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EdelmetalleGoldpreis startet Aufholrally und springt über Marke von 1600 Dollar

Der jüngste Ausverkauf an den Aktienmärkten hat auch die Edelmetallpreise belastet. Doch nun kehrt das Vertrauen der Anleger zurück.Jakob Blume 24.03.2020 - 17:15 Uhr aktualisiert

Bei dem Edelmetall zeichnet sich eine Aufholrally ab.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Anleger setzen wieder auf Gold. Am Dienstag legte der Goldpreis in der Spitze um drei Prozent zu und kletterte über die Marke von 1600 Dollar pro Feinunze. Innerhalb von drei Tagen ist der Goldpreis um rund acht Prozent gestiegen. Damit hat das Edelmetall einen großen Teil der Verluste wieder wettgemacht, die es im Zuge des Ausverkaufs an den Aktienmärkten angehäuft hatte.

„Für Gold ist es das perfekte Umfeld“, kommentiert Carlo Alberto de Casa, Chefanalyst beim Onlinebroker Active Trades, den Preissprung. Die US-Notenbank Fed habe ein potenziell unlimitiertes Kaufprogramm aufgelegt, gleichzeitig gebe es Engpässe bei Schweizer Goldraffinerien. „Die Flut an Cash an den Märkten ist positiv für das Edelmetall, da Gold, anders als der Dollar, nicht gedruckt werden kann.“

Seit die Ausbreitung des Coronavirus in Europa und den USA Ende Februar einen Einbruch der Aktienmärkte ausgelöst hat, sind die Anleger auch aus dem vermeintlich sicheren Hafen Gold geflüchtet. Der Preis für das Edelmetall fiel innerhalb von rund drei Wochen um zwölf Prozent. Auf der Suche nach Liquidität trennten sich viele Investoren von allem, was sich schnell zu Geld machen ließ: Aktien, Staatsanleihen und Gold.

Doch nun ist das Vertrauen der Anleger in Edelmetalle offenbar zurückgekehrt. Besonders an den Rohstoff-Terminbörsen läuft Gold heiß: Zur Lieferung im April kostete es dort zwischenzeitlich mehr als 100 Dollar pro Unze mehr als Gold auf dem Kassamarkt. Die verzerrten Preise sind Ausdruck der Sorge, dass ein Produktionsstopp in drei großen Schweizer Goldraffinerien den globalen Goldhandel durcheinander bringt.

Silber mit Aufholpotenzial

Die London Market Bullion Association (LBMA), die den Handel überwacht, erklärte jedoch auf Handelsblatt-Anfrage: Der temporäre Produktionsstopp werde „die Liquidität und die Effizienz des physischen Großhandels in London nicht materiell beeinträchtigen“.

Neben Gold legten auch Silber, Platin und Palladium kräftig zu. Der Silberpreis stieg um rund fünf Prozent, Platin um sieben Prozent und Palladium um zwölf Prozent. Der jüngste Ausverkauf hatte die drei Metalle zuletzt noch heftiger getroffen als Gold. Der Silberpreis durchlebte die längste Schwächephase seit den 80er-Jahren. Platin fiel von rund 1000 Dollar pro Unze auf 600 Dollar. Palladium brach von 2800 auf 1600 Dollar ein.

Hans-Günter Ritter, Leiter Edelmetallhandel bei Heraeus, sagt, Silber habe sich zuletzt vollständig vom Goldpreis abgekoppelt. Das Gold-Silber-Verhältnis, das angibt, wie viele Unzen Silber nötig sind, um eine Unze Gold zu kaufen, war Mitte März auf 124 gestiegen – ein historisches Allzeithoch. Die industrielle Komponente von Silber habe zuletzt überwogen“, sagt Ritter. „Alle Industriemetalle sind in der Coronakrise zurückgegangen.“ Rund ein Viertel des geförderten Silbers geht in die Elektronikindustrie, knapp zehn Prozent in die Produktion von Solarzellen.

