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Gastkommentar Die Zukunft der Arbeitswelt ist hybrid, nicht digital

Die Arbeitswelt von morgen sollte in beiden Sphären beheimatet sein, der digitalen und der analogen. Das ist das Beste für Mensch, Umwelt und Wirtschaft.
02.09.2020 - 18:50 Uhr Kommentieren
Sabine Eckhardt ist CEO Central Europe für die Unternehmensberatung Jones Lang LaSalle SE. Quelle: Thomas Dashuber für Handelsblatt
Die Autorin

Sabine Eckhardt ist CEO Central Europe für die Unternehmensberatung Jones Lang LaSalle SE.

(Foto: Thomas Dashuber für Handelsblatt)

Es ist längst eine Binse, dass Corona den Trend zum Homeoffice immens verstärkt. So hat eine aktuelle Umfrage des Münchener Ifo-Instituts unter knapp 800 Personalleitern ergeben, dass 73 Prozent der Firmen, die während der Krise „remote“ arbeiten lassen, auch in der Zukunft stärker darauf setzen werden.

Denn: Die meisten Mitarbeiter haben schnell auf digital umgestellt, die Produktivität sank nicht, Führungskräfte wie Teams waren jederzeit erreichbar, eine neue Lockerheit im Umgang entstand in Videokonferenzen aus Küchen und Wohnzimmern. 

Ist Homeoffice damit „The New Normal“? Sicher nicht. Zuerst schließt diese Debatte erhebliche Teile der deutschen Wirtschaft aus: das produzierende Gewerbe, den Handel, die Gastronomie und den Tourismus, um nur wenige Bereiche zu nennen.

Homeoffice kann also nur eine Alternative für den „Büromenschen“ sein. Neben den offensichtlichen Vorteilen haben wir aber auch schnell gesehen, dass die Arbeit von zu Hause auch nicht zu unterschätzende Nachteile hat.

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    Der Mensch ist ein „Social Animal“. Kreativität etwa entsteht im direkten Austausch und über persönliche Interaktion – und funktioniert über digitale Kommunikation nur leidlich gut. Die Isolation am Küchentisch, die endgültige Vermischung von Arbeit und Freizeit, der Mangel an direktem Feedback, all dies macht vielen Menschen mehr zu schaffen, als man anfangs gedacht hat.

    Die Zugehörigkeit zu einem Team, Kreativität, Diskussionskultur, Anerkennung und das persönliche Vorankommen sind Faktoren, die im modernen Arbeitsumfeld enorm wichtig sind. Von den Herausforderungen, remote zu führen und zu fördern, mal ganz abgesehen.

    Unumkehrbarer Kulturwandel

    Dennoch ist klar: Die durch Corona erzwungene Veränderung der Arbeitsweise hat einen unumkehrbaren Kulturwandel eingeleitet. Deutschland galt immer als einer der Weltmeister in puncto Präsenzkultur, aber das ist nun Geschichte. „New Work“ war schon länger ein Lieblings-Buzzword der Dax-Welt, nun werden quer durch die Vorstandsetagen Tatsachen geschaffen: etwa Homeoffice-Kontingente von bis zu drei Tagen pro Woche. Oder der vorschnelle Verzicht auf neue Büroraumprojekte.

    Einiges davon könnte sich schnell als Fehler erweisen. Wir erleben gerade eine Hybridisierung der Arbeitswelt – mit einer firmenindividuellen Austarierung von Homeoffice und Büropräsenz. Und dieses Verhältnis wird sicher noch häufig angepasst werden müssen, um den jeweils richtigen Mix zu finden.

    Fakt ist schon jetzt, dass hybride Arbeitssituationen zwei interessante Auswirkungen haben werden: eine Regionalisierung des Wohnungsmarkts, die Druck aus den überhitzten Ballungszentren nehmen kann. Und eine neue Gestaltungsphilosophie für die Büros der Zukunft, die das Ende der Arbeitswaben bedeuten wird.

    Denn: Wer nicht mehr jeden Tag ins Büro fahren muss, nimmt auch längere Pendelstrecken in Kauf. Ländliche Gebiete gewinnen so wieder an Reiz. Die höheren Fahrtkosten amortisieren sich über die günstigeren Mieten oder Immobilienpreise. Schon heute können wir beobachten, dass sich der Nachfrageradius um München, Frankfurt oder Hamburg sukzessive vergrößert.

    Veränderung der Ansprüche

    Entscheidend für den neuen Radius sind ein großes Preisgefälle zwischen Zentrum und Umland sowie eine infrastrukturelle Anbindung, die das Pendeln berechenbar macht. Verbunden ist diese Nachfrageverschiebung mit einer Veränderung der Ansprüche: Wer viel von zu Hause arbeitet, braucht ein Arbeitszimmer, das den Wohnflächenbedarf erhöht – im Durchschnitt sind das rund zehn Quadratmeter je Haushalt.

    Corona hat uns aber auch den Wert des Büros als relevanter Lebensort vor Augen geführt. Die Entwicklung einer neuen Denk- und Gestaltungsweise hatte sich bereits vor der Pandemie abgezeichnet, nun nimmt sie spürbar Fahrt auf. Aus Büros werden Kommunikationszentren, Arbeitsplätze werden flexibilisiert, damit sie je nach Präsenz von mehreren Kollegen genutzt werden können.

    Dadurch verändern sich auch die Ansprüche an die gewerbliche Architektur – weg vom Kleinzelligen, hin zu größeren Flächen, die genügend Raum für Begegnung, Kreativität und Innovation bieten. Und darüber hinaus auch dem gestiegenen Hygienebedürfnis Rechnung tragen.

    Offenheit, Innovationsfähigkeit und Teamgeist werden in Zukunft zu den wichtigsten Unternehmenswerten gehören – das muss sich selbstverständlich auch in zeitgemäßen Bürokonzepten widerspiegeln, die zum Austausch einladen und so moderne Unternehmenskulturen prägen. Das Büro ist kein Auslaufmodell, im Gegenteil.

    Es ist ein Mitarbeiterbindungsmodell. Ein Ort, der Identität stiftet und Gemeinschaftssinn formt. Nutzen wir die Krise, um die Zukunft unserer Arbeitswelt zu schaffen, sie wird hybrid sein.

    Mehr: Verfolgen Sie die aktuellen Entwicklungen in der Coronakrise in unserem Newsblog.

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