Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dax aktuell Dax bewegt sich kaum: Was Anleger von Tui, Fraport und Lufthansa jetzt lernen können

Anleger blicken inzwischen auf einzelne Unternehmen mit langfristiger Perspektive. Der Handel bleibt ruhig – doch die nächsten Tage könnten Volatilität erzeugen.
08.12.2020 - 18:17 Uhr Kommentieren
Dax aktuell: Mögliche Einigung im Handelsstreit stützt den Dax Quelle: dpa
Dax-Kurve im Handelssaal in Frankfurt

Die Frankfurter Benchmark hat in diesem Jahr bereits mehrfach eine neue Bestmarke erreicht.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Der deutsche Aktienmarkt tritt weiter auf der Stelle. Der Dax beendet einen völlig impulslosen Handel leicht über dem Niveau des Vortages und schließt bei 13.278 Punkten. Die Handelsspanne am Dienstag lag bei weniger als 100 Punkten.

Der Handelstag ist ein erneuter Beweis, wie irrelevant mittlerweile die Einschränkungen durch die Corona-Pandemie für die Börse geworden sind. Der Dax bleibt in seiner wochenlangen Seitwärtsrange, obwohl aller Voraussicht nach noch vor Weihnachten der Lockdown verschärft werden dürfte.

Börsianer interessieren sich mehr für die Fragen: Wie hat die Pandemie das Geschäftsmodell beeinflusst? Welche Unternehmen sind nach dem Ende der Pandemie interessant?

Dabei geht es inzwischen weniger um Branchen. Anfangs hatten insbesondere Technologie-Werte von der Pandemie profitiert, spätestens nach der Impfstoff-Meldung von Biontech Anfang November ging der Blick auf Zykliker. Doch die seit Monaten laufende Branchenrotation, bei der Anleger von den Tech-Werten zu den Zyklikern verlagert haben, steht nicht mehr im Fokus.

Die Börsianer schauen mittlerweile verstärkt einzelne Aktien an. Das lässt sich am Beispiel von drei Aktien aus einer Branche erläutern: die des Reisekonzerns Tui, des Flughafenbetreibers Fraport und der Lufthansa.

Lufthansa zwischen Tui und Fraport

Den Tui-Aktionären droht nach dem dritten staatlichen Rettungspaket eine schleichende Enteignung. Auch die Dividendenzahlung entfällt, solange sich das Unternehmen staatliches Geld leiht. Kein Wunder, dass die Tui-Aktie in den vergangenen Tagen fast zehn Prozent verloren hat. Am Dienstag gab das Papier erneut 2,5 Prozent nach.

Eine andere Entwicklung ist beim Fraport-Papier zu beobachten: Das Unternehmen hat aktuell mit den Widrigkeiten der Pandemie schwer zu kämpfen, doch es kommt ohne staatliche Hilfe durch die Krise. Anleger glauben an das Geschäftsmodell, das Papier legte in den vergangenen fünf Handelstagen trotz Abschlägen am Dienstag 7,5 Prozent zu.

Zwischen diesen beiden Polen liegt die Lufthansa. Die Kranich-Airline hat Staatsgelder in Milliardenhöhe angenommen, der politische Einfluss bleibt aber im Gegensatz zum Tui-Konzern begrenzt. Zudem hat sich das Unternehmen mit den Beschäftigten auf ein Sparpaket geeinigt. Entsprechend lag der Wertzuwachs in den vergangenen fünf Handelstagen zwischen dem Plus bei Tui und Fraport. Die Lufthansa stieg um 4,2 Prozent.

Eine Vorgehensweise dieser Art hatte Mohamed El-Erian, der ökonomische Chefberater der Allianz, bereits Ende November empfohlen. „Ich glaube, dass man künftig viel genauer auf einzelne Werte schauen muss“, sagte er im Interview mit dem Handelsblatt – und verwies auf die Airlines. „Die Aussicht auf einen baldigen Impfstoff ist zweifelsfrei positiv für die Branche. Doch die kommenden Monate werden sehr hart werden. Es kommt also auf die einzelne Airline an und auf widerstandsfähige Bilanzen.“

Auch andere Branchen werden inzwischen differenzierter betrachtet. Papiere mit erfolgreichem Asiengeschäft sind beispielsweise gefragt, weil die Pandemie dort bereits unter Kontrolle ist.

