Mohamed El-Erian: „Alle schauen inzwischen mit großer Skepsis auf das westliche System“
New York. Kaum ein Ökonom kennt die globalen Finanzmärkte besser als Mohamed El-Erian. Als ehemaliger Chef des Anleihe-Investors Pimco fühlte er jahrelang den Puls der Bondmärkte. Neben der Inflation und den Kapitalmarktzinsen beschäftigt sich der Präsident des Queen‘s College in Cambridge vor allem auch mit geopolitischen und -ökonomischen Fragen. Insbesondere aus Sicht des Westens sei 2023 ein „katastrophales Jahr“ gewesen, und es gebe wenig Anlass zur Hoffnung, dass 2024 ein besseres werden.
Am Ende des Gesprächs wurde der sonst so humorvolle Ökonom melancholisch: „Ich entschuldige mich einmal im Monat auch bei meinen Töchtern für die Welt, die meine Generation ihnen hinterlässt“ – eine Welt mit „unzureichendem Wachstum, großer Ungleichheit, hoher Verschuldung und einer Klimakrise“. Aber immerhin, so El Erian, verfüge die künftige Generation über bessere Werkzeuge, um die Herausforderungen zu meistern.
Herr El Erian, liest man Ihr Buch „Permacrisis“, was so viel wie permanente Krise bedeutet, gerät man schnell in einen depressiven Zustand. Gibt es aus Ihrer Sicht nicht noch Anlass zur Hoffnung, dass das Jahr 2024 nach den großen Krisenjahren ein besseres wird?