Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 Wall Street schließt nach Veröffentlichung von Fed-Protokoll mit Rekordhoch

Das Fed-Protokoll lässt die Sorgen der Anleger vor ansteigenden Zinsen vorerst verdrängen. Kursgewinne gibt es im Tech-Sektor. Die Banken gehören zu den Verlierern.
07.07.2021 Update: 07.07.2021 - 23:23 Uhr 1 Kommentar
Blick in den Handelssaal der New York Stock Exchange. Quelle: dpa
Händler an der Börse New York

Blick in den Handelssaal der New York Stock Exchange.

(Foto: dpa)

Frankfurt Beflügelt von der Veröffentlichung der Zinsprotokolle der US-Notenbank Federal Reserve hat die Wall Street am Mittwoch mit Kursaufschlägen geschlossen. Der US-Standardwerteindex Dow Jones ging 0,3 Prozent höher auf 34.681 Punkten aus dem Handel. Der technologielastige Nasdaq notierte zuletzt minimal im Plus bei 14.665 Punkten. Der breit gefasste S&P 500 legte 0,3 Prozent auf 4358 Punkte zu. S&P und Nasdaq erzielten neue Bestmarken.

Angesichts des Booms nach der Coronakrise ist in der US-Notenbank Fed eine Debatte über ein künftiges Herunterfahren der Konjunkturhilfen in Gang gekommen. Die Währungshüter halten es im Sinne „einer umsichtigen Planung“ für wichtig, sich dafür gut zu positionieren, wie aus den Protokollen der Zinssitzung vom Juni hervorgeht. Dies gelte beispielsweise für den Fall, dass sich die Fed den Zielen des Programms schneller nähern sollte als gedacht.

Die US-Notenbank unterstützt die von der Coronakrise getroffene Wirtschaft mit dem Ankauf von Staatsanleihen und Hypothekenpapieren (MBS) in Höhe von monatlich 120 Milliarden Dollar. Sie will daran so lange festhalten, bis substanzielle Fortschritte bei der Preisstabilität und der Arbeitslosigkeit erreicht sind.

Wie aus den Protokollen hervorgeht, sagten mehrere Teilnehmer der Sitzung, sie rechneten angesichts des Aufschwungs nun etwas früher als bislang damit, dass die Bedingungen für ein Zurückfahren gegeben sein dürften. Zudem machten sich die Währungshüter bereits konkret Gedanken, wie dieses Manöver gestaltet werden sollte.

Auftrieb erhielten die Technologiewerten von fallenden Anleihe-Renditen. Die richtungweisenden zehnjährigen US-Bonds rentierten mit 1,300 Prozent zeitweise so niedrig wie zuletzt vor viereinhalb Monaten. Dies signalisiert, dass Anleger die Sorgen vor einem Ende der sehr lockeren Geldpolitik der US-Notenbank wieder verdrängen – auch wegen der Sorge, die sich ausbreitende Delta-Variante des Coronavirus könne das Wachstum gefährden.

Niedrigere Finanzierungskosten verbessern Experten zufolge die Aussicht auf künftige Gewinne dieser wachstumsstarken Firmen. Die vor allem zum Auftakt spürbare Rally im Technologiesektor bescherte den Aktien von Giganten wie Amazon, Microsoft oder Alphabet jeweils Kursrekorde. Die Gewinne reichten hier von 0,2 bis 0,8 Prozent. Die Apple-Papiere steuerten mit plus 1,9 Prozent auf ihren bisherigen Rekord zu.

Was die Anleger auf der einen Seite freut, bremste auf der anderen Seite das Interesse an den Finanztiteln. Die Aktien von Goldman Sachs oder Morgan Stanley relativierten ihr zum Auftakt kräftiges Minus aber, während es andere Branchentitel wie JPMorgan sogar leicht ins Plus schafften. Für Banken sind steigende Zinsen wegen des wichtigen Einlagen- und Kreditgeschäfts ein Vorteil.

Das Paradoxon bei den US-Anleiherenditen

Vereinfacht formuliert lässt sich schlussfolgern, dass fallende Renditen die Kurse von Wachstumswerten wie Tech-Aktien beflügeln, steigende Werte am Anleihemarkt hingegen positiv für sogenannte Value-Aktien wie beispielsweise Industriepapiere sind.

Grafik

Diesen Zusammenhang zeigt ein einfacher Kursvergleich: Seit Anfang Juni ist die Rendite der für den Markt maßgeblichen zehnjährigen US-Staatsanleihen von rund 1,61 Prozent auf aktuell rund 1,30 Prozent gesunken, den tiefsten Stand seit Februar dieses Jahres. In diesem Zeitraum trat der Dow-Jones-Index als Stellvertreter für Industriewerte praktisch auf der Stelle, während das Technologiebarometer Nasdaq um mehr als sechs Prozent anzog.

Dabei ist der Rückgang der US-Anleiherenditen auf den ersten Blick rätselhaft. Die Inflation klettert deutlich nach oben, und der Internationale Währungsfonds hat zuletzt die Wachstumsprognose für die amerikanische Wirtschaft auf sieben Prozent hochgeschraubt. Wahrlich kein Umfeld für fallende Renditen.

