Dow Jones, S&P 500, Nasdaq: US-Zins-Entscheid und Ukraine-Krise belasten Wall Street
Das „Fearless Girl“ an der New Yorker Wall Street.
Foto: APNew York. Die Sorge der Anleger vor raschen Zinserhöhungen der US-Notenbank und die Ukraine-Krise haben die US-Börsen am Dienstag weiter belastet. Auch gemischte Firmenbilanzen drückten auf die Stimmung. Der US-Standardwerteindex Dow Jones schloss mit einem Abschlag von 0,2 Prozent bei 34.297 Punkten. Allerdings konnte er sich von seinem Tagestief von 33.545 Zählern deutlich lösen. Der breit gefasste S&P 500 verlor 1,2 Prozent auf 4356 Stellen, der technologielastige Nasdaq 2,3 Prozent auf 13.539 Punkte.
„Wir leben in einer Welt, in der die meisten Marktteilnehmer noch nie einen Zinserhöhungszyklus miterlebt haben“, sagte Aktienhändler Keith Temperton vom Brokerhaus Forte Securities. „Alles, was sie kennen, ist eine Fed, die Geld in die Märkte pumpt. Daher ist das jetzt ein Schock.“
An der Börse gilt als sicher, dass die Fed am Mittwoch für März eine Zinserhöhung in Aussicht stellen wird. Einige Investoren rechnen sogar mit einer Anhebung um einen halben statt einen Viertel Prozentpunkt.
Die Firmenbilanzen seien zwar grundsätzlich gut, sagte Dan Eye, Chef-Analyst des Vermögensverwalters Fort Pitt. „Aber sie liegen eher im Rahmen der Erwartungen, anstatt wie in den vorangegangenen Quartalen deutlich darüber zu liegen.“
Der Dollar-Index, der den Kurs zu wichtigen Währungen widerspiegelt, stieg um 0,1 Prozent. Er profitierte dabei neben den nahenden Zinserhöhungen vor dem Hintergrund der Ukraine-Krise von seinem Status als „sicherer Hafen“.
Die Furcht vor Lieferausfällen bei einer Eskalation dieses Konflikts spiegelte sich auch im Ölpreis wider. Die US-Sorte WTI verteuerte sich um 2,3 Prozent auf 85,24 Dollar je Barrel (159 Liter).
Zahlen von General Electric enttäuschen
Am US-Aktienmarkt zählte General Electric mit einem Kursverlust von fast sechs Prozent zu den größten Verlierern. Der Quartalsumsatz des Siemens-Rivalen blieb mit 20,3 Milliarden Dollar hinter den Markterwartungen zurück. Gleiches gelte für das Gewinnziel für 2022, monierte Analyst Gautam Khanna vom Vermögensverwalter Cowen.
American Express legte dagegen 8,9 Prozent zu. Der Quartalsgewinn des Kreditkarten-Anbieters habe die Erwartungen deutlich übertroffen, lobte Analyst John Hecht von der Investmentbank Jefferies. Gleiches gelte für die Umsatzziele 2022. Nur der angepeilte Gewinn enttäusche etwas.
Gefragt waren auch die in den USA notierten Papiere von BioNTech, die sich um 3,6 Prozent verteuerten. Die Mainzer Firma beginnt erste klinische Studien mit einem speziell für die Omikron-Variante angepassten Coronavirus-Impfstoff. Vorbehaltlich der behördlichen Genehmigung könnte das Serum bereits im März auf den Markt kommen. Die Titel des BioNTech-Partners Pfizer legten 1,9 Prozent zu.
Nach der Vorlage der Microsoft-Geschäftszahlen zeigen sich die Aktien von Unternehmen aus dem Technologie-Sektor und verwandten Sparten im nachbörslichen US-Handel deutlich schwächer. Die Titel der Google-Mutter Alphabet, von Apple, Amazon und Tesla liegen alle zunächst mehr als ein Prozent im Minus. Microsofts Cloud-Sparte hat die Wachstumserwartungen der Analysten nicht erfüllt.
>> Lesen Sie hier unsere Analyse: Die Debatte über die US-Geldpolitik wird immer hitziger. Aufschluss gibt auch ein Gespräch zwischen den Ökonomen Krugman und Summers.
Blick auf weitere Einzelwerte
IBM: Die Papiere des Unternehmens schlossen nach guten Zahlen komfortabel mit 5,7 Prozent in der Gewinnzone. Dem IT-Konzern hatte eine starke Nachfrage nach Cloud-Software und IT-Services das größte Umsatzplus seit Jahren beschert. Analyst Mirko Maier von der LBBW sah die Zahlen auch hier über den Erwartungen.
Aerojet: Schwindende Hoffnung auf eine Übernahme durch Lockheed Martin brockt Aerojet Rocketdyne den größten Kurssturz seit 20 Jahren ein. Die Aktien des Anbieters von Raketenantrieben fallen an der Wall Street um 19 Prozent auf ein 14-Monats-Tief von 36,50 Dollar. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC will wegen kartellrechtlicher Bedenken gegen den 4,4 Milliarden Dollar schweren Deal klagen.
PetMed Express: Der Unternehmen verfehlte mit einem Quartalsgewinn von 21 Cents pro Aktie die Konsensschätzungen um neun Cents. Auch der Umsatz des Anbieters von Heimtierprodukten blieb hinter den Prognosen der Analysten zurück. Die Aktie steigt aber dennoch um knapp neun Prozent.