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NotenbankenBank of England verschiebt Zinswende wegen Konjunktursorgen

Die Federal Reserve hat die geldpolitische Wende eingeleitet – die Bank of England zögert noch. Sie enttäuscht so die Erwartungen der Märkte.Carsten Volkery und Jan Mallien 04.11.2021 - 13:55 Uhr Artikel anhören

Die britische Notenbank hat Zinserhöhungen für „die kommenden Monate“ in Aussicht gestellt.

Foto: REUTERS

London, Frankfurt. Die Bank of England (BoE) hat die Zinswende noch einmal aufgeschoben. Die britische Notenbank beließ den Leitzins am Donnerstag auf dem historischen Tiefstand von 0,1 Prozent. Die Entscheidung im geldpolitischen Ausschuss fiel mit sieben zu zwei Stimmen recht deutlich aus.

Die Märkte hatten fest mit der ersten Zinserhöhung seit der Coronapandemie gerechnet. Nach der Entscheidung fiel das Pfund um 0,8 Prozent. Die Notenbank stellte aber Zinserhöhungen „in den kommenden Monaten“ in Aussicht. Ihre Inflationsprognosen legen nahe, dass der Leitzins Ende 2022 bei einem Prozent liegen wird.

Der geldpolitische Ausschuss hielt mit sechs zu drei Stimmen auch am Ankauf von Staatsanleihen in Höhe von 875 Milliarden Pfund fest. Die US-Notenbank Federal Reserve hatte hingegen am Mittwoch angekündigt, ihre Anleihekäufe zu drosseln.

Die Bank of England begründete ihre Zurückhaltung vor allem mit der wirtschaftlichen Unsicherheit in Großbritannien. Das Wachstum habe sich im dritten Quartal verlangsamt, heißt es in der Begründung. Die Lieferkettenengpässe wirkten dämpfend, und auch der Konsum sei schwächer als noch im Sommer erwartet. Die Notenbank rechnet nun mit 1,2 Prozent Wachstum in dem Quartal.

Zudem will sie erst abwarten, wie sich das Auslaufen der Kurzarbeiter-Regelung Ende September auf den Arbeitsmarkt auswirkt. Die Notenbank schätzt, dass zu diesem Zeitpunkt noch rund eine Million Arbeitnehmer in Kurzarbeit waren.

Debatte über Anhalten der Inflation

Die konjunkturellen Sorgen überwogen die Angst vor der Inflation. Die Teuerungsrate lag im September zwar mit 3,1 Prozent deutlich über dem langfristigen Zielwert von zwei Prozent. Auch erwartet die Notenbank, dass sie im November auf viereinhalb Prozent steigen wird, im kommenden April sogar auf fünf Prozent.

Doch halten die Zentralbanker die hohe Inflation weiterhin für ein vorübergehendes Problem. In der zweiten Jahreshälfte 2022 werde sie wieder deutlich zurückgehen, heißt es im Bericht des Ausschusses. Den langfristigen Zielwert von zwei Prozent soll sie der Prognose zufolge jedoch erst Ende 2023 erreichen.

Andere Notenbanken weltweit haben bereits eine deutliche Straffung ihrer Geldpolitik eingeleitet – allen voran in den Schwellenländern. Brasilien und Russland haben in diesem Jahr schon jeweils sechsmal die Zinsen angehoben. Unter den entwickelten Volkswirtschaften sind vor allem kleinere Länder mit Zinserhöhungen vorgeprescht wie Norwegen, Neuseeland und Polen.

Die großen Notenbanken lassen sich bisher deutlich mehr Zeit. „Unter den Notenbanken weltweit gibt es sehr unterschiedliche Einschätzungen zu den Inflationsrisiken“, sagt der Chefökonom der US-Fondsgesellschaft MFS, Erik Weisman. Einige signalisierten eine signifikante Straffung der Geldpolitik wie etwa Neuseeland – andere seien deutlich zurückhaltender wie die Fed und die EZB. „Nicht alle können richtigliegen.“

Der weite Weg der EZB

EZB-Chefin Christine Lagarde versicherte jüngst erneut, dass die Notenbank noch sehr lange an ihrer lockeren Geldpolitik festhalten will und sie eine Zinserhöhung in absehbarer Zeit für unwahrscheinlich hält. Die Märkte zweifeln aber daran, dass sie diese Linie durchhalten kann, und preisen bereits für nächstes Jahr eine Zinserhöhung an.

Lagarde hat dies auf ihrer Pressekonferenz in der vergangenen Woche deutlich zurückgewiesen. Am Mittwoch legte sie nochmals nach und betonte in einer Rede, dass zunächst drei Bedingungen erfüllt sein müssten, um die Zinsen anzuheben. Es sei „sehr unwahrscheinlich, dass diese drei Bedingungen nächstes Jahr erfüllt sind“.

Vor einer Zinserhöhung müsste die EZB erst mal ihre Anleihekäufe beenden. Im Dezember will sie beschließen, wie es damit weitergehen soll. Lagarde hat zwar signalisiert, dass das Pandemie-Kaufprogramm PEPP Ende März auslaufen soll.

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Parallel zu PEPP gibt es aber noch ein älteres Kaufprogramm mit dem Kürzel APP. Dieses beläuft sich aktuell auf 20 Milliarden Euro monatlich. Die meisten Experten erwarten, dass die Notenbank das APP-Programm auch über den März hinaus weiterlaufen lässt und eventuell zunächst noch aufstockt.

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