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US-Notenbank Fed erklärt ihre neue Strategie und drängt die US-Politik zu weiteren Staatshilfen

Die Währungshüter läuten eine lange Phase der Niedrigzinsen ein. Viele Ökonomen sehen die Zinswende in weiter Ferne. Doch viele Fragen bleiben offen.
16.09.2020 Update: 17.09.2020 - 00:48 Uhr 1 Kommentar
Die bisherigen Konjunkturpakete seien für die Stabilisierung der US-Wirtschaft inmitten der Corona-Krise entscheidend gewesen, sagte der US-Notenbankchef. Quelle: Reuters
USA

Die bisherigen Konjunkturpakete seien für die Stabilisierung der US-Wirtschaft inmitten der Corona-Krise entscheidend gewesen, sagte der US-Notenbankchef.

(Foto: Reuters)

Washington Die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) stellt Anleger auf eine lange Niedrigzins-Phase ein. Bereits Ende August hatte Fed-Chef Jerome Powell einen historischen Strategieschwenk angekündet. Die Währungshüter wollen das Inflationsziel von zwei Prozent demnach nun weitaus flexibler gestalten als bisher. Zudem will die Fed fortan ein noch größeres Augenmerk auf Vollbeschäftigung und einen guten Arbeitsmarkt für möglichst alle Bevölkerungsgruppen legen.

Was das genau heißt, erklärte Powell am Mittwoch auf einer Pressekonferenz im Anschluss an die Sitzung des Zinsausschusses. Die Währungshüter wollen die Zinsen so lange auf der derzeitigen Spanne von null bis 0,25 Prozent belassen, „bis Vollbeschäftigung herrscht, die Inflation bei zwei Prozent liegt und auf dem Weg ist, für einige Zeit die Marke von zwei Prozent zu überschreiten“, heißt es in dem Statement.

Den wirtschaftlichen Prognosen der Notenbanker zu folge, die ebenfalls am Mittwoch veröffentlicht wurden, werde es frühestens 2023 eine Zinserhöhung geben. Viele Ökonomen glauben jedoch, dass die Zinswende noch weiter in die Ferne rückt. Scott Anderson, Chefökonom der Bank of the West etwa, rechnet frühestens Ende 2024 mit steigenden Leitzinsen.

„Wir sind fest entschlossen, unsere Ziele zu erreichen, auch die höhere Inflation“, betonte Powell während der Video-Konferenz mit Journalisten. Es werde viel Zeit brauchen, bis sich die Wirtschaft komplett von den Folgen der Pandemie erholen werde. Auch wenn die Fed zunächst einmal die Prognose anhob.

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    Für 2020 erwartet die Notenbank nun ein Schrumpfen der US-Wirtschaft um 3,7 Prozent. Im Juni war noch ein Einbruch von 6,5 Prozent befürchtet worden. Auch die Prognose für die Arbeitslosenquote ist mittlerweile optimistischer. Sie soll bis Jahresende auf 7,6 Prozent fallen, nach einer Prognose von 9,3 Prozent im Juni. Bis Ende 2021 erwartet die Fed demnach eine Arbeitslosenquote von 5,5 Prozent.

    Powell rechnet mit langsamer Erholung

    Doch viele Unsicherheiten bleiben. Powell rechnet damit, dass sich die Erholung in den kommenden Monaten deutlich langsamer fortsetzen werde, auch, weil sich die Politik immer noch nicht auf neue Staatshilfen einigen konnten.

    Die bisherigen Konjunkturpakete seien für die Stabilisierung der Wirtschaft inmitten der Corona-Krise entscheidend gewesen. „Mein Gefühl ist, dass es noch mehr fiskalische Unterstützung brauchen wird“, sagte Powell. Auch sei die Lage der Wirtschaft weiter vom Verlauf der Pandemie anhängig und davon, ob Menschen die Sicherheitsabstände einhalten und vor allem während der Arbeit Masken tragen.

    Es war die letzte Sitzung der Notenbanker vor der Präsidentschaftswahl am 3. November. Ob sich die Blockade in Washington bis dahin lösen wird, ist unklar. Die Notenbank hatte wie viele Ökonomen damit gerechnet, dass es auf jeden Fall ein neues Konjunkturpaket geben werde. Druck machte am Mittwoch auch US-Präsident Donald Trump, der mit einer schnellen Einigung bei den Wählern punkten will.

    Sollte es nicht zu einem Deal in Washington kommen, könnte das die wirtschaftliche Erholung verzögern, warnen Experten der Investmentbank Morgan Stanley. Demnach könnte es ein halbes Jahr länger dauern, bis die größte Volkswirtschaft der Welt wieder auf dem Vorkrisenniveau ankommt.

    Fed-Chef: „Die Munition geht uns noch lange nicht aus“

    Powell muss in den kommenden Monaten ein schwieriges Umfeld navigieren. Die Pandemie hat die größte Volkswirtschaft der Welt in zwei Lager geteilt. Tech-Unternehmen profitieren von den Veränderungen hin zu mehr Heimarbeit und mehr Online-Handel.

    Kurz vor der Pressekonferenz feierte das Cloud-Start-up Snowflake den erfolgreichsten Börsengang eines Softwareunternehmens überhaupt. Gleichzeitig würden viele Restaurants und Unternehmen der Tourismusbranche noch lange unter den Folgen der Pandemie leiden und bräuchten Hilfe aus der Politik.

