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Umstrittenes Hotelprojekt auf BaliDonald Trump und die Dämonen

Eine Firma des Trump-Clans plant auf Bali einen Hotelturm. Doch die Nähe zum heiligsten Hindutempel provoziert Widerstand. Der Partner vor Ort ist in seiner Heimat ebenso umstritten wie der US-Präsident in seiner.Urs Wälterlin 23.07.2017 - 09:40 Uhr Artikel anhören

Golfplatz mit Blick auf den Hindutempel Tanah Lot.

Foto: Handelsblatt

Denpasar. Champagner und Kaviar am fünften Loch: Auf dem Golfplatz des Pan Pacific Nirwana Bali Resorts kann man es sich gutgehen lassen. Im orangefarbenen Licht der untergehenden Sonne, mit Blick auf die offene See und zum heiligen Hindutempel Tanah Lot, reichen Bedienstete feine Häppchen. Der Golfplatz ist Teil einer Hotelanlage aus Villen, Nobelzimmern, Swimmingpools, manikürten Rasenanlagen, Lotosblüten und Wasserspielen. Eleganz in traditionell balinesischem Stil – und ein denkbar großer Kontrast zum 30 Kilometer entfernten Strand Kuta in Denpasar. Dort streiten sich übergewichtige tätowierte Australier mit betrunkenen europäischen Pauschaltouristen um Sonnenstühle und Schattenplätze.

Doch dem paradiesischen Nirwana rücken in den kommenden Wochen die Bulldozer zu Leibe. An seine Stelle werde ein noch opulenteres, „fantastisches, einzigartiges“ Projekt treten. Das jedenfalls versprechen der berühmteste Immobilienunternehmer der Welt und sein indonesischer Kompagnon.

Die zum Immobilienimperium Donald Trumps gehörende Hotelbetreibergesellschaft Trump Hotels und ihr Partner Hary Tanoesoedibjo – oder Tanoe, wie sich der 51-jährige indonesische Milliardär und Unternehmer nennt – planen an diesem malerischen Ort den Bau eines „außergewöhnlichen Luxusprojekts“, wie es auf der Website von Trump Hotels heißt. Eine Sechs-Sterne-Hotelanlage solle das „erste Resort des Labels Trump International Hotel & Tower in Asien“ werden, ein „integriertes Lifestyle-Projekt“, mit exklusivem „Country Club“ und Golfplatz von Weltklasse. Ein Kronjuwel der 100 Hektar großen Anlage soll ein Hotelturm sein, mit Ausblick auf den Indischen Ozean und den Hindutempel Tanah Lot, die wichtigste kulturelle Ikone auf Bali.

Trump-Gäste sollen sich offenbar wohlfühlen auf der „Insel der Götter“. Doch die Götter sind nicht begeistert.

Wenn es um ihre Religion und Kultur geht, verstehen Balinesen keinen Spaß. Sollten Trump und Tanoe ihre Pläne für den Bau eines Turmes in die Tat umsetzen, „werden wir kommen und ihn abreißen“, mahnt Ida Bagus Wiatmaja, Chef der lokalen Planungsbehörde. Über ein geplantes Hochhaus schweigen sich Trump Hotels und Tanoe gegenüber Journalisten allerdings aus. Auch die Anwohner tappen bislang im Dunkeln. Nur eines ist sicher: Sofern sich die Bauherren an die Vorschriften halten, wird Bali mit Bestimmtheit keinen „Trump Tower“ erhalten. Auf der Insel darf kein Gebäude höher sein als 15 Meter – die Höhe einer Kokosnusspalme. Das ist Gesetz.

Traditionen sind auf der Insel nicht verhandelbar.

Foto: Handelsblatt

Selbst ohne Turm allerdings wäre das Projekt nicht ganz einfach zu realisieren. „Es gelten hier ganz besondere Regeln, geschriebene und ungeschriebene“, sagt ein Anwohner. 80 Prozent der Bewohner der Insel sind Hindu – eine Ausnahme im vorwiegend muslimischen Indonesien. Entsprechend streng werden auf Bali Religion und Tradition gehütet.

Besonders strikt sind die Vorschriften im Gebiet um Tanah Lot, den im 16. Jahrhundert erbauten heiligsten Tempel der balinesischen Hindu und Weltkulturerbe der Unesco. Das Leben der Reisbauern in dieser fruchtbaren Agrarregion wird von jahrhundertealten Verhaltensregeln bestimmt. Opfergaben, Gebete, Zeremonien – jeden Tag werden sie abgehalten, um die Götter bei Laune zu halten. Die Furcht vor der Rache von Geistern und Dämonen ist im Alltag der balinesischen Hindu dauerpräsent.

Hary Tanoe, der selbst einer christlichen Kirche angehört und sich in einem Hummer H2 durch den Dauerstau Jakartas chauffieren lässt, ficht das offenbar nicht an. Er verfolgt das Projekt weiter, das dem üblichen Trump’schen Geschäftsmodell entspricht. Tanoe soll das Resort für etwa 400 Millionen US-Dollar bauen. Betrieben würde die Luxusanlage dann von Trump Hotels. Diese Abmachung war 2015 unterzeichnet worden, noch vor der Wahl Donald Trumps zum amerikanischen Präsidenten. Heute kommuniziere er vorwiegend mit Trumps Söhnen, hat Tanoe erklärt. Mit der Übernahme des Präsidentenamtes hatte Trump die Leitung seiner Geschäfte offiziell seinen Kindern übergeben.

