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Aktie unter der LupeViel Nachfrage, zu wenig Angebot: Was die Lieferengpässe für die Apple-Aktie bedeuten

Der iPhone-Riese geht mit neuen Produkten auf die Wünsche der Kunden ein. Aber die Abhängigkeit von unsicheren Lieferanten ist ein großes Problem.Axel Postinett 19.10.2021 - 16:07 Uhr Artikel anhören

Der Chipmangel setzt den Tech-Konzern unter Druck. Nun stehen die Zahlen für das dritte Quartal an.

Foto: AP

San Francisco. Apple ist wieder obenauf. Konzernchef Tim Cook stellte am Montag neue Produkte vor. Vor allem die MacBook-Pro-Laptops werden die Kunden mögen. Denn Apple hat nicht nur stärkere Prozessoren und bessere Bildschirme präsentiert, sondern zugleich ungeliebte Features des Vorgängers wie die „Touch Bar“ abgeschafft.

Der beliebte MagSafe-Ladeanschluss dagegen ist zurück, ein integrierter SD-Kartenleser und ein HDMI-Monitoranschluss sind dabei. Eben alles, was professionelle Kunden immer wieder gefordert haben.

Erste Reaktionen sind mehrheitlich begeistert. Aber die Frage wird nicht sein, ob Kunden das Gerät kaufen wollen. Die Frage wird sein, ob Apple bis Weihnachten genug Geräte wird liefern können.

Apple und seine Aktionäre können etwas Enthusiasmus für die neuen Produkte gut gebrauchen. Ähnlich wie andere Tech-Aktien ist das Apple-Papier von seinem Allzeithoch im September bei 157 Dollar abgerutscht. Zuletzt setzten Nachrichten über Lieferengpässe den Kurs deutlich unter Druck, bis er sich am Montag wieder erholte.

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von rund 26 auf Basis des Geschäftsjahrs, das mit dem September geendet hat, ist Apple teurer als zum Beispiel Facebook, aber etwas günstiger als der Google-Mutterkonzern Alphabet, und liegt deutlich unter Amazon. Vom Börsenwert her führt Apple laut Datendienst Refintiv den US-Aktienindex S&P 500 mit rund 2,4 Billionen Dollar an.

Die Börsenkurse zeigen zurzeit insgesamt keine klare Tendenz. Immer wieder wechseln traditionelle Unternehmen und Tech-Werte sich als Favoriten ab, immer wieder verdirbt die Angst vor einer stärkeren Reaktion der US-Notenbank (Fed) auf die erhöhte Inflation die Stimmung.

Die anstehende Saison der Quartalszahlen sorgt zudem für Verunsicherung in den Boom-Branchen schlechthin: Halbleiter, Chips, Computer und Smartphones sowie Konsumelektronik. Lieferengpässe, fehlende Komponenten, Produktionsausfälle durch Covid, Logistikprobleme und explodierende Frachtkosten bestimmen das Bild.

Zahlreiche Unternehmen werden voraussichtlich Ergebnisse unter den Erwartungen liefern oder zumindest vor kommenden Problemen warnen. Chip-Gigant AMD sagt bereits voraus, es werde kein Ende der Chip-Krise vor 2022 geben.

Laptophersteller sind mit Aufträgen für Monate im Rückstand. Microsofts Surface-Laptops mussten im Sommerquartal einen dramatischen Umsatzeinbruch von 20 Prozent hinnehmen. Es fehlen Bauteile. Fertige Hardware-Produkte aus Werken in Asien, vornehmlich China, dümpeln vor überlasteten Häfen in Kalifornien wochenlang auf Containerschiffen herum. Die Regale im Handel bleiben leer, und bei Amazon gibt es nur unverbindliche Lieferversprechen.

Apple wird von alledem nicht verschont: Laut Medienberichten wird der Smartphone-Riese eine Kürzung der Produktionsziele für iPhones von bis zu zehn Millionen Stück für das Gesamtjahr 2021 verkünden. Nicht wegen fehlender Nachfrage, sondern wegen fehlender Geräte.

Ursprünglich seien gut 90 Millionen Geräte für das Weihnachtsquartal geplant gewesen, aber Broadcom und Texas Instruments könnten nicht genug Bauteile liefern, so das Fachmagazin Supply Chain Brain. Schon zuvor hatten andere Zulieferer aus China gewarnt, die eskalierende Stromknappheit im Land könne zu Unterbrechungen in den Halbleiterfabriken führen.

Wichtige Bauteile fehlen – und die Produktion kann nicht im gewünschten Ausmaß erfolgen.

Foto: Bloomberg

Bei einem geschätzten durchschnittlichen Verkaufspreis von über 800 Dollar pro iPhone könnte schnell ein Umsatzausfall von acht Milliarden Dollar entstehen. Der wird sich aber in den aktuellen Quartalszahlen nur teilweise wiederfinden, da die 13er-Serie der iPhones erst Ende September in den Handel kam und sich die Probleme bis Weihnachten verschärfen werden.

