Globale Trends: Crash-Kurs für Deutschland: Wie der Wirtschaftskrieg gegen Russland die globale Ökonomie erschüttert
Handelsblatt-International-Correspondent Torsten Riecke analysiert jede Woche in seiner Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt. Sie erreichen ihn unter riecke@handelsblatt.com.
Foto: Klawe RzeczyBerlin. „Es gibt Jahrzehnte, in denen gar nichts geschieht; und es gibt Wochen, in denen so viel geschieht wie sonst nur in Jahrzehnten.“ Selbst dieses alte Lenin-Zitat aus den stürmischen Tagen der Russischen Revolution beschreibt nur unzureichend die atemlosen Veränderungen seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine. Deutschland hat sich in den vergangenen drei Tagen stärker verändert als in den 33 Jahren seit dem Mauerfall: Von der Ostpolitik über das Mantra vom Wandel durch Handel bis hin zum Waffenexport – kein Stein der deutschen Weltanschauung ist auf dem anderen geblieben.
Das hat Konsequenzen nicht nur für die deutsche Außenpolitik, sondern gerade auch für die deutsche Wirtschaft. Wenn die Mitarbeiter, Unternehmer und Manager am Montagmorgen an ihren Arbeitsplatz zurückkehren, ist auch ihre Welt eine andere. Das betrifft nicht nur all jene Firmen, die ihr Geld mit dem Außenhandel verdienen und jetzt mit enormen Risiken, Unsicherheiten und Einschränkungen konfrontiert sind.
Die Auswirkungen der Sanktionen gegen Moskau auf die künftige Energieversorgung in Deutschland sind noch gar nicht absehbar: Der Unmut über den von Putin angestrebten „Regime Change“ in Kiew hat sogar die Ängste vor dem Klimawandel in den Hintergrund gedrängt und Rufe nach einer Wende von der Energiewende laut werden lassen. Wer hätte gedacht, dass eine grüne Außenministerin sich einmal um die russischen Kohlelieferungen nach Deutschland sorgt.