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  4. Energiekosten: Den Anstieg der Energiepreise begrenzen

Globale TrendsDen Anstieg der Energiepreise begrenzen – eine Anleitung zur Krisenbewältigung

Die Gaskrise belastet die EU-Länder unterschiedlich stark. Um die Preiskonkurrenz zwischen den Staaten zu beenden, gibt es verschiedene Lösungsansätze.Thomas Hanke 26.09.2022 - 11:37 Uhr Artikel anhören

Handelsblatt-Autor Thomas Hanke analysiert in der Kolumne interessante Daten und Trends aus aller Welt.

Foto: Klawe Rzeczy

Der russische Krieg in der Ukraine trifft Unternehmen und Verbraucher Europas durch höhere Energiepreise. Aber die Belastung ist sehr unterschiedlich.

Einer Studie des Internationalen Währungsfonds (IWF) zufolge werden die höheren Energiepreise die Estländer 15 Prozent und die Tschechen, Briten und Niederländer fast zehn Prozent ihrer gesamten Haushaltsausgaben kosten – zusätzlich. Die Deutschen kämen mit unter fünf Prozent davon.

„Die Hälfte des Anstiegs der Rohöl- und Kohlepreise wird voraussichtlich bis 2026 anhalten, während bei Erdgas etwa ein Viertel des Anstiegs bis 2026 anhalten dürfte“, erwartet der IWF. Ein Viertel bedeutet immer noch mehr als eine Verdoppelung im Vergleich zu 2021.

Die EU muss die Preise langfristig koordiniert senken. Doch stattdessen wiederholen ihre Staaten einen Fehler aus der Anfangsphase der Covid-Pandemie: Sie kaufen getrennt ein und machen sich Konkurrenz.

Für Europas Gasimporte ist der Preis am virtuellen niederländischen Handelspunkt TTF ausschlaggebend. Der entspricht normalerweise dem am Henry Hub, dem Gas-Knotenpunkt in Louisiana in den USA. Aktuell ist der Preis in den Niederlanden fast zehnmal so hoch.

Ein Preisdeckel wäre ein wichtiger erster Schritt

Norwegen, zum wichtigsten Lieferanten der Europäer aufgestiegen, richtet sich nach dem Spotpreis in den Niederlanden: lukrativ für die staatliche Gesellschaft Equinor, ruinös für Europas Wirtschaft und Verbraucher. Erste Versuche der EU, über einen Preisdeckel zu verhandeln, wurden Mitte September ruppig abgelehnt. Mittlerweile sind die Norweger etwas offener.

Einen Preisdeckel für Gas zu erreichen ist der wichtigste Ansatzpunkt, um die Mehrbelastungen einzugrenzen. Er müsste sich auch auf amerikanisches Flüssiggas beziehen, das stark an Bedeutung gewonnen hat.

Unter Alliierten möchte man nicht offen darüber streiten. Doch ist die US-Regierung durchaus an einer Preisdämpfung interessiert: Die hohen Erlösmöglichkeiten in Europa lassen Gas über den Atlantik abfließen und treiben die Preise in den USA.

Nicht alle Unternehmen und Haushalte sind direkt von den höheren Gaspreisen betroffen. Doch alle treffen die ebenfalls stark gestiegenen Stromkosten.

Die teuersten Gaskraftwerke zu subventionieren, könnte den Gaspreis nach unten drücken.

Foto: dpa

Auf Europas Strommarkt bestimmen die Kosten des letzten noch zur Bedarfsdeckung zugeschalteten Kraftwerks den Preis für alle. Das sind Gaskraftwerke, deren extrem hohe Erzeugungskosten den Strompreis jagen und den Betreibern von Wind-, Kohle- und Atomkraftwerken saftige Zusatzgewinne bescheren.

Subventionen für die teuersten Gaskraftwerke

Das ließe sich ändern, ohne die Marktorganisation auf den Kopf zu stellen. Der Zusammenschluss der EU-Regulierer ACER beschreibt die Möglichkeit, die teuersten Gaskraftwerke zu subventionieren. Wenn deren Kosten fallen, sinkt der Strompreis insgesamt, weil sie als Grenzanbieter preissetzend wirken.

Dieser Schritt wäre noch kompliziert genug. Weil der Strommarkt integriert ist, müssten die Mitgliedstaaten sich abstimmen. Sonst fließt billiger Strom auch in die Länder, die nichts zur Kostensenkung beitragen.

Aber es wäre wesentlich einfacher, als erst die Preise galoppieren zu lassen und im Nachhinein den Zuschussbedarf jedes kommerziellen Stromkunden zu ermitteln, der illiquide wird, die privaten Haushalte je nach Bedarf zu entlasten und schließlich die Übergewinne billig arbeitender Stromerzeuger zu errechnen und zu besteuern.

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Angebotssteigernd und preissenkend würde auch die Realisierung der begonnenen Gaspipeline von der iberischen Halbinsel nach Norden wirken. Spanien hat die größten Flüssiggasterminals in der EU, gemeinsam mit Portugal wird es künftig grünen Wasserstoff produzieren.

Frankreich blockiert dieses Projekt: „Es ist falsch, es ist faktisch falsch“, ereiferte sich Präsident Emmanuel Macron vor einigen Tagen. Er will eigenen Wasserstoff aus Atomstrom absetzen. Berlin sollte ihn daran erinnern, dass solche Nullsummenspiele nicht in die Zeit passen.

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