Dax seit vier Wochen in der Winterpause

Mit dem heutigen Handelsauftakt kann der Dax auf eine vierwöchige Winterpause zurückblicken. Seit dem 10. November beträgt die Handelsspanne nur rund 440 Punkte – 13.445 Zähler auf der Ober-, 13.005 Punkte auf der Unterseite. Das ist eine extrem geringe Konsolidierung auf hohem Niveau. In den neun Tagen zuvor war der deutsche Leitindex um rund 16 Prozent geklettert.

Welche bevorstehenden Ereignisse könnten wieder Schwung in den Handel bringen? Da ist zum einen die Sitzung der Europäischen Zentralbank am Donnerstag dieser Woche, anschließend findet der EU-Gipfel statt (10. und 11. Dezember).

Dazu kommt der große Verfallstag, auch dreifacher Hexensabbat genannt, am Freitag kommender Woche. Verfallstag heißt er, weil dort Terminkontrakte wie Futures und Optionen verfallen, sprich abgerechnet werden. An diesem Termin und oftmals bereits im Vorfeld schwanken die Aktienkurse manchmal stark, weil Investoren die Preise derjenigen Wertpapiere, auf die sie Derivate halten, in eine für sie günstige Richtung bewegen wollen.

Ein Blick auf die aktuelle Positionierung der Anlageprofis zeigt: Mit einem Abrechnungskurs von 13.000 Punkten beim Dax am Freitag kommender Woche wären wohl die meisten Institutionellen zufrieden.

Saisonale Gründe signalisieren Korrektur

Aus saisonalen Gründen spricht vieles für eine Korrektur noch in dieser Handelswoche – so wie zuletzt 2019 und 2017. Im Börsenjahr 2019 rutschte der Dax innerhalb von vier Tagen um knapp 300 Punkte ab. Auch 2017 gab er innerhalb von sechs Handelstagen mehr als 200 Punkte nach. Das Jahr 2018 kann man nicht vergleichen, weil es keine Jahresendrally gab: Damals verlor die Frankfurter Benchmark rund zehn Prozent, es war einer der schwächsten Dezember der gesamten Dax-Historie.

Solch eine Korrektur wäre nicht das Ende der Jahresendrally seit dem 1. November, als der Dax von 11.450 Zählern auf 13.445 Punkte kletterte. Es wäre eine gesunde Verschnaufpause, die den Leitindex in Richtung Allzeithoch treiben würde, das bei 13.795 Punkten liegt.


Blick auf Einzelwerte

Hella: Beim Autozulieferer haben sich die Geschäfte nach Angaben des Unternehmens zuletzt besser entwickelt als erwartet. Infolge der schnelleren Markterholung und des konsequenten Kostenmanagements habe sich die bereinigte Gewinn-Marge (Ebit) von 8,3 auf 12,1 Prozent erhöht. Die im Nebenwerteindex MDax gelistete Hella-Aktie steigt um 8,2 Prozent.

Compugroup: Die Medizinsoftwarefirma peilt für das Geschäftsjahr 2021 einen Umsatz von einer Milliarde Euro an. Die Erlöse würden in einer Größenordnung von rund 20 Prozent steigen. Dazu würden vor allem die jüngsten Firmenzukäufe beitragen, aber auch ein organisches Wachstum von mehr als fünf Prozent. Das Papier gibt aber mehr als zehn Prozent nach und ist mit Abstand der größte Verlierer im MDax.

Qiagen: Das Biotechunternehmen profitiert von der Nachfrage nach Covid-19-Tests und hat daher seine Ziele für 2020 erneut angehoben. Im laufenden Jahr peilt die Firma nun ein Umsatzplus von 22 Prozent an und einen bereinigten Gewinn je Aktie von 2,13 bis 2,14 Dollar. Die Aktie legt 4,4 Prozent zu.

Hapag-Lloyd: Deutschlands größte Container-Reederei Hapag-Lloyd hebt die Gewinnprognose zum zweiten Mal binnen weniger Wochen an. Auch im Schlussquartal bleibe die Nachfrage nach Container-Kapazitäten überraschend stark, teilte Hapag-Lloyd mit. Das Unternehmen setze jedes verfügbare Schiff ein. Zugleich liefen die Kosteneinsparungen nach Plan. Die Aktie steigt am heutigen Dienstag um 5,3 Prozent. In den vergangenen drei Monaten betrug der Wertzuwachs bereits 47 Prozent.

Kommt es zu einer Trendwende beim Goldpreis?

