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ChefwechselNach dem Rorsted-Aus: Wie Analysten jetzt die Adidas-Aktie einschätzen

Aktienexperten sehen in dem Chefwechsel eine Chance für Adidas. Eine neuer CEO könne das Wachstum ankurbeln. Kurzfristig sehen sie aber ein Risiko.Andreas Neuhaus 23.08.2022 - 13:06 Uhr Artikel anhören

Investoren waren mit der Entwicklung des Sportartikelherstellers zuletzt unzufrieden.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Adidas-Aktie tut sich weiter schwer, nachdem CEO Kasper Rorsted seinen Abschied angekündigt hat. Die Aktie, die am Montag in einem schwachen Marktumfeld fünf Prozent nachgegeben hatte, hält sich am Dienstag leicht in der Gewinnzone. Das Handelsblatt hat gesammelt, wie Analysten den Führungswechsel einschätzen und welche Auswirkungen sie auf den Aktienkurs erwarten.

Die UBS-Analystinnen Suzanna Pusz und Susy Tibaldi sowie ihr Kollege Chris Huang schreiben in ihrer Notiz, dass sie von einer positiven Marktreaktion ausgehen: „Wir erwarten, dass die Nachricht vom Managementwechsel vom Markt positiv aufgenommen wird, da der Vorstand die Notwendigkeit eines strategischen Wechsels schneller als in der Vergangenheit erkannt hat.“

Es seien angesichts der anhaltenden Underperformance von Adidas in den vergangenen Jahren, die durch jüngste Gewinnwarnungen bestätigt wurde, bereits berechtigte Fragen zur Umsetzung der Unternehmensstrategie aufgekommen. „Adidas ist unter der Führung von Rorsted deutlich hinter seinen Konkurrenten zurückgeblieben, trotz der anfänglichen Margensteigerung aus den Kostensenkungen, dem Verkauf von nicht zum Kerngeschäft gehörenden Vermögenswerten wie Reebok und mehrjährigen Aktienrückkäufen.“

Gleichwohl warnt die UBS vor weiteren Abwärtsrisiken durch einen gesenkten Unternehmensausblick: „Wir glauben, dass die Ankündigung des CEO-Wechsels im zweiten Jahr des strategischen Fünf-Jahres-Plans des Unternehmens darauf hindeutet, dass unsere Schätzungen für 2025 nicht mehr erreichbar sind.“

Die positive Wirkung des Führungswechsels könne daher begrenzt sein, bis alle schlechten Nachrichten bekannt seien und ein geeigneter Ersatz gefunden werde. Die UBS hält daher an ihrem Rating von „neutral“ fest, ihr Kursziel liegt mit 179 Euro rund zwölf Prozent über dem aktuellen Kurs.

Deutsche Bank-Analyst sieht 30 Prozent Kurs-Potenzial

Der 60-jährige Rorsted, seit 2016 an der Spitze von Adidas, hat am Montag seinen vorzeitigen Abschied im kommenden Jahr bekannt gegeben. Ursprünglich lief sein Vertrag noch bis 2026. Vor seinem Engagement bei Adidas stand Rorsted an der Spitze von Henkel.

Adam Cochrane von der Deutschen Bank glaubt, dass der Chefwechsel langfristig positiv für den Aktienkurs von Adidas sein dürfte. Er spricht von einem „nicht völlig überraschenden Abgang“ Rorsteds.

„Wir haben eine Reihe von Gesprächen mit Investoren darüber geführt, ob möglicherweise ein neuer CEO erforderlich ist, um das Wachstum des Unternehmens anzukurbeln“, schreibt Cochrane in seiner Notiz. Der Führungswechsel zeige, wie hart die Arbeit in den letzten Jahren gewesen sei. Ein neuer CEO könne das Geschäft möglicherweise besser wiederbeleben.

Cochrane empfiehlt die Aktie weiterhin zum Kauf, mit einem Kursziel von 210 Euro. Das wäre ein Plus von mehr als 30 Prozent. Gleichwohl warnt er: „Das Unternehmen sieht sich 2023 mit Währungsrisiken und Verbrauchergegenwind konfrontiert, und in Kombination mit einem neuen CEO könnte dies dazu führen, dass die Ziele für 2025 überarbeitet werden.“

„Adidas ist unter der Führung von Rorsted deutlich hinter seinen Konkurrenten zurückgeblieben.“
Suzanna Pusz, Susy Tibaldi uns Chris Huang, Analysten UBS

Selbst wenn sich das Umsatzwachstum gegenüber den einfacheren Vergleichswerten erhole, bestehe die Gefahr, dass die Anleger an der Seitenlinie sitzen, bis der neue CEO ernannt wird und alle nachfolgenden Änderungen der Strategie oder der Leitlinien bekannt werden.

Marketing- und Merchandise-Experten gesucht

Überrascht von Rorsteds Aus zeigt sich dagegen Piral Dadhania von der kanadischen Bank RBC. Er verweist auf die erst im vergangenen Jahr erfolgte Vertragsverlängerung bis Juli 2026.

Angesichts einiger Herausforderungen in den vergangenen Jahren sollte die Nachricht am Markt aber gut ankommen, da sich die Investorendebatte um Veränderungen in der Unternehmensführung in den vergangenen Monaten intensiviert habe. Der Sportartikelhersteller hinke bei der Produktdynamik seit Jahren der Konkurrenz hinterher und brauche nun einen Marketing- und Merchandise-Experten an der Spitze.

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RBC-Experte Dadhania bestätigte sein „Outperform“-Rating mit einem Kursziel von 190 Euro. Das entspricht einem Kurspotenzial von knapp 20 Prozent. Das durchschnittliche Kursziel aller 37 Adidas-Analysten, die der Finanzdienst Refinitiv verfolgt, liegt aktuell knapp darüber bei 195 Euro. 19 Kaufempfehlungen stehen 14 zum Halten und vier zum Verkaufen entgegen.

Besonders pessimistisch ist Christian Salis von Hauck Aufhäuser, der eine Verkaufsempfehlung ausspricht und dessen Kursziel bei 120 Euro liegt. Der Abgang Rorsteds unterstreiche, dass unternehmensspezifische Probleme wie etwa mangelnde Innovation die operative Entwicklung belasteten. Vor diesem Hintergrund erscheine die Aktie ambitioniert bewertet.

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