Geldpolitik: Das sind die Folgen des EZB-Entscheids für Anleger, Sparer und Schuldner
Frankfurt. Die Aussagen von EZB-Präsidentin Christine Lagarde im Anschluss an den Zinsentscheid sorgen für Rätselraten: Ist eine Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank im September wahrscheinlicher geworden, wie manche Analysten herausgehört haben wollen? Oder hat Lagarde die Zinsaussichten eher gedämpft, worauf Reaktionen an den Märkten hindeuten?
„Eine sehr plausible Annahme für alle, die Geld sparen oder Geld aufnehmen wollen, lautet, dass sowohl die kurzfristigen Zinsen als auch die langfristigen Zinsen in den kommenden Quartalen weiter sinken werden“, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank. Dies gelte „für die kurzfristigen Zinsen deutlich stärker“.
Ähnliches erwartet Michael Heise, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters HQ Trust: „Einlagenzinsen für Termin- und Festgelder werden nachgeben“. Heise vermutet, dass die Sparzinsen tendenziell sogar etwas stärker sinken werden als die Zinsen für Kredite. Umfragen unter Banken zeigen, dass die Nachfrage nach Krediten anzieht. Das treibt deren Preis, sprich die Zinsen.
„Kein typischer Zinssenkungszyklus“ der EZB
Doch in die allgemeine Erwartung schrittweise sinkender Zinsen mischt sich Skepsis. „Mit Blick nach vorn ist es wichtig zu bedenken, dass es sich noch nicht um einen klassischen Zinssenkungszyklus in der Euro-Zone handelt“, bemerkt Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der Bank ING. Anders als üblich sei diesmal weder eine Rezession noch eine Krise der Auslöser. „Daher wird keine weitere Zinssenkung auf Autopilot sein.“