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IPO Onlinehändler Meinauto gibt Startschuss für Börsengang

Die virtuelle Plattform für Neuwagen will mindestens 150 Millionen Euro durch neue Aktien erlösen. Profitabel ist das Unternehmen schon jetzt – doch es will weiterwachsen.
21.04.2021 - 10:10 Uhr Kommentieren
Meinauto will noch im laufenden Quartal an die Börse. Quelle: AFP
Börse Frankfurt

Meinauto will noch im laufenden Quartal an die Börse.

(Foto: AFP)

Frankfurt. Nach Auto1 steuert der nächste digitale Autohändler aus Deutschland die Frankfurter Börse an: die Meinauto-Gruppe mit Hauptsitz in Oberhaching bei München. Am Mittwoch kündigte das Unternehmen an, durch den Börsengang mindestens 150 Millionen Euro erlösen zu wollen.

Das Angebot soll neue Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie bestehende Anteile der Altaktionäre umfassen. So will der britische Investor Hg Capital Anteile verkaufen. Insgesamt dürfte der Börsengang dadurch deutlich größer ausfallen. Mit den Einnahmen will Meinauto weiteres Wachstum finanzieren und Schulden abbauen.

Der Sprung an die Börse ist im zweiten Quartal vorgesehen. Betreuende Banken für den Börsengang sind BofA Securities, Barclays Bank Ireland, Citigroup, Jefferies und Unicredit.

Meinauto hat sich auf den Vertrieb von Neuwagen im Abo spezialisiert und wurde zuletzt mit mindestens zwei Milliarden Euro bewertet. Firmenchef Rudolf Rizzolli sagte anlässlich des Börsengangs, dies sei ein wichtiger Schritt, um das Unternehmen auf seinem Wachstumspfad weiterzuentwickeln.

Das Börsenfenster für Initial Public Offerings (IPO) steht derzeit weit offen. Die Kapitalmärkte sind im Börsenboom mit immer neuen Indexrekorden aufnahmefähig, zudem sind E-Commerce-Geschäftsmodelle gefragt. In diesem Jahr sind schon der Gebrauchtwagenhändler Auto1 und die Funkmasten von Vodafone unter der Bezeichnung Vantage Towers neu auf den Kurszettel gekommen, beim Labordienstleister Synlab läuft das IPO gerade.

Meinauto setzt auf zwei Megatrends

Firmenchef Rizzolli hatte vor dem Börsengang positive Zahlen veröffentlicht. „Wir haben 2020 mehr als 200 Millionen Euro Umsatz gemacht, fast 40 Millionen Ebitda, wir sind kein Start-up“, sagte er dem Handelsblatt. Meinauto hat 2020 eigenen Angaben zufolge über 39.000 Neuwagen-Bestellungen abgewickelt – teils als reine Leasingverträge und teils mit anschließendem Verkauf. „Wir setzen auf zwei Megatrends: den Trend von offline zu online und von Eigentum zu Nutzung“, sagte Rizzolli.

Während sich die etablierte Branche umstellen muss, sieht das junge Unternehmen seine Chance, als Digitalplattform schnell Marktanteile zu gewinnen. Der Neufahrzeugmarkt sei im letzten Jahr um 19 Prozent geschrumpft, Meinauto um über 30 Prozent gewachsen.

Potenzielles Umsatzvolumen von 70 Milliarden Euro

Neuwagen lassen sich in der Regel einfacher online verkaufen als Gebrauchtwagen, heißt es im Umfeld des Unternehmens. Für die Kunden gebe es praktisch keine Abwicklungsrisiken, außerdem werde eine hohe Qualität der Wagen garantiert.

Es gehe allein in Deutschland um ein potenzielles Umsatzvolumen von 70 Milliarden Euro bei Neufahrzeugen, die an Privatkunden und kleine Unternehmen verkauft werden. Bisher seien erst circa zwei Prozent des Marktes über den Internetabsatz digitalisiert.

Das will der Betreiber der drei Plattformen Meinauto.de, Meinautoabo.de und mobility-concept.de ändern. 2018 hatte der britische Finanzinvestor Hg Capital sie gekauft und integriert, um langfristig „die Nummer-eins-Plattform für Neufahrzeuge in Europa zu werden“, sagte Rizzolli. Nach Unternehmensangaben werden bisher jährlich 30 Millionen Autokaufinteressenten vor allem in Deutschland erreicht.

Das Geschäftsmodell beruht auf Rahmenverträgen mit Herstellern und Händlern, 500 verschiedene Fahrzeuge sollen eigenen Angaben zufolge zur Auswahl stehen. Das Alleinstellungsmerkmal sieht Rizzolli darin, als unabhängiger Anbieter den Preis- und Leistungsvergleich je nach Raten, Laufzeit, Versicherungen und anderen ausgewählten Dienstleistungen zu bieten. Dabei sei seine Firma nicht nur „Preisvergleichsmaschine“. Auf Basis der getroffenen Auswahl des Kunden und eines großen Datenschatzes könnten individuelle Alternativen zu dem konfigurierten Modell aufgezeigt werden.

80 Prozent der Nutzer verlängern ihr Abo

Kern des Geschäfts ist der Abovertrieb mit derzeit 44.000 Abonnenten, die Laufzeiten zwischen zwölf und 48 Monaten wählen können. „Wir setzen darauf, dass ein Kunde über die gesamte Zeit Dienstleistungen nutzt, und wenn sein Abo ausläuft, wollen wir ihm ein neues Autoabo verkaufen.“ Bei 80 Prozent der Nutzer gelinge das bereits. Daneben besteht auch eine Kaufoption.

Für die Dauer des Leasings nimmt die Meinauto-Gruppe die Fahrzeuge auf die Bilanz, anschließend kann sie die Hälfte der Fahrzeuge laut Rizzolli an ihre Partner zurückgeben, die andere Hälfte werde online beziehungsweise über Filialen in Düsseldorf und München verkauft.

Gewissermaßen sind Rizzollis Partner aber auch seine Konkurrenten. Die großen Autobauer haben erkannt, dass sie ihre Position als erste Anlaufstelle für Autokauf- und Leasinginteressenten verteidigen müssen. Volkswagen, Daimler und das Kfz-Gewerbe versuchen das etwa mit dem Start-up Heycar.

Mehr: Umsatzrückgang nach Börsengang: Auto1 setzt weiter voll auf Expansion

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