In der Analystenkonferenz im Juli prognostizierte Cook für das Septemberquartal ein prozentual „starkes zweistelliges Wachstum“ im Umsatz, verglichen zum Vorjahr, aber nicht so stark wie im Juniquartal. Er warnte, dass der Mangel an Komponenten, der schon die iPad- und Laptop-Verkäufe gebremst habe, nun auf iPhones übergreife.

Analyst Toni Sacconaghi von Bernstein geht derzeit von einem iPhone-Plus im Septemberquartal von 63 Prozent beim Umsatz und 33 Prozent bei den Stückzahlen aus: ein Hinweis auf eine weitere Fokussierung der Kunden auf hochpreisige Geräte. Sacconaghi schätzt den durchschnittlichen Verkaufspreis auf 814 Dollar pro Gerät. Im Vorjahr waren es erst 662 Dollar.

Auf der konservativen Seite steht Katy Huberty von Morgan Stanley: Sie erwartet für das abgelaufene Quartal ein Plus bei den Stückzahlen von neun Prozent bei einem Umsatzsprung von 52 Prozent, sieht das Momentum dann sinken auf nur noch plus sieben Prozent im Weihnachtsquartal.

Der Apple-Analyst Ming-Chi Kuo von TF Securities, bekannt für seine guten Kontakte in der chinesischen Zulieferindustrie, geht in einer September-Notiz davon aus, dass die neuen Modelle schnell den Weltmarkt durchdringen und im Jahr 2022 der iPhone-Absatz in Stückzahlen um 16 Prozent gegenüber 2021 ansteigt.

Der Löwenanteil der Geräte wird auf das iPhone 13 entfallen, glaubt er und hofft, dass sich Produktions- und Lieferprobleme im Rahmen halten. Apple habe zum Beispiel wichtige Kamerabauteile, die 2020 für Verzögerungen gesorgt hätten, bereits in größerer Menge produziert. Für 2023 wagt er eine Prognose von einem weiteren Absatzplus bei iPhones von fünf bis sieben Prozent. Das Smartphone ist für knapp die Hälfte des Gesamtumsatzes verantwortlich.

Trotzdem sind die Probleme für Apple und viele andere Unternehmen weltweit noch längst nicht ausgestanden, fürchtet Analyst Holger Müller von Constellation Research im Silicon Valley. „Als reichstes Unternehmen der Welt hätte Apple rechtzeitig über Diversifikation in der Lieferkette nachdenken und sie fördern können“, kritisiert er. Cook hätte seiner Meinung nach die Abhängigkeit von China reduzieren müssen.

Er beklagt: „Niemand denkt daran, wirklich widerstandsfähige Beschaffungsketten mit Sicherheitsnetz aufzubauen.“ Denn solche redundanten Lieferketten kosten halt einfach mehr Geld und schaden damit dem Profit.

Hoffnung auf Voice

Mit den Problemen im Hardware-Geschäft rücken die Dienstleistungen wieder stärker in den Vordergrund. Am Montag stellte Apple zum Beispiel den neuen Plan „Apple Voice“ für seinen Musikdienst vor. Mit einem Kampfpreis von 4,99 Euro im Monat, das Einzelabo kostet sonst 9,99 Euro, gibt es die gesamte Musikbibliothek und Zusatzangebote.

Dafür ist Apple Voice aber nur mit dem Digitalassistenten Siri von Apple nutzbar und nur von der Kundin persönlich. Sie muss selbst sprechen. Voice zielt auf junge Konsumenten, die allein leben und bereits mit Apple-Geräten ausgestattet sind. Das sind Kunden, die auch von Diensten wie Amazon Music, Spotify oder Pandora stark umworben werden. Britische Wettbewerbshüter haben am Dienstag allerdings angekündigt zu untersuchen, ob Streamingdienste wie von Apple und Spotify angeboten „im Sinne der Verbraucher arbeiten“, wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Angebote wie Voice erzielen neue Umsätze, ohne dass Apple zusätzliche Vertriebsketten oder Logistik aufbauen muss. Die Dienste sind international ausrollbar mit hohen Gewinnmargen und saisonal unabhängig. Sie sind also das Gebot der Stunde und haben schon in der Pandemie starke Wachstumsraten gezeigt. Apple TV Plus+, Apple Arcade oder der App Store sind weitere Treiber in diesem Bereich. Im Sommerquartal 2021 war der Servicebereich bereits der zweitstärkste Wachstumsmotor nach dem iPhone mit einem Plus von 33 Prozent und mit 17,5 Milliarden Dollar Umsatz die zweitgrößte Sparte nach dem Smartphone.

Doch die Probleme nehmen ebenfalls zu. In einem wegweisenden Gerichtsverfahren gegen den Spielehersteller Epic musste Apple zulassen, dass App-Hersteller für Käufe innerhalb ihrer App auch alternative Zahlungsmethoden zu Apples eigenem System anbieten können. In dem Bereich kassiert Apple 30 Prozent aller Umsätze.

Apple will das Urteil anfechten, aber der Trend ist klar: Unternehmen, Politiker und Verbraucherschützer wollen Monopole verhindern. Hat das Urteil Bestand, wäre es ein schwerer Schlag für Apples integriertes App-Store-System. Das Unternehmen gibt keine Ertragszahlen für den App Store, nennt aber für 2020 Bruttoumsätze von 64 Milliarden Dollar.

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