US-Leitzins: Chef von JP Morgan warnt vor deutlichem Anstieg
Denver. Jamie Dimon hat eine schlechte Nachricht für US-Verbraucher und Unternehmen: Die Leitzinsen könnten „auf acht Prozent oder mehr“ steigen, schrieb der Vorstandsvorsitzende von Amerikas größtem Finanzinstitut JP Morgan Chase am Montag in seinem viel beachteten Brief an die Aktionäre.
Dimon gab in dem Schreiben zu bedenken: „Die enormen Steuerausgaben, die Billionen, die jedes Jahr für die grüne Wirtschaft benötigt werden, die Remilitarisierung der Welt und die Umstrukturierung des Welthandels – all das wirkt inflationär.“
Seine Worte kommen zu einer Zeit, in der sich die Stimmung an den Märkten dreht. Investoren waren eigentlich davon ausgegangen, dass die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) schon bald die Zinsen wieder senken könnte. Inzwischen ist jedoch sowohl unter Anlegern als auch innerhalb der Fed eine Debatte entstanden, ob die Zinsen in diesem Jahr überhaupt fallen sollen und wie stark.
Grund dafür ist die hartnäckige Inflation: Die Teuerungsrate lag zuletzt bei 3,2 Prozent und damit weiterhin deutlich über den von der Fed anvisierten zwei Prozent. Auch die Renditen der wichtigen US-Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit zogen zuletzt wieder deutlich an und lagen am Montagmorgen bei 4,43 Prozent.
Dimon, der am längsten amtierende Chef einer großen US-Bank, blickt schon länger deutlich pessimistischer in die Zukunft als viele seiner Weggefährten. Dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession in den USA nur bei rund 20 Prozent liege, hält er für falsch. Doch sein Institut sei auf alle möglichen Szenarien vorberietet.
In dem 61-seitigen Brief ging Dimon auch auf die Notwendigkeit für weitere Ukrainehilfen ein und forderte, dass Amerika seine Führungsrolle in der Welt stärker wahrnehmen müsse.
Künstliche Intelligenz (KI), auch an der Wall Street ein wichtiges Thema, sei derweil so wichtig wie die Einführung der Dampfmaschine oder des Internets und werde bei JP Morgan schon in über 400 Bereichen eingesetzt.
Die Bank legt am Freitag ihre Zahlen für das erste Quartal vor.
Erstpublikation: 08.04.2024, 17:33 Uhr