Seit dem neuen Rekordhoch mit 2072 Dollar im August korrigiert der Goldchart deutlich. Ende November rutschte der Preis für eine Feinunze (31,1 Gramm) auf 1764 Dollar ab, ein Minus von rund 15 Prozent. Michael Hsueh, Rohstoff- und Devisenstratege der Deutschen Bank, hält kurzfristig sogar einen weiteren Kursrückgang auf 1600 Dollar nicht für ausgeschlossen.

Doch mittlerweile gibt es einige Faktoren, die zumindest für ein Ende der Talfahrt sprechen. Am gestrigen Montag gab es beispielsweise eine bemerkenswerte Kehrtwende, zumindest ein Aufbäumen gegen einen weiteren Kursverfall. Der Preis rutschte auf 1820 Dollar ab, um anschließend bei 1863 Dollar aus dem Handel zu gehen. Auch am Dienstag kann der Goldpreis das Vortagesniveau halten.

Auch fundamental spricht einiges für Gold. Vor allem in den USA wächst angesichts steigender Corona-Neuinfektionen der Druck, weitere Stimulierungsmaßnahmen auf den Weg zu bringen. Neue schuldenfinanzierte Konjunkturhilfen würden die Inflationserwartungen steigen lassen und den Realzins angesichts der Null- oder Negativzinspolitik weiter fallen lassen.

Laut Commerzbank gab es bei den Gold-ETFs am Montag nochmals leichte Abflüsse. Diese konzentrierten sich aber in erster Linie auf den SPDR Gold Trust, der bei institutionellen Investoren beliebt ist. Bei vielen anderen ETFs gab es bereits wieder leichte Zuflüsse.

Auch die technische Lage hat sich wieder verbessert. Der Goldpreis ist wieder über die 200-Tage-Linie (derzeit bei 1805 Dollar) geklettert, die bei langfristig orientierten Investoren beachtet wird.

Ähnlich wie an den Aktienmärkten gibt es auch beim Goldpreis eine Saisonalität. Bei dem gelben Edelmetall setzt Mitte Dezember die Jahresendrally ein mit dem Unterschied, dass beim Edelmetall auch der Jahresauftakt freundlich ausfällt.

So kann der Goldpreis von Mitte Dezember bis Ende Februar auf Basis der Daten seit Beginn des Jahrtausends um durchschnittlich gut sechs Prozent zulegen. Das haben die technischen Analysten der Bank HSBC ausgerechnet. Kurse oberhalb 1936 Dollar kämen nach deren Ansicht einem großen Befreiungsschlag gleich, als Stop-Loss seien 1802 und 1765 Dollar prädestiniert.

Pfund bleibt unter Beobachtung

Das Pfund zeigt sich angesichts der Brexit-Verhandlungen weiter volatil. Dennoch kann die britische Währung ihre Verluste gering halten. Das liegt daran, dass der Markt nach wie vor von einer Einigung ausgeht, urteilen Devisenexperten – und kommen zu dem Schluss, dass eine höhere Risikoprämie eigentlich angebracht wäre.

Sollte es zu keiner Einigung und somit zu einem harten Brexit kommen, dürften viele Investoren auf dem falschen Fuß erwischt werden. Deshalb ist das Pfund weiterhin anfällig für größere Kursrücksetzer.

Was die Charttechnik sagt

Die aus saisonalen Gründen bevorstehende Korrektur dürfte mit Kursen unterhalb von 13.005 Punkten eingeleitet werden.

Für strategische Investoren bietet sich eine Aufwärtskurslücke vom Anfang des Monats November als Stop-Loss-Marke an. Solche Lücken entstehen, wenn der höchste Stand eines Handelstags unter der tiefsten Notierung des Folgetags liegt.

Konkret: 12.596 Punkte war der höchste Stand am Freitag (6. November), 12.671 Zähler der tiefste Kurs am Montag (9. November). Solange der Dax oberhalb von 12.671 Zählern bleibt, gibt es aus technischer Sicht keine Zweifel an der aktuellen Aufwärtsbewegung seit Ende Oktober, als der Dax bei 11.450 Punkten stand.

Hier geht es zur Seite mit dem Dax-Kurs, hier gibt es die aktuellen Tops & Flops im Dax.

Startseite
Mehr zu: Dax aktuell - Dax bewegt sich kaum: Was Anleger von Tui, Fraport und Lufthansa jetzt lernen können
0 Kommentare zu "Dax aktuell: Dax bewegt sich kaum: Was Anleger von Tui, Fraport und Lufthansa jetzt lernen können"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%