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Digital DetoxDas entspannt auch bei Handy-Vielnutzern den Nacken

Millionen Menschen brennt, sticht und zieht es in der Halswirbelsäule. Unser Kolumnist Dietrich Grönemeyer verrät einfache Wege aus dem Schmerz und warum gerade unser Nacken von Digital Detox profitieren kann. 16.01.2025 - 09:57 Uhr Artikel anhören
Groenemeyer empfiehlt: Einfach mal entspannen. Foto: Imago (M)

Etwa 25 Prozent aller Rückenbeschwerden entstehen oben, im Nackenbereich. Die sieben Wirbel zwischen Rumpf und Schädel tragen den Kopf, der etwa drei bis vier Kilo auf die Waage bringt. Dieser obere Bereich ist der beweglichste Teil des Rückens und damit anfällig für Schmerzen, die vor allem auf Muskelverspannungen zurückgehen.

Das klassische Problem ist der Handynacken. Durch den Blick nach unten aufs Handydisplay wächst die Last des Kopfgewichts auf die Halswirbelsäule enorm. Auch eine ergonomisch ungünstige Gestaltung eines Bildschirmarbeitsplatzes kann solche Verspannungen und Schmerzen hervorrufen.

Nichts gegen Smartphones oder Tablets. Diese sind aus dem Alltag heute nicht mehr wegzudenken. Wenn ich allerdings in der Stadt unterwegs bin mit Bus, Trambahn, U-Bahn oder auch zu Fuß, dann sehe ich viele Menschen, die förmlich in ihre kleinen Bildschirme hineinkriechen – insbesondere auch bei Jugendlichen.

Wie stark Handys den Rücken belasten

Nicht nur dass das im Straßenverkehr wegen der Ablenkung durchaus gefährlich sein kann, nein, die gebeugte Kopfhaltung sorgt für eine enorme Belastung der Nackenmuskulatur, Bandscheiben und Wirbelgelenke. Es kann eine Last von nahezu 30 Kilo entstehen und jeder, der schon einmal länger auf ein Smartphone geschaut hat, kennt das unangenehm steife Gefühl im Nacken, das sich schnell einstellt.

Normalerweise hat die Halswirbelsäule eine Krümmung nach vorn. Beim Sitzen und erst recht bei der Benutzung von Tablets oder Smartphones kommt die normale Krümmung der Wirbelsäule immer mehr in eine Streckhaltung, schlimmstenfalls sogar in eine Kyphose (Buckel).

Nehmen Sie sich am Tag auch mal komplette Auszeiten vom Handy. Ja, die Welt dreht sich weiter, Sie werden hinterher viele neue Nachrichten lesen, aber man muss nicht immer auf alles gleich antworten. Schon das wirkt entstressend und entlastet nebenbei die Nackenmuskulatur.

Wer ein paar kleine Dinge an seinem Lebensstil und digitalem Konsum ändert, kann damit viel erreichen. So lässt sich auch Kopfschmerz vermeiden, der sich gerne infolge des Handynackens einstellt. Versuchen Sie, sich zu disziplinieren, damit diese Kopfschmerzen nicht chronisch werden.

Was gegen Handynacken wirklich hilft

Meine Tipps gegen Handynacken:

  • Eine möglichst neutrale Haltung einnehmen. Heben Sie das Smartphone hoch vors Gesicht, Display und Augen sollten auf einer Höhe sein. Lieber die Augen als den Kopf senken.
  • Pausen machen! Mehrere kurze Pausen sind besser als wenige lange.
  • Zwischendurch immer wieder Lockerungsübungen für die Schultern und den Hals machen.
  • Öfter in die Ferne sehen, um die Augen- und Nackenmuskulatur zu lockern und zu trainieren.
  • Wie schmerzhaft eine Gelenkblockade sein kann, hat sicherlich jeder schon einmal erlebt: Eine falsche Kopfbewegung und schon schießt der Schmerz wie ein scharfes Messer in den Schulter- und Nackenbereich. Wer dann zum Orthopäden geht, wird häufig auch chiro- oder manualtherapeutisch behandelt. „Da wird dann etwas eingerenkt“, so der Volksmund. Aber das ist nicht wirklich, was passiert. Stattdessen verbessert die manuelle Therapie das Mikrospiel der Gelenkflächen. Wie das funktioniert? Durch das sanfte Mobilisieren zum Beispiel von Halswirbeln, die in verschiedene Richtungen gedrückt oder gezogen werden. Der Schmerz verfliegt dann meist ziemlich schnell, und man fühlt sich wie neu „eingerenkt“. Gleichzeitig behandeln Manualtherapeuten die Muskulatur und die Faszien. Auch spüren sie Zusammenhänge auf, die manchmal unerwartet sind: Armbeschwerden oder sogar Hüftgelenksbeschwerden können zum Beispiel aus einer Blockade einzelner Halswirbel entstehen, selbst ein Druck im Brustraum, der sich wie bei einem Herzinfarkt anfühlt, kann dadurch verursacht sein.
  • Und noch etwas kann helfen, erfordert aber – wie bereits erwähnt – ein gewisses Maß an Selbstdisziplin: Digital Detox.

Den eigenen digitalen Konsum zu regulieren und mal längere Zeit auf Handy und Co. zu verzichten oder zumindest deren Nutzung einzuschränken, kann eine entspannende Wohltat für den gestressten Nacken sein. Einfach mal ausprobieren!

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Dietrich Grönemeyer ist Gründer des Grönemeyer-Instituts Bochum und Bestsellerautor. Bis 2012 war er Lehrstuhlinhaber für Radiologie und Mikrotherapie an der Universität Witten/Herdecke. Er schreibt alle 14 Tage im Handelsblatt Wochenende.

Erstpublikation: 09.01.2025, 09:38 Uhr.

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