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NasdaqExperten beobachten den Tech-Boom an der Börse mit Sorge

Der Höhenflug von Amazon, Apple und Co. scheint kein Ende zu nehmen, das erinnert an den Internet-Hype von vor 20 Jahren. Es gibt aber einen Unterschied.Astrid Dörner, Frank Wiebe 21.07.2020 - 18:13 Uhr

Virtueller Marktplatz für Firmen der virtuellen Welt.

Foto: Reuters

New York, Frankfurt. Das hätte man gern selbst: Am Montag wurde Jeff Bezos um 13 Milliarden Dollar reicher. Das war der größte Zuwachs an einem Tag, der je vom Milliardärsindex des Nachrichtendienstes Bloomberg verzeichnet wurde.

Die Tech-Börse Nasdaq in New York hatte Anfang der Woche einen besonders starken Tag. Und nicht nur Amazon-Gründer, -Großaktionär und -Chef Bezos profitierte. Der schnelle Reichtum mit Tech-Titeln zeigt sich in der Zunahme der Börsenbewertungen seit Jahresanfang.

Die Marktkapitalisierung von Amazon hat seitdem um mehr als eine halbe Billion Dollar zugelegt, bei Apple und Microsoft waren es jeweils weit über 300 Milliarden und bei Tesla rund 200 Milliarden.

Diese Aktien steigen allen Warnungen vor zu hohen Bewertungen zum Trotz immer weiter. Die Rotation in traditionellere Aktien, die von einer Öffnung der Wirtschaft nach den schlimmsten Exzessen der Corona-Pandemie profitieren sollten, wird dagegen immer wieder ausgebremst.

Zum Teil, weil die Seuche vor allem in den USA weiter wütet. Aber auch, weil die Tech-Werte, die neben der Nasdaq auch den breiten US-Aktiendex S&P 500 tragen, nicht zu bremsen sind.

Sind die Aktien durch die Gier auch der privaten Aktionäre, die das Feuer noch anfachen, schon längst zu heiß geworden? Der bekannte US-Investor Mark Cuban hegt diese Befürchtung. Er äußerte gegenüber dem Fernsehsender CNBC, die Rally werde vor allem vom Geld der US-Notenbank (Fed) getrieben. Viele Anleger seien in Gefahr, sich in sehr kurzfristige Spekulationen hineinziehen zu lassen und am Ende ihr Geld zu verlieren. Cuban sagte mit dem Blick zurück in die 90er-Jahre, die Bewertungen „ähneln sich so sehr“. Er war in der damaligen Tech-Blase bereits aktiv, die um die Jahrtausendwende zerplatzte.

Der Newsletter „The Information“, der sich auf Tech-Unternehmen und die Welt des Silicon Valley spezialisiert hat, kommentiert: „Cuban hat sein Vermögen gemacht, indem er Broad-cast.com an Yahoo verkaufte. Er weiß, wovon er redet. Er hat die Firma ein Jahr vor dem Crash abgestoßen.“

Die virtuelle Welt ist billionenschwer

Manche Geschichten erinnern in der Tat an damalige Verhältnisse, wenn etwa der Elektroautobauer Tesla mehr wert ist als alle deutschen Autokonzerne zusammen. Aber es gibt wichtige Unterschiede. In den 90er-Jahren war die Fantasie der Realität mit Blick auf das damals neue Internet weit vorausgeeilt – beinahe Jahrzehnte.

Heute ist die virtuelle Welt längst Realität geworden; noch einmal angeschoben durch Corona, aber auch ohne die Pandemie ist sie ein billionenschwerer Teil der Weltwirtschaft.

Darauf weist auch Jim Paulsen von dem Researchhaus The Leuthold Group hin: Um die Jahrtausendwende lag der Anteil der Tech-Branche am Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA bei rund acht Prozent. Der Anteil der Tech-Werte am Aktienmarkt erreichte 34 Prozent. In den letzten Jahren schwankte der Tech-Anteil um die 15 Prozent und liegt zurzeit darüber, zugleich bleibt er im Vergleich zum gesamten S&P 500 noch unter 30 Prozent. Paulsen schreibt: „Tech-Aktien sind während der Pandemie außerordentlich gut gelaufen, aber das gilt auch für die Geschäfte der Firmen.“

Der Stratege macht eine weitere Rechnung auf. Seit 1990 lag der Anteil der Tech-Unternehmen am Wert aller US-Aktien im Schnitt 7,5 Prozentpunkte höher als der ihrer Geschäfte am BIP. Gemessen daran war der Sektor 2012 bis 2018 unterbewertet und ist zurzeit nur leicht überbewertet.

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Klar ist ohnehin: Riesen wie Alphabet, Amazon und Facebook machen extrem hohe, beständige Gewinne. Und selbst Tesla ist vielleicht überbewertet, aber hat doch einen spannenden internationalen Markt geschaffen und dominiert ihn bisher.

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