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ImmobilienMilliarden-Projekt „Fürst“ in Berlin – Baustelle läuft wieder an

Nach der Restrukturierung der Finanzen soll das Prestigeprojekt am Kurfürstendamm bis 2025 fertig werden. Verlierer sind die nachrangigen Gläubiger.René Bender, Lars-Marten Nagel, Michael Verfürden 20.03.2024 - 18:19 Uhr
Die Baustelle „Fürst“ ist auch als „Ku’damm-Karree“-Hochhaus bekannt. Seit 2018 wird das Bauensemble grundlegend saniert. Foto: IMAGO/Stefan Zeitz

Berlin, Düsseldorf. Fast ein Jahr lang stand das Megaprojekt „Fürst“ am Kurfürstendamm in Berlin still, weil die Geldgeber im Hintergrund um die Finanzen stritten. Am Mittwoch ließ sich Berlins Regierender Bürgermeisters Kai Wegner (CDU) vom CEO der „Fürst“-Gruppe, dem Briten Ryan Beckwith, herumführen. Der Vor-Ort-Termin sollte eine Botschaft des Friedens vermitteln: Der Streit ist beigelegt, jetzt soll der Bau schnell vorangebracht werden.

Die Berliner könnten sich schon in den kommenden Tagen auf „reges Treiben, Betonmischer und aktive Kräne“ einstellen, sagte Beckwith dem Handelsblatt. Laut Zeitplan soll das Projekt nun 2025 abgeschlossen werden und damit zwei Jahre später als ursprünglich geplant.

„Berlin braucht solche Leuchtturmprojekte“, sagte Bürgermeister Wegner. „Eine Verbindung von Flaniermeile und Kunst, ein Ort, an dem Arbeitsplätze entstehen, Wohnraum geschaffen wird und es zwei Kulturstätten geben wird: ein Theater und ein Museum.“

Das „Fürst“ soll auf 100.000 Quadratmetern Büros, Wohnungen und Geschäften Platz bieten, dazu einem Fitnessstudio, einem Berlin-Museum samt Atomschutzbunker und auch einem Theater. Am Mittwoch nahm deshalb auch Martin Woelffer, Leiter der Komödie am Kurfürstendamm, am Baustellenrundgang teil. Sein Fazit:  „Glücklicherweise hat der Rohbau der Komödie nicht unter dem Baustillstand gelitten.“

Die Baustelle ruhte seit Mai 2023. Inflation und Materialmangel hatten zu massiven Kostensteigerungen geführt. Das Projekt gehörte damals noch dem Baukonzern Aggregate. Dessen CEO Cevdet Caner ließ im vergangenen Jahr wissen: Die Baukosten seien um etwa 100 Millionen Euro gestiegen. Diese Lücke müssten die Gläubiger schließen. Damals reichte das Geld nur für 85 Prozent der geplanten Bautätigkeit.

290 Millionen Euro für Weiterbau zur Verfügung

Über die Nachschüsse kam es zum Streit zwischen erst- und nachrangigen Gläubigern, der zuletzt vor dem britischen High Court of England and Wales in London ausgetragen wurde. Dort setzte die Gesellschaft ihren Restrukturierungsplan durch. Ein Großteil der Seniorgläubiger, zu denen der Hedgefonds Fidera, aber auch die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) gehören, soll nun frisches Geld zur Verfügung stellen.

„Fürst“-CEO Ryan Beckwith (v.l.n.r.) führte den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner und Theater-Chef Martin Woelffer am Mittwoch über die Baustelle. Foto: Agentur Bildschön

Beckwith sprach am Mittwoch von einer „nachhaltigen Kapitalstruktur“ und „ausreichenden Mitteln für die Fertigstellung“. Die Finanzverbindlichkeiten würden frühestens im November 2025 fällig werden. Die „Fürst“-Gruppe verfüge über 290 Millionen Euro und damit über die nötige Liquidität, um „alle verbleibenden Investitionsausgaben“ zu finanzieren.

Als Verlierer gehen die nachrangigen Gläubiger aus der Umstrukturierung hervor. Ihre Schuldtitel in Höhe von insgesamt 250 Millionen Euro werden vollständig abgelöst und größtenteils annulliert. Unter ihnen sind auch Versicherer und deutsche Pensionskassen. Im Herbst hatten sie noch versucht, Einfluss auf die VBL zu nehmen, den Sanierungsweg nicht mitzugehen. 

„Fürst“-CEO Beckwith verwies auch auf „die Schaffung einer neuen Eigentümerstruktur für die Fürst-Gruppe“, auf die er allerdings nicht näher eingehen wollte. Informierte Kreise weisen darauf hin, dass Aggregate inzwischen die Entscheidungsbefugnisse über das Objekt abgegeben habe. Die Baustelle werde von einer Holdinggesellschaft aus dem Kreis der vorrangigen Darlehensgeber kontrolliert.

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Trotzdem freute sich auch die ehemalige Muttergesellschaft über die Restrukturierung. „Diese Genehmigung markiert einen bedeutenden Meilenstein für die Entwicklung“, teilte eine Aggregate-Sprecherin in der vergangenen Woche mit. Aggregate-CEO Cevdet Caner ist ohnehin weiter mit von der Partie. Für 300.000 Euro im Monat berät eine seiner Firmen die „Fürst“-Leitung bei der Fertigstellung des Projekts.

Kai Wegner jedenfalls nahm am Mittwoch die Verantwortlichen in die Pflicht: „Wir bauen auf die Zusicherung der Betreibergesellschaft, das Projekt Fürst nun zügig fertigzustellen. Ziel ist es, dem Kurfürstendamm endlich wieder sein Herz zurückzugeben.“

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