Dax aktuell: Dax schließt auf höchstem Kurs seit dem Corona-Crash
Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.
Foto: dpaDüsseldorf. Am deutschen Aktienmarkt geht es weiter deutlich nach oben: Der Leitindex Dax schloss am Dienstag bei 13.172 Punkten, dem höchsten Schlusskurs seit dem Crash Mitte März. Zeitweise lag der Index sogar bei 13.314 Zählern. Bis auf die Aktien der Deutschen Bank schlossen alle Dax-Werte im Plus.
Bereits am gestrigen Montag hatte sich solch ein Kurssprung wie am heutigen Dienstag angedeutet: Der deutsche Leitindex gewann knapp ein Prozent und ging bei 13.047 Punkten aus dem Handel.
Damit hat der deutsche Leitindex seit dem Corona-Tiefpunkt am 16. März mit 8255 Zählern knapp 60 Prozent zugelegt. Es ist die wohl meistgehasste Rally aller Zeiten, weil kaum ein Anleger das so erwartet hat – und deswegen auch viele nicht von den Kurssteigerungen profitiert haben.
Seit Mitte März gab es beim Dax lediglich eine nennenswerte Korrektur, auf die viele ungläubige Anleger bereits gewartet hatten: Im Juni rutschte der deutsche Leitindex innerhalb weniger Tage von 12.913 Punkten auf 11.597 Zähler ab. Doch weil das deutsche Börsenbarometer von seinem Tiefstand am gleichen Handelstag schnell wieder um mehr als 300 Punkte stieg, hatten nur wenige Investoren die Möglichkeit zum Einstieg.
Und das Spiel geht weiter: Viele Investoren halten die Rally an den Märkten für überzogen, viele Privatanleger setzen weiter auf fallende Kurse. Doch die Anlegerstimmung signalisiert höhere Notierungen.
So ist laut der Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment von einer Überhitzung des Markts wenig zu erkennen. Grundsätzlich gibt es aus Sicht der Sentiment-Analyse noch keinen Grund, Gewinne mitzunehmen. Anleger können nach Meinung des Börsenexperten Stephan Heibel eventuell sogar noch vereinzelt Aktien kaufen.
„Dabei würde ich Papiere von Unternehmen auswählen, die bislang nicht an der Rally teilgenommen haben, jedoch von einem EU-Konjunkturprogramm profitieren würden“, rät der Geschäftsführer des Analysehauses Animusx.
Aus technischer Sicht läuft der Dax nun auf einen wichtigen Widerstand zu: Am 24. Februar wurde eine riesige Abwärtskurslücke aufgetan, seitdem gab es zwischen 13.500 und 13.236 Punkten keinen Dax-Punktestand mehr. Bis zum heutigen Dienstag: Mit dem Tageshoch von 13.314 Zählern beginnt der Index, diese Lücke wieder zu schließen und den wichtigen Widerstand zu überwinden. Doch diese Überwindung dürfte nicht an einem einzelnen Handelstag geschehen.
Auf der anderen Seite bietet die heute aufgerissene Aufwärtskurslücke Unterstützung. Die liegt zwischen dem gestrigen Tageshoch von 13.064 Zählern und dem heutigen Tagestief von 13.156 Punkten. Sollte die Lücke am heutigen Handelstag nicht geschlossen werden, wäre das ein Zeichen von Stärke und damit ein Signal für weiter steigende Kurse.
Blick auf die Einzelwerte
Continental: Die Anteilsscheine von Continental zogen nach der Zahlenpräsentation von Montagabend um 3,2 Prozent an, womit sie zu den Dax-Spitzenwerten zählten. Der Autozulieferer und Reifenhersteller hatte mit seinem vorläufigen Bericht zum zweiten Quartal überrascht. Der Umsatz war abgesackt und ein Verlust eingefahren worden, doch Händler und Analysten hatten überwiegend noch Schlimmeres befürchtet. Bevor die Pandemie die Aktienmärkte mit voller Wucht erfasste, hatte das Papier um die 110 Euro gekostet. Heute lag eine Aktie zum Tagesabschluss bei rund 91 Euro.
Wacker Chemie: Die Anteilsscheine des Münchener Chemiekonzerns stiegen um 10,5 Prozent und standen damit an der Spitze des SDax. Analysten verweisen auf eine Explosion in einer Polysilizium-Fabrik des chinesischen Rivalen GCL Poly. Noch sei unklar, wann die Produktion dort wieder anlaufen könne. Damit werde der Markt für den für Sonnenkollektoren wichtigen Rohstoff enger, sagte Berenberg-Analyst Sebastian Bray.
Von dem erwarteten Preisanstieg bei Polysilizium profitiere nun die Wacker-Aktie. Wacker ist nach eigenen Angaben Weltmarktführer in der Herstellung von Polysilizium.
UBS: Die Coronakrise hat Bremsspuren im Zwischenergebnis der Großbank hinterlassen. Die Vorsorge für Kreditausfälle sorgte bei dem Schweizer Institut im zweiten Quartal 2020 für einen Gewinnrückgang um elf Prozent auf 1,23 Milliarden Dollar. Dennoch schloss die Bank besser ab als von Analysten erwartet. Die UBS profitierte im zweiten Quartal vom brummenden Handelsgeschäft, was der Aktie ein Plus von drei Prozent bescherte.
