Psychologe: „Der Traum vom Haus kann auch zum Albtraum werden“
Viele Menschen streben nach einem Eingenheim.
Foto: IMAGO/imagebrokerBerlin. Herr Träder, es gab 2021 über 16 Millionen Einfamilienhäuser, darunter auch Doppelhaushälften, in Deutschland. Seit 2001 kamen jährlich grob rund 100.000 hinzu. Das Eigenheim bleibt offenbar ein anhaltendes Lebensziel der Deutschen. Warum?
Es ist nicht nur ein Lebensziel. Im ländlichen Raum ist Wohnen kaum anders möglich. Dort gibt es keine Mietshäuserstruktur wie in Hamburg oder Berlin. Von daher ist es nicht verwunderlich, dass die Hälfte der Menschen in Häusern lebt.
Der Wunsch des Hausbaus wächst aber auch aus einem gesellschaftlichen Narrativ heraus.
Klar: Kinder zeugen, Baum pflanzen, Haus bauen gelten als die drei großen To-dos. Das hören wir in unserer Kultur immer wieder. Ein eigenes Haus bedeutet Erfolg, nach außen hin und für sich selbst. Ich habe Besitz erschaffen, den ich auch noch nutzen kann.
Wieso streben wir danach?
Das Leben und die Arbeit sind oft schwer und hart. Als Ausgleich spendet ein Haus Sicherheit und Freiheit: Niemand kann mir kündigen. Ich kann den Wohnraum gestalten, wie ich möchte. Im Rentenalter muss ich keine Miete zahlen. Tradition spielt aber auch eine Rolle: Viele Menschen bleiben dort, wo sie aufgewachsen sind, und kümmern sich eines Tages um ihr Elternhaus, wollen die Familiengeschichte fortführen. Vergessen wird bei diesem Narrativ oft, was so ein Haus kostet, dass selbst bei Erbe in 30 Jahren vielleicht grundsaniert werden muss und die Rente plötzlich trotzdem knapp wird. Der Traum vom Haus kann auch zum Albtraum werden.