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Homo oeconomicus Deutschland braucht eine industriepolitische Strategie

Die deutsche Wirtschaft steht nicht nur wegen Corona vor großen Herausforderungen. Fraglich ist, ob bisherige Initiativen ausreichen, damit die notwendige Transformation gelingt.
21.07.2020 - 10:14 Uhr Kommentieren
Coronakrise: Ökonomen streiten sich weniger als Virologen Quelle: SVR
Der Autor

Peter Bofinger ist Ökonomieprofessor an der Universität Würzburg und war Mitglied des Sachverständigenrats.

(Foto: SVR)

Die Coronakrise erweist sich zunehmend als ein Problem der deutschen Industrie. Während die Einzelhandelsumsätze im Mai 2020 sogar um 7,7 Prozent über dem Vorjahresniveau lagen, sind die Inlandsumsätze der Industrie um 19,2 Prozent gesunken, die Auslandsumsätze um 28,2 Prozent. Besonders dramatisch ist die Situation im Automobilsektor mit einem Produktionsrückgang im Mai von 53,6 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat.

Die Krise verdeutlicht die Probleme des Geschäftsmodells der deutschen Wirtschaft. Es beruht auf Exportorientierung, Industrieorientierung und einem Fokus auf den Automobilsektor. Was sich lange als Erfolgsgeschichte erwiesen hat, droht sich jetzt in sein Gegenteil zu verkehren.

Der von US-Präsident Donald Trump befeuerte und von China eher verdeckt praktizierte Protektionismus ist Gift für eine exportorientierte Wirtschaft, der jetzt auch noch der harte Brexit droht. Durch die Erfahrungen mit Corona wird sich der Trend zu lokaler Produktion noch verstärken.

Die Industrieorientierung erschwert es, mit der vom Klimawandel erzwungenen Dekarbonisierung zurechtzukommen. Das Fehlen leistungsfähiger digitaler Plattformen macht sich hier schmerzlich bemerkbar. Die Automobilindustrie leidet nicht nur unter Protektionismus und Dekarbonisierung, sondern zugleich an sich wandelnden Einstellungen zur Mobilität.

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    Die Politik hat auf diese Trends spät reagiert. Sie war dabei in der guten Gesellschaft von Ökonomen, die bei einem unerschütterlichen Marktvertrauen davon überzeugt sind, dass es nicht Aufgabe der Politik sein könne, den Strukturwandel aktiv zu gestalten.

    Es war mutig, dass Wirtschaftsminister Peter Altmaier mit seiner „Nationalen Industriestrategie 2030“ im Februar 2019 einen ersten Aufschlag versuchte. Wie zu erwarten, wurde er dafür von Ökonomen und Unternehmern massiv kritisiert. Eine zweite im November 2019 vorgelegte „Industriestrategie 2030“ blieb nahezu unbeachtet.

    Wettbewerbsfähigkeit überprüfen

    Es spricht für den Minister, dass er sich nicht abhalten ließ, eine Strategie für Batteriezellen ins Leben zu rufen. Die Nationale Wasserstoffstrategie ist eine weitere wichtige Weichenstellung, für die im Zukunftspaket vom Juni 2020 sieben Milliarden Euro bereitgestellt werden. In diesem Paket sind zudem mehrere Milliarden für die Förderung der Künstlichen Intelligenz und von Quantentechnologien vorgesehen.

    Offen ist, ob diese Initiativen ausreichen, um die technologische und ökologische Transformation der deutschen Wirtschaft erfolgreich bewältigen zu können. Um das angemessen zu klären, bedarf es einer Industrie- und Innovationsstrategie. Sie müsste eine Diagnose der internationalen Wettbewerbsfähigkeit unserer Schlüsselindustrien vornehmen.

    Auf dieser Basis wäre zu prüfen, ob die bisher geplanten Maßnahmen ausreichen, um vorhandene Defizite zu kompensieren und vorhandene Potenziale noch auszubauen. All das sollte eng mit einer entsprechenden europäischen Innovationstrategie verzahnt sein.

    Von marktliebenden Ökonomen ist oft zu hören, die Politik sei nicht in der Lage, zukünftige Trends zu identifizieren („picking winners“). In China ist das jedoch erstaunlich gut gelungen. Und bei den Problemen unserer Automobilindustrie und Großbanken muss man sich zudem fragen, ob der Markt bei der Entdeckung von neuen Technologien und Geschäftsfeldern immer die Nase vorn hat.

    Mehr: Warum die Deutschen keine Angst vor einer Inflation haben müssen

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