Märkte: Ökonom sieht US-Stablecoins als Bedrohung für den Euro
Frankfurt. Die neue Regulierung der US-Regierung für Dollar-Stablecoins stellt eine ernsthafte Herausforderung für den Euro dar: Diese These vertritt der Ökonom Jürgen Schaaf in einem Blogeintrag der Europäischen Zentralbank (EZB). „Ohne strategische Antwort“ auf den Vorstoß der USA „könnten die monetäre Souveränität und die finanzielle Stabilität Europas untergraben werden“, heißt es in dem Artikel, der formell nur die Meinung des langjährigen Mitarbeiters der Notenbank wiedergibt, also kein offizielles EZB-Statement darstellt. Vor Kurzem hatte sich Bundesbank-Präsident Joachim Nagel ähnlich geäußert.
Stablecoins sind Kryptowährungen, die eine traditionelle Währung möglichst genau abbilden. Laut Schaaf entfallen allein auf Dollar-Stablecoins rund 99 Prozent des weltweiten Marktwerts in diesem Bereich von etwa 17 Milliarden Dollar, gegenüber nur 350 Millionen auf Euro-Stablecoins.
Die USA haben vor Kurzem mit einem neuen Gesetz, dem „Genius Act“, diesen Bereich neu reguliert. Sie erhoffen sich davon, wie auch Schaaf schreibt, eine Festigung der internationalen Rolle des Dollars.
Vergleich mit Entwicklungsländern
Schaaf bezieht sich mit seiner Warnung auch auf die Einschätzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, die schon früh auf Risiken durch Stablecoins hingewiesen hatte, darunter auf die zu beobachtende Abweichung der Coins von der Währung, die sie eigentlich genau abbilden sollen.