Disruptive Thinking: Wollen wir Dinge wirklich anders machen?
Bernhard von Mutius lebt in Potsdam und ist Autor mehrerer Bücher über neues, vernetztes Denken und über die Schönheit der Einfachheit.
(Foto: PR)
Potsdam. Die Welt ist in Unruhe. Der Wandel in Wirtschaft und Gesellschaft verläuft immer weniger stetig, immer weniger linear, dafür immer sprunghafter, zunehmend disruptiv. Der Potsdamer Zukunftsdenker und Unternehmensphilosoph Bernhard von Mutius hat diese Entwicklung nachgezeichnet und einen Weg skizziert, wie Menschen und Unternehmen sich darauf einstellen können. Der ist widersprüchlich und gerade deshalb zukunftsweisend. Er nennt es „Disruptive Thinking“. Das Denken, das der Zukunft gewachsen ist.
1. Buzzword „Disruption“: Wollen wir Dinge wirklich anders machen?
Ein Gespenst geht um in Europa. Und nicht nur dort: Die Disruption. Wir spüren, es geht nicht nur um Technologie. Es geht um einen sozialen und kulturellen Umbruch. Es geht um Existentielles. Vielleicht auch um Sinn. Doch wie können wir disruptive Entwicklungen denken? Finden wir überhaupt noch Zeit zum Denken im Handeln?
Auf den zahllosen Digitalisierungs-Events klingt das Wort Disruption gut. Viele finden es cool. Doch wer ein wenig hinter die Kulissen schaut, spürt im organisationalen Alltag eine ziemliche Verunsicherung, Ängste und viele Fragen: Sind wir überhaupt in der Lage, mitzuhalten mit Alphabet, Amazon & Co? Haben wir die geeigneten Leute dazu? Haben wir die richtigen Kompetenzen? Ist unsere Organisation mit ihrer altersschwachen IT darauf vorbereitet? Oder sind wir nicht voll damit ausgelastet, das laufende Geschäft zu meistern und den gestiegenen Druck halbwegs abzufedern? Eine Realität voller Widersprüche. Disruptive Thinking ist die Fähigkeit, mit diesen Widersprüchen produktiv umzugehen. Man könnte auch sagen: Es ist die Fähigkeit, sich nichts vorzumachen, Dinge anders zu machen und den Menschen wieder Mut zu machen.