Novartis: Die Auswirkungen der Coronakrise haben den Schweizer Pharmakonzern im zweiten Quartal gebremst. Nach Vorratskäufen im ersten Quartal sei die Nachfrage im zweiten Quartal gesunken, teilte der Arzneimittelhersteller aus Basel am Dienstag mit. Zudem seien die Patienten seltener zum Arzt gegangen. Für das gesamte Jahr stellte das Unternehmen währungsbereinigt ein Umsatzwachstum um einen mittleren einstelligen Prozentbetrag in Aussicht. Das bereinigte operative Ergebnis soll im niedrigen zweistelligen Prozentbereich zulegen. Die Aktie verlor 2,2 Prozent.
Blick auf andere Asset-Klassen
Die Einigung beim EU-Gipfel über das Rettungspaket in Höhe von 750 Milliarden Euro hinterlässt auch Spuren am Edelmetall-Markt. Gold klettert auf 1839 Dollar je Feinunze (plus 1,3 Prozent gegenüber dem Vortag) und damit auf den höchsten Stand seit fast neun Jahren. Es dürfte nur eine Frage der Zeit sein, bis das Rekordhoch von 1921 Dollar aus dem Jahr 2011 überwunden wird.
Noch stärker profitiert der Preis für Silber, der die Marke von 20 Dollar wieder überwunden hat und nach einem heutigen Plus von 5,9 Prozent rund 21,1 Dollar kostet. Zuletzt wurde so viel im Juli 2016 für Silber gezahlt. Wie bei Gold ist auch der Preisanstieg von Silber fast ausschließlich durch die starke Investmentnachfrage getrieben.
Auch die weitere Perspektive stimmt: Das historische Wiederaufbaupaket führt zu höheren Schulden und bedeutet Geldentwertung. Davon sollten Gold und indirekt auch Silber weiter profitieren.
Nach der EU-Einigung auf ein billionenschweres Finanzpaket im Kampf gegen die Coronakrise decken sich Anleger wieder mit italienischen Anleihen ein. Im Gegenzug fallen die Renditen auf den niedrigsten Wert seit Anfang März. Die Verzinsung zehnjähriger Papiere sinkt auf bis zu 1,118 Prozent, nachdem sie am Tag zuvor bei 1,158 Prozent gelegen hat. Die stark vom Tourismus abhängige Wirtschaft Italiens wurde von der Coronakrise besonders hart getroffen.
Klassische Gewinnmitnahmen schwächten anfangs den Euro-Kurs, der zum Auftakt des heutigen Handels um 0,2 Prozent auf 1,1426 Dollar fiel, sich aber später wieder vom Minus erholen konnte und am Abend im Vergleich zum Dollar 0,4 Prozent gewonnen hatte. Der EU-Gipfel hat in Sachen Wiederaufbaufonds geliefert, was erwartet wurde, aber eben auch nicht mehr. Daraus ergibt sich eine gute Gelegenheit zur Gewinnmitnahme, da die Gemeinschaftswährung bereits im Vorfeld gestiegen war.
Zudem gibt es von der geldpolitischen Seite keine weiteren Impulse. „Von nun an bestimmen vor allem die realwirtschaftliche Erholung und die Entwicklung der Infektionszahlen, wie es für den Euro weitergeht“, meinen die Devisenanalysten der Commerzbank in ihrem Morgenkommentar. Sie sehen den Euro gegenüber dem Dollar bei 1,14 als gerechtfertigt an und erwarten keine nachhaltigere Abwärtskorrektur.
Was die Charttechnik sagt
Die technischen Analysten der Bank HSBC haben den Dax-Kursindex, das Börsenbarometer ohne Dividenden, betrachtet. Für sie notiert dieser Index im Dunstkreis einer entscheidenden Signalschwelle. Gemeint ist die Schlüsselzone bei rund 5.600 Punkten. Ein nachhaltiger Sprung über die Marke von 5.600 Punkten dürfte den Grundstein für einen Anlauf auf das Allzeithoch bei 6.444 Punkten legen, meinen die Chartexperten. Vor diesem Hintergrund liefere der Chartverlauf des Dax-Kursindexes möglicherweise ein wichtiges Argument für eine Fortsetzung der laufenden Rally.
Es gibt aber kaum einen Kursrutsch oder große Kurssteigerungen, ohne dass es gleichzeitig widersprüchliche Signale gibt. Der konkrete Fall: Am gestrigen Montag kletterte der Dax über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten, allerdings war das Handelsvolumen sehr gering. Der gestrige Tag zählte sogar zu den zehn umsatzschwächsten des Jahres, was natürlich auch mit der Sommerpause zusammenhängt.
Allerdings gibt es die Börsenregel, dass steigende Kurse von einem steigenden Volumen begleitet werden. Sonst gelten sie nicht als nachhaltig. Ob die Börsenregel in diesem Fall recht behält, wird man erst später sehen.
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