Reallohnverluste kämpfen, fürchten die Notenbanker eine Lohn-Preis-Spirale.

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Die Kerninflation, die starke Schwankungen der Energie- und Lebensmittelpreise nicht berücksichtigt, stieg von 5,8 auf 6,2 Prozent. Im Februar hatte die Bank of England noch prophezeit, dass die Inflation bis zum zweiten Quartal 2024 wieder unter die Zielmarke von zwei Prozent sinken werde.

Der britische Premierminister Rishi Sunak hat versprochen, die Preissteigerungsrate noch in diesem Jahr um die Hälfte zu drücken. Sein Finanzminister Jeremy Hunt hatte die BoE denn auch schon vor ihrer Zinserhöhung aufgefordert, ihren Kampf gegen die „gefährlich hohe Inflation“ fortzusetzen. „Je früher wir die Inflation in den Griff bekommen, desto besser für alle“, begrüßte Hunt hinterher die Entscheidung der Notenbanker.

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