Neuer Tech-Index: Hongkong macht Nasdaq Konkurrenz – Was das für Anleger und Unternehmen bedeutet
Amazon-Rivale Alibaba gehört zu den größten Unternehmen im neuen Tech-Index in Hongkong.
Foto: ReutersDüsseldorf. Aktien von Technologie-Unternehmen sind die großen Gewinner der Coronakrise, der US-Technologiebörse Nasdaq verhilft das zu immer neuen Rekorden. Doch jetzt gibt es Konkurrenz in Hongkong. An der dortigen Börse wird seit dieser Woche der Hang-Seng-Tech-Index geführt, der die großen chinesischen Tech-Konzerne wie Alibaba, Tencent und Xiaomi beinhaltet. In seiner ersten Handelswoche legte der Index 3,4 Prozent zu.
Experten wie Sam Le Cornu, CEO des Fondsanbieters Stonehorn Global Partners, halten den Index für interessant. „Ich denke, es ist eine wirklich gute Liste von Unternehmen, die sich über mehrere Bereiche des Technologiesektors erstrecken“, sagte Le Cornu dem US-Börsensender CNBC. Der Index beinhalte nicht nur die Bereiche Hardware, sondern auch Versicherung, Cloud-Computing, Fintech und E-Commerce. Nur erneuerbare Technologien fehlten.
Der Hang-Seng-Tech-Index umfasst die dreißig größten in Hongkong gelisteten Technologie-Unternehmen. Die fünf größten Firmen sind der Amazon-Rivale Alibaba, der Dienstleistungsvermittler Meituan Dianping, der Huawei-Konkurrent Xiaomi, das Internetunternehmen Tencent, zu dem unter anderem Messenger-Dienste, soziale Netzwerke und Onlinemedien gehören, sowie Sunny Optical, der größte chinesische Objektivhersteller für Smartphones. Zusammen werden sie in dem Index mit mehr als 40 Prozent gewichtet.
Die Zusammensetzung des Indexes wird alle drei Monate überprüft. Eine „Fast Entry Rule“ erleichtert die Aufnahme in den Index. So könnte bald auch der Zahlungsdienstleister Ant Financial im Hang-Seng-Tech-Index gelistet sein. Der Betreiber des Online-Bezahldienstes Alipay hatte zuletzt seinen Börsengang in Hongkong und Schanghai angekündigt.
Der Tech-Index könnte sich sowohl für Anleger als auch für die notierten Unternehmen als Gewinn erweisen. Denn es ist sehr wahrscheinlich, dass börsengehandelte Aktienfonds (ETF) und andere Fondsprodukte aufgelegt werden, um den neuen Index abzubilden, schrieben die Analysten von Morgan Stanley in einem Bericht in dieser Woche.
Privatanleger könnten bald über ETFs investieren
Privatanleger könnten somit in Form von börsengehandelten Indexfonds kostengünstig und mit breiter Risikostreuung in chinesische Tech-Konzerne investieren. Gleichzeitig ist damit eine Benchmark zur Orientierung entstanden.
Die Analysten der Citi-Group glauben sogar, dass der Hang-Seng-Tech-Index Aufmerksamkeit von der Nasdaq abziehen wird. Das würde das Handelsvolumen der im Hongkonger Tech-Index gehandelten Unternehmen erhöhen. Profitieren könnten davon nach Meinung der Morgan-Stanley-Experten beispielsweise der Computer- und Smartphone-Hersteller Lenovo, die Software-Firma Kingdee International Software, der Halbleiter-Hersteller ASM Pacific Technology oder die Online-Händler Tongcheng-Elong und Maoyan Entertainment.
Was beim Vergleich zwischen dem breiten Hang-Seng-Index und dem Technologie-Ableger auffällt: Der Tech-Index hätte in der Rückbetrachtung deutlich besser performt. Während der Hang Seng Composite dieses Jahr leicht im Minus liegt, ergeben Rückrechnungen für den Hang-Seng-Tech-Index einen Gewinn von mehr als 40 Prozent.
Chinesische Unternehmen wenden sich von Wall Street ab
Dafür ist der Tech-Index nach Angaben Hongkonger Börse auch relativ teuer: Danach betrug das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des neuen Indexes vor dem ersten Handelstag rund 45. Beim Hang-Seng-Index liege das KGV lediglich bei zwölf.
Der Tech-Index in Hongkong hat allerdings auch eine politische Komponente. Nach dem Start der Technologie-Börse Star Market in Schanghai werten Beobachter das als weiteren Schritt für chinesische Unternehmen in Richtung Selbstständigkeit am Kapitalmarkt. Denn die USA haben chinesische Börsengänge in den vergangenen Monat zunehmend erschwert.
Einem neuen US-Gesetz zufolge müssen die an der Wall Street notierten Firmen ihre Bücher offenlegen und nachweisen, dass sie nicht unter dem Einfluss der chinesischen Regierung stehen. Zuvor hatte die Nasdaq bereits erstmals eine Mindestgröße für den Börsengang vorgegeben. Grund dafür seien Bedenken über die fehlende Transparenz chinesischer Börsenkandidaten und deren enge Beziehungen zu China.
Die zunehmenden Spannungen zwischen China und den USA haben bewirkt, dass einige chinesische Konzerne, die an der Wall Street notiert sind, zuletzt zumindest teilweise nach Hongkong zurückgekehrt sind. Die chinesischen Tech-Konzerne Netease, JD.com und die Ant-Financial-Mutter Alibaba haben neben ihrer Erstnotierung in New York eine Zweitlistung in Hongkong vorgenommen.
Mit Material von Bloomberg.