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Homo oeconomicusDeutschland droht die Elektro-Zukunft zu verspielen

Milliarden sind investiert, die Modelle stehen bereit. Aber Ladechaos, Preis-Wirrwarr und Politik-Gezerre schrecken Kunden ab. Wer jetzt bremst, verspielt Wohlstand und Klimaziele.Monika Schnitzer 01.10.2025 - 12:05 Uhr Artikel anhören
Die Autorin Monika Schnitzer ist Vorsitzende des Sachverständigenrates. Foto: Klawe Rzeczy [M]

Die IAA Mobility in München hat gezeigt: Elektromobilität ist kein Zukunftsversprechen mehr, sondern Gegenwart. Nicht nur chinesische Anbieter dominierten die Hallen, auch deutsche Hersteller präsentierten neu überzeugende Modelle in unterschiedlichen Klassen. Technisch ist die Branche bereit. Politisch jedoch sendet Deutschland das falsche Signal: Statt die Transformation planbar zu machen, wird darüber gestritten, den EU Ausstieg aus dem Verbrenner 2035 aufzuweichen und Sanktionen bei verfehlten Flottenzielen zu begrenzen. Dieses Hin und Her verunsichert.

Wie stark Unsicherheit wirkt, zeigt die Forschung: Der Ökonom Sylvain Chassang von der Princeton University hat für Frankreich gezeigt, dass nach dem abrupten Ende einer Kaufprämie für E-Autos die Zulassungen einbrachen. Es wurden jedoch nicht mehr Verbrenner verkauft, sondern insgesamt weniger Fahrzeuge. Viele Haushalte verschieben ihre Entscheidung, bis die Lage klar ist. Für die Industrie ist das fatal. Hersteller und Zulieferer haben Milliarden in Produktionsanlagen, Software und neue Plattformen investiert. Sie brauchen Verlässlichkeit, um Kapazitäten auszulasten und Beschäftigung zu sichern.

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Was ist jetzt zu tun? Erstens: Kurs halten. Wer heute wieder über E-Fuels für die breite Masse fabuliert, riskiert das Vertrauen in alle großen Entscheidungen. Zweitens: Den Betrieb von E-Autos verlässlich günstiger machen als den von Verbrennern. Entscheidend ist nicht mehr primär die Ladezeit, die hat sich verbessert, sondern der Alltag am Ladepunkt. Heute sind Preise oft zu hoch und intransparent, Tarife und Apps unübersichtlich. Das schreckt ab.

Es braucht klare, einfache Regeln

In vielen Städten werden nicht genügend Stellplätze für Ladestationen ausgewiesen und Stadtwerke bevorzugen ihre eigenen Anbieter, statt neuen Betreibern eine faire Chance zu geben und dadurch Wettbewerb zu erzeugen. Und weil viele der jetzigen Nutzer zu Hause laden oder Firmenautos fahren, deren Ladekosten erstattet werden, gibt es zu wenig Druck der Verbraucher, die Ladepreise zu senken.

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Deshalb braucht es klare, einfache Regeln: verpflichtende Preisauszeichnung am Ladepunkt in Cent pro kWh; einheitliche, interoperable Standards inklusive „Plug & Charge“; überall Ad-hoc-Zahlung mit Karte ohne App-Zwang; effiziente Genehmigungen und schnellere Netzanschlüsse, damit neue Stationen zügig entstehen; und eine Aufsicht, die überhöhte Gebühren unterbindet. Zusätzlich braucht es transparente Grundpreise und kWh-Tarife auch an Schnellladern, klare Angaben zu Blockiergebühren sowie eine einfache Vergleichbarkeit wie an der Zapfsäule. Kurz: Laden muss so simpel werden wie Tanken: anstecken, bezahlen, weiterfahren.

Wenn Politik und Branche dies gelingt, kommt der Rest von allein: Die Hersteller liefern attraktive Fahrzeuge, die Verbraucher treffen rationale Entscheidungen, und die Klimaziele werden bezahlbar erreicht. Ständige Richtungswechsel dagegen kosten Vertrauen, Aufträge und Zeit. Deutschland hat auf der IAA gezeigt, dass es kann. Jetzt muss es zeigen, dass es will.

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