    Die Fed hatte im Juli ein 600 Milliarden Dollar schweres Programm auferlegt, das Banken zu einer höheren Kreditvergabe an solvente Mittelständler motivieren soll. Bislang findet es jedoch kaum Abnehmer, weil die Konditionen zu streng und zu undurchsichtig sind, wie Firmen beklagen. Powell kündete in den kommenden Wochen Änderungen an.

    Auch sicherte er zu, die Anleihenkäufe der Notenbank mindestens auf dem derzeitigen Niveau weiter zu führen. Die Fed kauft monatlich Staatspapiere in Höhe von 80 Milliarden Dollar und mit Hypotheken besicherte Anliehen im Wert von 40 Milliarden Dollar.

    Seit Beginn der Krise im März belaufen sich die Zukäufe allein bei diesen zwei Klassen auf rund drei Billionen Dollar. Die Zentralbank seit weiter entschlossen, ihre „volle Bandbreite an Werkzeugen“ einzusetzen, um die Folgen der Coronakrise abzufedern, betonte Powell. „Die Munition geht uns noch lange nicht aus.“

    Mit der neuen Strategie erläuterten die Währungshüter, woran sie künftige Zinserhöhungen festmachen wollen. Doch in den neuen Regeln hat sich die Fed auch einiges an Ermessensspielraum eingebaut. Absichtlich haben sie auf feste Regeln oder Formeln verzichtet, die bestimmen, wann genau Vollbeschäftigung erreicht ist und wie Lange die Inflation über der Marke von zwei Prozent liegen muss.

    Der Strategieschwenk der Notenbank steht besonders im Fokus der Investoren. Quelle: dpa
    Die US-Notenbank

    Der Strategieschwenk der Notenbank steht besonders im Fokus der Investoren.

    (Foto: dpa)

    Vor der Krise lag die Arbeitslosenquote bei 3,5 Prozent. Das hatte laut Powell viele Vorteile, vor allem, weil zum ersten Mal seit langem der Aufschwung deutlich bei Geringverdienern ankam und Menschen zurück in Jobs holte, die lange nicht mehr gearbeitet haben. Der Fokus auf die durchschnittliche Inflationsrate sei als Signal zu sehen, dass die Zinsen noch lange niedrig bleiben werden. „Es geht nicht darum, die Inflation schneller nach oben zu treiben und es geht auch nicht darum, neue Stimulusmaßnahmen zu starten“, gibt Robin Brooks, Chefökonom des Institute of International Finance zu bedenken.

    Die Pandemie bremst die Konjunktur der weltgrößten Volkswirtschaft weiterhin aus. Die Arbeitslosenquote war im August zwar wieder auf 8,4 Prozent gefallen, aber rund 30 Millionen Menschen beziehen derzeit noch eine Form von Arbeitslosenhilfe. Trump rechnet mit einer sehr raschen wirtschaftlichen Erholung bis zum Jahresende. Die Prognosen der meisten Analysten sind allerdings zurückhaltender.

    Wegen der Pandemie hat die Fed seit Februar bereits ihren Leitzins gesenkt, Anleihenkäufe vervielfacht und weitreichende Kreditprogramme aufgelegt, um die Finanzmärkte und die Realwirtschaft zu stabilisieren. Experten zufolge sind die Krisenmaßnahmen der Fed bereits umfassender als jene nach der globalen Finanzkrise 2008/2009.

    Derzeit werden in den USA täglich rund 40.000 Corona-Neuinfektionen gemeldet. Insgesamt gibt es Daten der Universität Johns Hopkins zufolge inzwischen knapp 6,6 Millionen bestätigte Infektionen mit dem Erreger Sars-CoV-2 und rund 196 000 damit verbundene Todesfälle.

    Mit Agenturmaterial.

    Mehr: Die irre Angst vor einer Technologieblase.

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    1 Kommentar zu "US-Notenbank: Fed erklärt ihre neue Strategie und drängt die US-Politik zu weiteren Staatshilfen"

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    • Die Schulden, die die Fed aufgekauft hat, mit Geld aus dem Nichts, sind nicht weltbewegend, wie Herr Sinn und Co. mit seinen alten Ideen weiß machen will. Mit dem geschöpfte Geld hat die Fed dem Staat einiges an Staatsanleihen abgekauft. Das Geld hat somit der Finanzminister über das Bankensystem erhalten und über die Staatsausgaben ausgegeben. Davon hatten alle etwas. Die Unternehmer Gewinne, die Beschäftigten Nett-Gehälter, die Dienstleister ihren Anteil. Das Geld ist somit in der Geld-Zirkulation, im tagtäglichen Markt. Da das Geld aus dem Nichts geschöpft wurde, kann man auch auf die Rückzahlung verzichten, denn man schuldet es niemandem. Man nennt solch einen Akt ganz altmodisch - Ausbuchung. Man muss dies der Fed, der EZB, der BoJ, der BoE usw. nur erlauben, mittels eines kurzen Gesetzes-Textes. Aber Vorsicht, man kann Geldschöpfung auf Dauer nur machen, wenn es hauptsächlich in Infrastruktur fließt, dazu gehört jedoch auch Bildung und die muss man auf Jahrzehnte anlegen in einem Industrieland. Geldschöpfung machen derzeit fast alle Staaten. In Krisen ist das zwingend, sonst erfolgt eine Welt-Depression mit grauenhaften Folgen. Also los, das Ausbuchen diskutieren. Im Fed-Computer-System ausbuchen kann schon der Buchhaltungs-Lehrling.

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