Dagegen ist die Investment-Nachfrage seit Jahren stetig gesunken. 2015 wurden Ritter zufolge 300 Millionen Unzen zu Münzen und Barren verarbeitet. 2019 waren es noch 180 Millionen Unzen.

Doch das könnte sich bald ändern, sagt Ole Hansen, Chefanalyst für Rohstoffe beim dänischen Brokerhaus Saxobank. „Silber dürfte von der neuen Stärke des Goldes profitieren.“ Silber entwickle sich meist ähnlich wie Gold, nur dass es „schneller steigt, aber auch schneller fällt“, so Hansen. Gleichzeitig sei die Verwendung von Silber in grünen Technologien, etwa in der Solarindustrie, eine Chance: „Wir sehen ein neues Aufwärtspotenzial bei Silber.“

Ähnlich ist die Situation bei Platin und Palladium: Die Hauptnachfrage für beide Edelmetalle kommt aus der Automobilindustrie, die dort in Katalysatoren für die Abgasreinigung verbaut werden. „Die Autoindustrie in Europa eine Vollbremsung hingelegt“, sagt Heraeus-Experte Ritter. Damit sei ein erheblicher Teil der Nachfrage von heute auf morgen weggebrochen.

Nun hänge viel davon ab, wie schnell sich die Autoindustrie wieder erholt, sagt Ritter: „Es kann jedoch lange dauern, bis die Produktion auf ihr altes Niveau zurückkehrt.“ Das hat die Anleger allerdings nicht davon abgehalten, wieder verstärkt Platin und Palladium zu kaufen.

Parallelen zu 2008

Die sich nun abzeichnende Aufholrally bei Edelmetallen weckt Erinnerungen an die Finanzkrise 2008. Auch vor zwölf Jahren fiel anfangs der Preis für Gold, weil Investoren Bargeld benötigten und viele Positionen verkaufen mussten. Anschließend folgte eine jahrelange Rally bis zu einem Rekordhoch im Jahr 2011 mit 1921 Dollar.

Die Analysten der Investmentbank Goldman Sachs sehen Gold daher an einem „Wendepunkt“. Auch 2008 hätten Fondsmanager und andere Profiinvestoren Gold verkauft, um an Cash zu kommen. Doch nachdem die US-Notenbank Fed 2008 angekündigt habe, mit umfassenden Anleihekaufprogrammen die Märkte zu stützen, hätte Gold deutlich besser abgeschnitten als der US-Aktienindex S&P 500 oder der US-Dollar.

Die Parallelen zu 2008 sind frappierend: Am späten Montagabend kündigte die US-Notenbank erneut massive Interventionen am US-Anleihemarkt an. Demnach will die Fed unbegrenzt Anleihen kaufen, um Störungen an den Märkten zu bekämpfen. Erst vergangene Woche hatte sie ein 500 Milliarden Dollar schweres Kaufprogramm aufgelegt.

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) setzt auf eine ultralockere Geldpolitik, um die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf die Wirtschaft abzumildern. Die EZB kauft jeden Monat Anleihen im Wert von 120 Milliarden Euro auf – es ist das größte Ankaufprogramm in der Geschichte der Notenbank.

Für Gold ist das ein sehr günstiges Umfeld. Zum einen sorgt die expansive Geldpolitik dafür, dass die Zinsen niedrig bleiben. Nach Abzug der Inflation werfen sichere Staatsanleihen sowohl in Europa als auch in den USA negative Renditen ab. Gold, das keine Zinserträge bietet, ist daher für viele Investoren eine Alternative.

Gleichzeitig könnte die lockere Geldpolitik mittelfristig die Inflation befeuern. Gold wird von Anlegern auch als Absicherung vor Geldentwertung geschätzt. Diese beiden fundamentalen Faktoren stützen Gold – und stehen nun wieder im Fokus der Investoren, nun da die panische Suche nach Liquidität vorerst gestoppt ist.

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