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Märkte-InsightKehrt die Ölpreiskrise der 1970er-Jahre zurück?

Die hohen Rohstoffpreise alarmieren die Märkte. Um die Warnungen von Ökonomen vor einer neuen Ölkrise zu verstehen, hilft ein Blick in die Vergangenheit, analysiert Frank Wiebe. 12.04.2024 - 11:34 Uhr
Handelsblatt-Redakteur Frank Wiebe. Foto: picture-alliance / dpa

Der Ölpreis ist eine der Ursachen für hohe Inflation. Wie vor einem halben Jahrhundert hat er auch heute das Potenzial, eine weltweite Krise auszulösen.

Wir hatten schon gehofft, es wäre so gut wie vorbei: Die Inflationsraten nehmen weltweit ab, sodass die Notenbanken ab Sommer wieder die Zinsen senken. Und dann, so die Erwartung, sollte die Finanzwelt wieder einigermaßen in Ordnung sein.

Stattdessen ist zuletzt vor allem in den USA wieder eine selten große Verwirrung eingetreten. Manche Ökonomen, etwa Torsten Slok von der Beteiligungsgesellschaft Apollo, erwarten, dass die US-Notenbank Fed die Zinsen das gesamte Jahr auf dem bisherigen Niveau belassen wird.

Jamie Dimon, der gern auch mal provozierende Chef der US-Großbank JP Morgan, warnt sogar auf längere Sicht vor einem Anstieg der US-Leitzinsen auf bis zu acht Prozent. Anleger warten daher auf die Zahlen zur US-Inflation, die am Mittwoch veröffentlicht werden.

Die Prognosen sind gemischt. Wenn sie eintreten, sollten sie zwar den Trend zur abflauenden Inflation noch stützen, aber auch zeigen, dass der Preisdruck hartnäckig ist. Im Jahresvergleich wird im März ein Anstieg der Inflation auf 3,4 Prozent erwartet, nach 3,2 Prozent im Vormonat. Bei der Kerninflation, die unter Ausschluss von Energie und Lebensmitteln gemessen wird, wird aber ein Rückgang von 3,8 auf 3,3 Prozent erwartet.

Dazu kommt: Bei beiden Kennzahlen lautet die Prognose der monatlichen Veränderung auf 0,3 Prozent nach 0,4 Prozent im Februar. Aufs Jahr hochgerechnet entspricht der März-Wert immer noch fast 3,7 Prozent. Wer als Anleger mit dem Inflationsproblem rational umgehen will, denkt am besten in Szenarien.

Ed Yardeni, ein sehr erfahrener unabhängiger US-Analyst, der vor allem mit Blick auf Aktien meist ein unverwüstlicher Optimist bleibt, warnt jetzt vor einem Szenario, an das die ältere Generation sich noch gut erinnern kann: die Ölpreiskrise der 1970er-Jahre. Er weist diesem Szenario nur eine Wahrscheinlichkeit von 20 Prozent zu, aber das ist immerhin so viel, dass man es nicht ignorieren kann.

Mögliche Konsequenzen des Nahost-Konflikts

Seine Überlegung kurz gefasst: Wenn es zu einem direkten Krieg zwischen dem Iran und Israel käme, könnte dies den Ölpreis auf ein Niveau von rund 128 Dollar pro Barrel treiben, das er zeitweise nach Ausbruch des Ukrainekriegs erreichte. Solch ein hoher Ölpreis dürfte wie in den 1970er-Jahren eine Lohn-Preis-Spirale auslösen.

Der Chefökonom – Kommentar

Warum es keine Lohn-Preis-Spirale geben wird

Ansatzweise haben das in Deutschland vor allem Bahnfahrer in Form eines Streiks der Lokführer bereits gespürt. Mit 60 Prozent setzt Yardeni immer noch einen guten Ausgang des Inflationsdramas mit steigenden Aktienkursen an, mit weiteren 20 Prozent eine starke Kursblase. Sollte aber das 70er-Jahre-Szenario eintreten, sieht er die Renditen für zehnjährige US-Staatanleihen wieder bei fünf Prozent und erheblichen Druck auf die Aktienkurse voraus.

Es sind aber nicht allein externe Faktoren, die die Preise treiben. Das gilt vor allem für den Euro-Raum, wie die Commerzbank schreibt. Ihr Ökonom Marco Wagner bezieht sich dabei auf einen Indikator, der versucht, externe Preistreiber wie Krieg und Ölpreise zu erfassen.

Dabei zeigt sich: Dieser Bereich hat zuletzt kontinuierlich an Bedeutung verloren. Die internen Faktoren entsprechen dagegen seit fünf Monaten unverändert einer Inflation von 2,5 Prozent. Und daran wird sich voraussichtlich so schnell nichts ändern, zumal ja auch Druck von der Lohnseite zu spüren ist.

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Damit haben wir hier zwar keine Verhältnisse wie in den 70er-Jahren, aber eine hartnäckig über dem Zwei-Prozent-Ziel liegende Inflation. Man darf gespannt sein, wie EZB-Chefin Christine Lagarde sich am Donnerstag nach der EZB-Sitzung dazu äußert. Das ist für Anleger kein Grund, in Panik zu verfallen, allerdings ist Augenmaß gefragt. Es gilt: Vorsicht bei hoch bewerteten Aktien und bei Anleihen, insbesondere aus den USA, nicht den Fokus auf lange Laufzeiten legen.

Erstpublikation: 09.04.2024, 19:04 Uhr.

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