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Homo oeconomicus Jörg Krämer: Digitales Zentralbankgeld macht den Staat mächtiger

Nach China nehmen nun auch westliche Notenbanken digitales Zentralbankgeld in den Fokus. Doch dies ist mit mehreren Risiken verbunden.
21.09.2020 - 03:54 Uhr Kommentieren
Jörg Krämer ist Chefvolkswirt bei der Commerzbank. Quelle: Commerzbank
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Jörg Krämer ist Chefvolkswirt bei der Commerzbank.

(Foto: Commerzbank)

China will bis 2022 digitales Zentralbankgeld einführen und das Bargeld zurückdrängen, wenn nicht gar ersetzen. Westliche Zentralbanken wollen nicht ins Hintertreffen geraten und arbeiten an eigenen Plänen. Aber digitales Zentralbankgeld ist mit hohen Risiken verbunden.

Dazu muss man sich zunächst klarmachen, was Zentralbankgeld ist. Es handelt sich dabei um die Guthaben der Geschäftsbanken auf ihren Konten bei der Zentralbank sowie das von Haushalten und Unternehmen gehaltene Bargeld.

Kein Zentralbankgeld sind dagegen die Guthaben der Privatleute und Unternehmen auf den Konten ihrer Geschäftsbanken. Sie stellen nämlich keine Forderung gegenüber der Zentralbank dar, sondern gegenüber den Geschäftsbanken.

Digitales Zentralbankgeld kann man sich als immaterielles Bargeld vorstellen. Statt in einem Portemonnaie befindet es sich auf einer Art Geldkarte, es ersetzt dann physisches Bargeld. Denkbar ist auch, dass Bürger bei der Zentralbank Konten eröffnen und mit diesem Zentralbankgeld Zahlungen tätigen.

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    Aber digitales Zentralbankgeld schafft eine Menge Probleme. Wenn es das Bargeld vollständig ersetzt, können die Menschen einem Negativzins der Zentralbank nicht mehr dadurch ausweichen, dass sie sich ihre Bankguthaben in zinsloses Bargeld auszahlen lassen.

    Mit digitalem Zentralbankgeld können Notenbanken Strafzinsen durchsetzen, die viel höher sind als die Lagerkosten des Bargeldes. Die Manipulation des Zinses wird erleichtert – mit all den Risiken wie dem Entstehen gefährlicher Blasen an den Finanz- und Immobilienmärkten.

    Überwachung möglich

    Ein weiteres Problem entsteht, wenn Bürger ihre Guthaben bei Geschäftsbanken in großem Stil in digitales Zentralbankgeld tauschen wollen. Dann müssen die Banken Zentralbankgeld in gleicher Höhe auf die Zentralbankkonten der Bürger überweisen. Bei den Banken entsteht eine Finanzierungslücke.

    Schließt die Zentralbank sie, indem sie den Geschäftsbanken Staats- und Unternehmensanleihen abkauft und ihnen die entsprechenden Beträge überweist, übernimmt sie die Kreditrisiken der Banken. Faktisch verdrängen staatliche Notenbankkredite in großem Stil private Kredite und verzerren die Verteilung der volkswirtschaftlichen Ersparnisse; noch mehr Zombieunternehmen und -staaten wären die Folge.

    Kritisch ist auch, dass Staaten die finanziellen Transaktionen ihrer Bürger mit digitalem Zentralbankgeld je nach technischer Ausgestaltung einfacher überwachen können. Für Chinas Regierung ist das sicher ein wichtiger Aspekt.

    Grundsätzlich kann man all diese Probleme mit entsprechenden Vorkehrungen vermeiden. So könnten deutlich negative Zinsen auf Zentralbankguthaben verboten werden. Aber wie glaubwürdig sind solche Sicherungen im Euro-Raum, wo schon so viele Regeln gebrochen wurden?

    Im Zweifel macht digitales Zentralbankgeld den Staat auf Kosten seiner Bürger mächtiger. Und das ohne Not. Schließlich können die Bürger mit ihren Bankguthaben schon längst per Mausklick zahlen, wobei der Wettbewerb die Digitalisierung dieses privaten Geldes ohnehin vorantreibt.

    Mehr: Weidmann zeigt Skepsis gegenüber dem E-Euro.

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