Die neue Luxusanlage soll es auf sechs Sterne bringen.

Foto: Handelsblatt

In seiner Heimat ist Tanoe eine so umstrittene Figur wie Trump in der seinen. Als Gründer und Chef des diversifizierten Holdingunternehmens MNC Group kontrolliert er unter anderem 60 Fernsehstationen und scheut keine Gelegenheit, sich mit deren Hilfe in Szene zu setzen. Seine Fotografen folgen ihm auf Schritt und Tritt und twittern jede Begegnung Tanoes mit einflussreichen Politikern, Geschäftsleuten und Prominenten.

Die Parallelen zu seinem amerikanischen Geschäftspartner sind nicht zufällig. Laut dem Magazin „Forbes“ tut Tanoe „sein Bestes, um Trump nachzuahmen“. Und wie sein amerikanisches Vorbild hat der Geschäftsmann Ambitionen aufs höchste Staatsamt. Mit seiner 2015 gegründeten Partei „Perindo“ (Einheitspartei) mischt er in der indonesischen Politik mit. Bereits 2014 hatte Tanoe als Kandidat einer anderen Partei das Vizepräsidentenamt gesucht. Damals scheiterte er.

Das ganz große Rad drehen

Mit ihrer Zusammenarbeit verfolgen die beiden Immobilienmoguln offenbar größere Ziele. Denn die Turmanlage in Bali ist nicht das einzige Projekt, bei dem Trump und Tanoe zusammenarbeiten.

Auf der Nachbarinsel Java, südlich der Hauptstadt Jakarta gelegen, planen Trump International und MNC die Errichtung einer 3000 Hektar großen Hotel-, Vergnügungs- und Wohnanlage, inklusive Formel-1-Rennstrecke. Auch dieses futuristische „Mega-Resort“, wie die Partner das Projekt in der Nähe der Stadt Bogor nennen, ist umstritten. Vor allem, weil durch die Überbauung eines ganzen Tals rund 200 Bauern und ihre Familien Heimat und Einkommen verlieren würden, wie Kritiker befürchten.

Doch haben Tanoe und Trump bereits einen Teilerfolg erzielt. Als sie sich im vergangenen September – mitten im US-Präsidentschaftswahlkampf – in Verhandlungen über den Bau des Resorts befanden, fand in New York ein Treffen zwischen Trump und indonesischen Politikern statt. Organisiert hatte es Hary Tanoe. Während der Sitzung im Trump Tower habe der damalige Präsidentschaftskandidat klargemacht, sein Java-Projekt sei „unmöglich ohne eine Bezahlautobahn“ zwischen Jakarta und Bogor zu realisieren. Das jedenfalls berichtete Fadli Zon, Vizevorsitzender des indonesischen Parlaments und wichtiger Unterstützer Trumps, im australischen Fernsehen. Kurz nach dem Treffen verpflichtete sich die indonesische Regierung überraschend zur Fertigstellung und -finanzierung eines Autobahnstücks. Die Schnellstraße soll nun direkt vor der künftigen Trump-Anlage enden. Zon glaubt, dass Tanoe und Trump dadurch den Wert des von ihnen kontrollierten Grundstücks verdoppeln oder verdreifachen konnten.

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Auf Bali dürften es Trump und Tanoe nicht ganz so leicht haben. In den Reisfeldern vor Tanah Lot sehen sich die beiden Unternehmer harten Gegnern ausgesetzt: stoischen Lokalbeamten wie Ida Bagus Wiatmaja und stolzen Reisbauern. Die Pläne für die Ausweitung des Golfplatzes sind in den letzten Wochen bereits ins Stocken geraten. Denn die anliegenden Bauern weigern sich, ihre seit Generationen gehaltenen Grundstücke zu verkaufen. Das Konsortium offeriere rund 7 000 Euro pro 100 Quadratmeter Land. Ein Preis von 32.000 Euro sei aber das Minimum, sagt Nyoman Madya, Sprecher der Anwohner.

Doch höhere finanzielle Forderungen sind für die meisten Bauern nur zweitrangig. „Land ist alles, was wir haben“, erklärt der Reisbauer Teno, als er in Sichtweite des Tempels sein Feld abschreitet und den Wasserstand kontrolliert. Der süße Duft von Räucherstäbchen zieht über die grünen Reispflanzen, Opfergaben für die Götter. „Wir wollen den Boden an unsere Kinder weitergeben“, sagt der Mittsechziger. Wie die meisten seiner Kollegen ist er nicht prinzipiell gegen das Hotel. Er sorge sich aber, dass in Bali wegen der rasanten Expansion des Tourismus der Reisanbau schrumpft.

Was er und seine Nachbarn jedoch auf keinen Fall tolerieren würden, sei eine „Entwürdigung des Bodens“ um Tanah Lot durch „den amerikanischen Präsidenten“. Für Teno besteht kein Zweifel: „Die Götter würden sich an ihm rächen. Und an uns.“

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