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Asia TechonomicsWarum auch chinesische Firmen plötzlich von US-Steuergeldern profitieren

Das Subventionsprogramm IRA soll Chinas Vormachtstellung bei grüner Technologie brechen, fördert aber Firmen wie JA Solar und CATL. Das sorgt für Kritik.Nicole Bastian 02.03.2023 - 12:33 Uhr Artikel anhören

Auch chinesische Konzerne könnten vom US-Subventionsprogramm IRA profitieren.

Foto: Visual China Group/Getty Images

Der chinesische Batteriehersteller CATL hat in Zeiten von Ballonabschüssen, Technologieexportverboten und Strafzöllen einen ziemlich sicheren Weg auf den US-Markt gefunden: eine Kooperation mit Ford. Der Autobauer errichtet im Bundesstaat Michigan für fast 3,5 Milliarden Dollar eine Fabrik für Lithium-Eisenphosphat-Batterien. CATL wird dafür die Patentrechte an Ford lizenzieren. Eigentümer des Werks bleibt komplett der US-Konzern.

Das ist doppelt bemerkenswert: Zum einen ist es nun ein chinesisches Unternehmen, das sein Wissen in die USA exportiert. Diesen Beweis des Technologievorsprungs in dem Bereich kann man durchaus eine kleine Zeitenwende nennen. Nicht umsonst fordern chinesische Politiker dem Finanzdienst Bloomberg zufolge nun, genau zu untersuchen, ob CATL damit nicht seine Kerntechnologie in ausländische Hände gibt.

Zum anderen haben Ford und die Chinesen das Abkommen extra umgestaltet, um sicherzustellen, dass die Fabrik von den hohen Steuergutschriften aus dem sogenannten Inflation Reduction Act (IRA) profitiert, den die US-Regierung für grüne Zukunftstechnologie made in USA erlassen hat. Das Modell könnte Schule machen – und sorgt prompt für Kritik.

Marco Rubio warnt: USA werden so noch abhängiger von China

Denn CATL wird so indirekt zum Profiteur der Steuergutschriften. Der republikanische Gouverneur von Virginia, Glenn Youngkin, hatte zuvor eine mögliche Ansiedlung des Werks in seinem Staat abgelehnt, da das Konstrukt ein „trojanisches Pferd“ Pekings sei.

Der republikanische Senator Marco Rubio forderte, dass der US-Regierungsausschuss Cifus, der schon so manche Investition aus dem Ausland verhindert hat, den Deal unverzüglich untersucht. Rubio warnte, die USA würden durch das Abkommen zwischen Ford und CATL noch abhängiger von chinesischer Batterietechnologie. Dabei bezwecke der IRA doch genau das Gegenteil.

In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.

Foto: Klawe Rzeczy

In Deutschland wird seit Monaten über die Wirkung des IRA auf die deutsche und europäische Wirtschaft hitzig diskutiert. Die Folgen für China aber sind ebenso spannend, denn das Programm zielt direkt gegen die Vormachtstellung des Landes bei Solarpanels und Elektroautobatterien. Fast drei Viertel der globalen Produktionskapazitäten für Elektroautobatterien entfallen derzeit auf China, Weltmarktführer ist CATL.

Ford argumentiert, über den Deal liege die Technologie nun in den USA, wo der Autobauer sie kontrollieren könne. Das sei besser als beim Import zuvor. Wird das Konstrukt zur Blaupause und General Motors oder Tesla folgen, wäre es für die chinesischen Batterieproduzenten eine Möglichkeit, sich in den USA im Geschäft zu halten.

Chinesischer Solarverband warnt vor Preisverfall durch IRA

Auch für die Solarunternehmen aus China wird der IRA entscheidende Folgen haben. Der Branchenverband warnte seine Mitglieder unlängst, dass der Versuch Washingtons, mit dem IRA die globalen Lieferketten in Richtung USA zu lenken, für die Photovoltaikproduzenten einen Verlust an globalen Marktanteilen und einen harten Preiswettbewerb bedeuten könne.

Im vergangenen Jahr war China weltweit führend bei Investitionen in kohlenstoffarme Energien und Technologien wie Solarenergie und Windkraft, Elektroautos und Batterien. Nach Bloomberg-Informationen waren es mit 546 Milliarden Dollar rund dreimal so viel wie in der ganzen EU zusammen und fast viermal so viel wie in den USA. Diese Dominanz will die Biden-Regierung mit den Steueranreizen angreifen.

Die Ratingagentur Standard & Poor’s argumentiert, der IRA komme zu einer Zeit, in der China die Märkte in Übersee eigentlich brauche, um Produktionsmengen loszuwerden, die sich durch Überproduktion aufgebaut hätten. Eine größere inländische Nachfrage könne dies nur zum Teil auffangen, ebenso ein verstärktes Ausweichen der Hersteller auf andere Märkte über die Initiative Neue Seidenstraße.

Bleibt noch eine Fabrik direkt in den USA: Mit JA Solar hat einer der größten chinesischen Solarmodulproduzenten im Januar angekündigt, für rund 60 Millionen Dollar eine Fabrik in Arizona zu bauen. Auch diese dürfte von den IRA-Steuergutschriften profitieren.

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Die politische Kritik folgte auf dem Fuß. Marco Rubio zeigte sich „tief beunruhigt, dass der amerikanische Steuerzahler Chinas Solarbranche subventioniert“. Dennoch dürfte JA Solar nicht das letzte Unternehmen sein, das den Sprung in die geopolitische Höhle des Löwen wagen wird.

In der Kolumne Asia Techonomics schreiben Nicole Bastian, Dana Heide, Sabine Gusbeth, Martin Kölling und Mathias Peer im wöchentlichen Wechsel über die spannendsten technologischen und wirtschaftlichen Trends in der dynamischsten Region der Welt.

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