Immobilien: Ifo-Umfrage zeigt Absturz im Wohnungsbau
„Es braut sich ein Sturm zusammen“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo- Umfragen, zur Lage am Immobilienmarkt.
Foto: IMAGO/Rupert OberhäuserBerlin. Der Absturz im deutschen Wohnungsbau setzt sich laut Ifo-Institut verstärkt fort. Im Juli klagten 40,3 Prozent der Unternehmen über Auftragsmangel, nach 34,5 Prozent im Juni, wie das Münchner Wirtschaftsforschungsinstitut am Montag mitteilte. Vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 10,8 Prozent. „Es braut sich ein Sturm zusammen“, sagte Klaus Wohlrabe, Leiter der Ifo- Umfragen. „Nach einem langjährigen Boom würgen die höheren Zinsen und die drastisch gestiegenen Baukosten das Neugeschäft förmlich ab.“
Seit dem Frühling 2022 sind auffällig viele Auftragsstornierungen im Wohnungsbau zu beobachten. Aktuell klagten 18,9 Prozent der Betriebe über abgesagte Projekte, nach 19,2 Prozent im Vormonat. Im langfristigen Mittel betrug der Anteil nur 3,1 Prozent. Betrachtet man nur die Jahre bis 2021, waren es lediglich 1,5 Prozent.
Die Aktien deutscher Immobilienunternehmen gerieten am Montag unter Druck: So notierte die Aktie von Vonovia am Nachmittag 1,4 Prozent im Minus, die Papiere der im MDax notierten Unternehmen TAG und LEG lagen 2,3 beziehungsweise 1,3 Prozent tiefer. Patrizia SE, ein Anbieter von Immobilieninvestments, gehörte mit einem Minus von 3,2 Prozent zu den größten Verlierern im SDax.
„Der Wohnungsbau steht unter starkem Druck. Auf der einen Seite werden kontinuierlich bestehende Aufträge storniert, auf der anderen Seite kommen immer weniger Neuaufträge rein“, sagte Wohlrabe.
Viele Unternehmen zehren noch von den Auftragspolstern, die sie in besseren Zeiten aufbauen konnten. Für einige Betriebe wird die Situation allerdings schon bedrohlich, wie das Ifo erläuterte. Im Rahmen der jüngsten Umfrage meldeten 10,5 Prozent der Wohnungsbaufirmen Finanzierungsschwierigkeiten.
Im Vorjahr waren es nur halb so viele. „Viele Projekte sind unter den neuen Rahmenbedingungen für Investoren nicht mehr rentabel, und auch private Bauleute haben zunehmende Probleme, eine Finanzierung auf die Beine zu stellen“, betonte Wohlrabe.
Bauministerin Geywitz bekräftigt Hilfen
Für die kommenden Monate rechne eine Mehrheit der Betriebe mit einer weiteren Abkühlung. Die Geschäftserwartungen lagen bei außerordentlich schwachen minus 52,1 Punkten.
Bundesbauministerin Klara Geywitz stellte am Montag die eigentlich von der Ampel-Regierung geplante Verschärfung der Energiestandards für Neubauten infrage. „Aus meiner Sicht ist die Situation jetzt nicht so, dass man bei den Baupreisen und den ganz stark zurückgegangenen Bauanträgen noch weitere Standardverschärfungen machen sollte“, sagte die SPD-Politikerin den Sendern RTL/ntv. Der Energieeffizienzstandard EH-40 soll eigentlich ab Anfang 2025 vorgeschrieben werden.
Die Bundesministerin für Bau und Wohnen will im September ein Hilfspaket für die Branche vorstellen.
Foto: dpaGeywitz will im September ein Hilfspaket für die kriselnde Baubranche vorstellen. „Wichtig ist, dass wir in so einer Situation einen Impuls setzen“, hatte sie am Sonntag in Berlin gesagt. Die Baubranche brauche einen Nachfrageimpuls, weil Kreditfinanzierungen deutlich teurer geworden seien.
Im Rahmen des sogenannten Wachstumschancengesetzes von Finanzminister Christian Lindner (FDP) werde es Hilfen geben. In der jetzigen Anpassungsphase mit höheren Zinsen wäre es das Schlimmste, Baukapazitäten abzubauen.
Im ersten Halbjahr sind die Baugenehmigungen eingebrochen, wie das Statistische Bundesamt zuletzt mitgeteilt hatte. Es waren 50.600 oder 27,2 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2022.
Geywitz hatte zuletzt bereits eine degressive Abschreibung im Wohnungsbau vorgeschlagen. Bauherren könnten dann innerhalb der ersten acht Jahre 48 Prozent der Kosten bei der Steuer abschreiben.