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InflationsbekämpfungEZB-Ratsmitglied: Eurozone „sehr nahe“ am Gipfelpunkt der Zinsen

Mit Blick auf den Zinsentscheid will sich Frankreichs Notenbankchef noch nicht festlegen. Der IWF rechnet derweil global mit einer langen Hochzinsphase. 01.09.2023 - 13:30 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Große Zinsschritte sind laut Frankreichs Notenbankchef sehr unwahrscheinlich.

Foto: Reuters

Paris. Der EZB stehen aus Sicht von Frankreichs Notenbankchef Francois Villeroy de Galhau für ihre Zinsentscheidungen im September und auf den danach anstehenden Sitzungen noch alle Türen offen. „Unsere Optionen sind für diese Sitzung und für die folgenden Sitzungen offen“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag gegenüber Journalisten.

Die allgemeine Inflationsrate habe ihren Höchststand erreicht. Und auch die Kernrate, in der unter anderem die schwankungsanfälligen Energie- und Lebensmittelpreise ausgeklammert sind, scheine inzwischen zu sinken.

Die nächste EZB-Zinssitzung ist am 14. September. „Wir sind nahe, sehr nahe am Gipfelpunkt unserer Zinsen, aber wir sind noch weit von dem Punkt entfernt, an dem wir Zinssenkungen in Betracht ziehen könnten“, sagte Villeroy.

Zuletzt hatte die Debatte unter den Währungshütern zugenommen, ob womöglich angesichts der Anzeichen für eine schwächere Konjunktur im Euroraum eine Zinspause angemessen sei. Die Euro-Wächter haben seit Sommer vergangenen Jahres im Kampf gegen die Inflation bereits neun Mal in Folge die Zinsen angehoben, zuletzt im Juli um einen viertel Prozentpunkt.

Der am Finanzmarkt maßgebliche Einlagensatz, den Geldhäuser für das Parken überschüssiger Gelder von der Notenbank erhalten, liegt inzwischen bei 3,75 Prozent. Das ist das höchste Niveau seit Oktober 2000.

Kroatiens Notenbank-Chef sieht anhaltenden Lohndruck

Nach Einschätzung des kroatischen Notenbank-Chefs Boris Vujcic erschweren besonders der robuste Arbeitsmarkt in der Euro-Zone und ein kräftiges Lohnwachstum die Eindämmung der Inflation. „Der Lohndruck ist nach wie vor vorhanden, und die jüngsten Daten weisen nicht darauf hin, dass er nennenswert nachlässt“, sagte das Ratsmitglied der Europäischen Zentralbank (EZB) am Freitag in einem Interview auf dem Reuters Global Markets Forum.

Die Eindämmung der Inflation werde dadurch auf der letzten Wegstrecke erschwert. „Solange das so ist, befürchte ich, dass die letzte Meile sehr schwierig sein wird,“ merkte er an.

Kroatiens Notenbank-Chef äußerte sich nicht dazu, ob er auf der kommenden Zinssitzung der EZB am 14. September eine Zinserhöhung oder eine Zinspause befürworten wird. Er führte aber aus, dass noch Monate vergehen könnten, bis die EZB zu dem Schluss käme, dass die Zinssätze ihren Höchststand erreicht hätten.

IWF rechnet mit längerer Hochzinsphase

Währenddessen stellt sich der Internationale Währungsfonds (IWF) global auf eine längere Hochzinsphase ein. Das sagte IWF-Vizechefin Gita Gopinath am Freitag auf einer Konferenz der südafrikanischen Notenbank.

Wahrscheinlich würden die geldpolitischen Schlüsselsätze nie mehr auf ein längere Zeit niedriges Niveau sinken, so wie es im vorigen Jahrzehnt in vielen Währungsräumen der Fall war. Denn es könne öfter zu Angebotsschocks kommen, sagte die Ökonomin mit Blick auf beispielhafte Risiken von plötzlichen Verteuerungen bei Gas und Öl.

„Die Pandemie und der Krieg Russlands in der Ukraine haben berechtigte Bedenken hinsichtlich der Sicherheit der Lieferketten und der allgemeinen nationalen Sicherheit geweckt“, sagte Gopinath. Der IWF habe ein waches Auge auf die ungleich verlaufende Entwicklung im globalen Handel, die insbesondere das Wirtschaftswachstum von Schwellenländern wie etwa Südafrika erheblich drücken könne.

Die Volkswirtin sprach von einer „beunruhigenden Zunahme der Fragmentierung“ des Welthandels. Größere Turbulenzen seien auch im Zusammenhang mit dem wirtschaftlichen Umbruch in China zu erwarten.

Angesichts der auf die Schwellenländer zukommenden Risiken sei es umso wichtiger, dass sie sich geldpolitisch wappneten und den Finanzsektor schützten, sagte Gopinath. Diese Länder sollten daran arbeiten, höhere inländische Einnahmen zu generieren, etwa über Steuern.

Zudem sollten sie Strukturreformen angehen und an der Diversifizierung der Handelsströme arbeiten. Gleichzeitig gelte es, eine fiskalisch und sozial nachhaltige Klimastrategie zu verfolgen, die Maßnahmen zur CO2-Bepreisung umfasse. „Die Herausforderungen mögen gewaltig sein. Aber die Chancen sind riesig“, sagte die IWF-Vizechefin.

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