Tilmann Galler, Kapitalmarktstratege bei JP Morgan, hat dafür eine relativ einfache Erklärung. „Die Hauptursache war die mangelnde Verfügbarkeit von Neuemissionen von US-Staatsanleihen“, erläutert der Experte. Finanziert wurden die bisherigen Schulden vom Finanzministerium anhand eines Guthabenkontos bei US-Notenbank.

Doch die Angebotsflaute am Anleihemarkt nähert sich nach Meinung von Galler dem Ende entgegen. „Es spricht einiges dafür, dass in der zweiten Jahreshälfte aufgrund des höheren Angebots bei gleichzeitig verringerter Zentralbanknachfrage die langfristigen Zinsen ihren Anstieg fortsetzen“, meint der Banker. Hochzinsanleihen mit kurzer Laufzeit und sogenannte Value-Aktien sollten seiner Ansicht nach von den steigenden Zinsen profitieren.

Investoren zerbrachen sich allerdings den Kopf, wie es nach den geplatzten Verhandlungen der großen Exportstaaten über die künftige Förderpolitik mit dem Ölpreis weitergehen wird. Sollte die „Opec+“, zu der neben den Mitgliedern des Exportkartells weitere Förderländer wie Russland gehören, an ihren bisherigen Quoten festhalten, müsse mit einer Verschärfung des Angebotsengpasses und steigenden Preisen gerechnet werden, warnte Neil Wilson, Chef-Analyst des Online-Brokers Markets.com. Die Vereinbarung könnte aber auch komplett aufgegeben werden. Dann würde jeder Staat so viel Öl auf den Markt werfen, wie er möchte.

Nach dem Preisrutsch vom Dienstag verteuerte sich die US-Sorte WTI zunächst auf 74,86 Dollar je Barrel (159 Liter). Bis zum Abend rutschte der Preis aber um 1,8 Prozent auf 72,07 Dollar ab.

Blick auf die Einzelwerte

Didi: Für die in den USA notierten Aktien chinesischer Firmen ging es dagegen erneut abwärts. So büßte der Uber-Rivale Didi 4,6 Prozent ein. Die Regierung in Peking hatte wegen angeblich illegal gesammelter Nutzerdaten die App des Fahrdienst-Vermittlers für den Download gesperrt. Außerdem brummten die Behörden Didi und anderen Unternehmen wie dem Amazon-Konkurrenten Alibaba Strafen auf, weil sie Übernahmepläne nicht zur Genehmigung vorgelegt hätten. Dessen Papiere verbilligten sich um 1,7 Prozent. Der börsennotierte Fonds „Golden Dragon“ für chinesische Werte gab mehr als drei Prozent nach.

Sunnova Energy: Die Aktien des Solarunternehmens fielen um knapp vier Prozent, nachdem sie zuvor um rund drei Prozent stiegen. Das Investmenthaus Raymond James die Aktie von „Outperform“ auf „Strong Buy“ hochgestuft. Die Aktie ist in diesem Jahr bislang um etwa 13 Prozent gefallen.

Whirlpool: Die Aktie des Haushaltsgeräteherstellers stieg um etwa 2,2 Prozent. JP Morgan hatte das Unternehmen zu einem Top-Pick ernannt hatte. Für die US-Bank sei die Stimmung über das Unternehmen zu negativ. Das Kursziel von JP Morgan in Höhe von 278 Dollar entspricht einem Aufwärtspotenzial von 28 Prozent für die Whirlpool-Aktie.

Meme-Aktien: Ansonsten rückten wieder einmal der Kinobetreiber AMC und der Computerspielhändler Gamestop ins Blickfeld – also jene Aktien, die bei den im Internet organisierten Privatanlegern im Fokus stehen und immer wieder mit Kursausschlägen von sich reden machen. Nach oben gehen diese derzeit aber nicht mehr: beide sackten am Mittwoch auf ein Tief seit mehreren Wochen ab. Für AMC ging es am Ende um fast zehn Prozent bergab, für Gamestop um 4,5 Prozent.

Mit Agenturmaterial

Mehr: 600 Milliarden Dollar Cash für Investitionen, Dividenden und Aktienrückkäufe

Startseite
Mehr zu: Dow Jones, Nasdaq, S&P 500 - Wall Street schließt nach Veröffentlichung von Fed-Protokoll mit Rekordhoch
1 Kommentar zu "Dow Jones, Nasdaq, S&P 500: Wall Street schließt nach Veröffentlichung von Fed-Protokoll mit Rekordhoch"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Jay Barry der Chef für die Bond Strategy von JP Morgen rechnet mit einem Zins bei den T-Notes (10 Y) von 1,95% sowohl für Ende 2021 als auch für Ende 2022.

    Voraussetzung ist (mit der er allerdings rechnet), dass
    1. Die Erholung an Daten gemessen besser läuft als erwartet und
    2. Die insb. die Arbeitsmarktdaten stark anziehen.

    Ansonsten meint er müsste der Zins derzeit eigentlich bei 1,50 % liegen. Ein Squeeze-out der Spekulanten auf steigende Kurse ist derzeit wohl auch ein Grund für die Übertreibung nach unten gewesen.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%