Homo oeconomicus: Lena Sellgren: Auch bei der grünen Transformation sollten wir unsere rasche Anpassungsfähigkeit beweisen
Lena Sellgren ist Chefvolkswirtin von Business Sweden.
Kann die Welt in kurzer Zeit radikale Veränderungen erreichen? Wenn es keine andere Alternative gibt, lautet die Antwort eindeutig Ja. Die Covid-19-Pandemie ist zum ultimativen Lackmustest geworden, der unsere Anpassungsfähigkeit unter Beweis stellt.
In diesem Jahr wurde der Übergang zu einer digital betriebenen Gesellschaft extrem schnell vorangetrieben. Das hat nachhaltig verändert, wie wir arbeiten, reisen und miteinander interagieren.
Während die Unternehmen noch immer mit der ungekannten Kombination aus schwerem Angebots- und Nachfrageschock zurechtkommen müssen, der durch die Pandemie ausgelöst wurde, sehen sie sich gleichzeitig starkem Druck ausgesetzt, sich neu zu erfinden. Die Unterbrechungen in der Produktion, die sie in diesem Frühjahr nicht vermeiden konnten, haben die Verwundbarkeit der Lieferketten in ihrer derzeitigen Form noch einmal deutlich gemacht. Gleichzeitig kamen die durch Lockdowns und Kontaktvermeidung geänderten Verhaltensweisen der Verbraucher denjenigen Unternehmen zugute, die sich bereits an die digitale Wirtschaft angepasst oder sie sogar mitgestaltet haben.
Wenn die Verwüstungen durch Covid-19 irgendwann im nächsten Jahr unter Kontrolle gebracht sein werden, werden der Klimawandel und die dringende Notwendigkeit, die in der Pariser Vereinbarung festgelegten Ziele zu erreichen, wieder ins Rampenlicht rücken.
Nachhaltige Entwicklung ist keineswegs optional, und der Druck von Regierungen, Kunden und Verbrauchern auf Unternehmen, ihre Anstrengungen zu verstärken, wird nur noch zunehmen. Neue Wettbewerber, die mit grünen, zukunftssicheren Technologien Fortschritte machen, werden alle Unternehmen unter Handlungsdruck setzen.
Europa will bis 2050 klimaneutral werden.
Foto: dpaWahrscheinlich ist die Vorarbeit jetzt geleistet. Unsere erwiesene Fähigkeit zur raschen Anpassung muss für die grüne Transformation Europas eingesetzt werden. Die vor uns liegenden Geschäftsmöglichkeiten sind vielversprechend, nicht zuletzt, wenn es um die marktnahe Produktion in Europa geht.
Der Vormarsch der Automatisierung lässt den Anteil der Löhne an den Produktionskosten sinken. Das hat die Wettbewerbsbedingungen zwischen den Niedrigkostenländern und den alten Industrienationen ausgeglichen. Auch die Löhne für qualifizierte Industriearbeiter und Ingenieure sind in den Entwicklungsländern erheblich gestiegen.
Das ermöglicht die heimische Fertigung für den lokalen und regionalen Markt, die sowohl das Risiko einer Unterbrechung der Lieferkette verringert, als auch die CO2-Emissionen durch Langstreckentransporte senken kann. Eine gut konzipierte, marktnahe Fertigung kann negative Umweltauswirkungen und den Klima-Fußabdruck erheblich verkleinern.
Unternehmen müssen heute in ihre Mitarbeiter, in die Umwelt und in ethische Geschäftspraktiken investieren, um relevant zu bleiben – oder sogar langfristig zu überleben. Was das Ziel Europas anbelangt, bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden, so haben wir jetzt die Blaupause, um voranzukommen. Dieser grüne Wandel erfordert drei Dinge: Mut, Führung und Zusammenarbeit.