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KooperationenInnovation trifft Tradition: Wie Mittelstand und Start-ups voneinander profitieren

Ein 200 Jahre alter Papierhersteller zeigt, wie Zukunft geht: Die Koehler-Gruppe kooperiert mit Start-ups, investiert in grüne Energie – und beweist, dass Tradition und Innovation zusammenpassen.Julia Rieder 27.11.2025 - 12:29 Uhr Artikel anhören
Kooperation (Illustration): Wenn Start-ups und erfahrene Konzerne zusammenarbeiten, beschleunigt das Innovationen. Foto: picture alliance / imageBROKER | Anastasiia Torianyk

Berlin. Ein traditionsreicher Mittelständler, der seit mehr als 200 Jahren Papier herstellt, tut sich mit Start-ups zusammen. Klingt das für Sie nach einem Kulturclash? Es ist eine Erfolgsgeschichte. Und zwar die der Koehler-Gruppe aus Oberkirch.

Das Familienunternehmen mit 2500 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von mehr als einer Milliarde Euro hat sich ein klares Ziel gesetzt: Bis 2030 will es mehr erneuerbare Energie erzeugen, als die eigene Papierproduktion verbraucht. Um das zu erreichen, investiert Koehler in Windkraft, Wasserkraft und Biomasse – und in Start-ups.

Heute kooperiert das Unternehmen bereits mit 20 jungen Firmen. Dazu gehört das französische Unternehmen Lactips. Es hat eine biologisch abbaubare Beschichtung entwickelt, die sich für Papierverpackungen eignet. Es sind auch Start-ups aus dem Energiesektor dabei, wie Turn2x aus München, das in Spanien synthetisches Erdgas herstellt und in Deutschland einen Standort errichten würde.

„Es findet so viel Innovation außerhalb unseres Unternehmens statt. Daher haben wir uns entschieden, stärker mit Start-ups zusammenzuarbeiten“, hat Koehler-Geschäftsführer Philipp Prechtl meinem Kollegen Joachim Hofer gesagt.

Diesen Mut zur Kooperation teilt der Mittelständler mit Stammsitz unweit von Offenburg allerdings mit zunehmend weniger Unternehmen. Arbeiteten 2020 noch 71,8 Prozent der Start-ups mit etablierten Unternehmen zusammen, sind es derzeit nur noch 56 Prozent.

Koehler-Geschäftsführer Prechtl: Jede Kooperation mit Start-ups ist ein Gewinn für die Firma. Foto: Koehler

Das zeigt der „Deutsche Start-up Monitor“ 2025, für den der Branchenverband jedes Jahr etwa 1800 Jungfirmen befragt. Angesichts der schwierigen Wirtschaftslage seien Mittelständler und Großkonzerne weniger bereit, Risiken einzugehen und Geld für Kooperationen freizumachen, heißt es im Report.

Die Wirtschaftslage bremst Zusammenarbeit

Das ist ein Verlust, denn die Zusammenarbeit hat Vorteile für beide Seiten. Gesche Weger, Co-Gründerin und Geschäftsführerin von Packwise, fasst sie im Start-up-Monitor so zusammen: „Start-ups sind nah an neuen Technologien und schnell in der Umsetzung, während die Industrie Skalierung kann und den Marktzugang hat.“ Innovationen entstünden häufig dort, wo beide effizient zusammenarbeiten.

Stammwerk von Koehler in Oberkirch: Die Familienfirma kooperiert mit 20 Start-ups. Foto: Koehler

Unter Umständen können Start-ups sogar Patente nutzen, die große Firmen selbst nicht mehr brauchen. Das bringt Konzernen Einnahmen – und spart den Start-ups den Aufwand für die Patentanmeldung, wie meine Kollegin Nina Zimmermann kürzlich in dieser Newsletter-Ausgabe aufgezeigt hat.

Im Verteidigungssektor blühen Kooperationen

Dennoch zögern viele Unternehmen derzeit, sich auf Partnerschaften mit Jungfirmen einzulassen. In einem Bereich allerdings ist die Stimmung eine andere: in der Rüstungsbranche. Dort erhoffen sich die Geldgeber aus Wirtschaft und Politik neue technologische Ansätze.

So arbeitet der Augsburger Rüstungszulieferer Renk mit dem KI-Spezialisten Arx Robotics an selbstfahrenden Panzern. Renk bringe „mechanische Kompetenz und seine industrielle Kapazität“ in die Partnerschaft ein, sagte Unternehmenschef Alexander Sagel meinen Kollegen Markus Fasse und Nadine Schimroszik. Arx wiederum liefere die Softwarekompetenz und die Fähigkeit, schnell und iterativ neue Technologien zu entwickeln.

Und das Berliner Start-up Stark kooperiert seit Juli mit einer Tochter des Rüstungskonzerns MBDA bei der Entwicklung von Kamikaze-Drohnen. Selbst die Bundeswehr setzt verstärkt auf Start-ups, zum Beispiel für die bis 2030 geplante militärische Weltraumarchitektur.

Raumflugzeug-Modell von Polaris: Deutschland will Weltraummacht werden. Foto: PR

Dafür soll das Bremer Start-up Polaris ein Raumschiff entwickeln, das von einer Flughafenstartbahn abheben kann. Nutzen ließe sich das Raumflugzeug zur Luftverteidigung, für Aufklärungsflüge oder um Satelliten ins All zu bringen. Mehr als 200 Testflüge hat das Start-up mit einem Prototyp bereits absolviert.

Die Bundesregierung hat außerdem entsprechende Finanzierungsregeln geändert. So können Firmen mit guten Ideen schon in einer Frühphase Geld vom Bund erhalten, um zum Beispiel ihre Produktion aufzubauen.

Gemeinsam schneller, besser, weiter

Dass es im Rüstungsbereich so viel Bereitschaft gibt, auf Start-ups zuzugehen, zeigt mir: Unternehmen und Regierung schätzen die Innovationsfähigkeit der kleinen Firmen durchaus – wenn auch erst unter dem Druck einer unsicheren Weltlage.

Ich würde mir wünschen, dass es diesen Druck nicht braucht, sondern Unternehmen die Chance ergreifen, mit frischen Ideen und neuen Technologien zu experimentieren, und Start-ups wertvolle Sparringspartner mit Erfahrung finden.

Oder, wie es Koehler-Geschäftsführer Philipp Prechtl formuliert:

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Nicht alle Kooperationen sind erfolgreich. Aber in jedem Fall lernen wir viel dabei.
Philipp Prechtl

Ich finde: Das ist eine vorbildliche Haltung, die Nachahmerinnen und Nachahmer finden sollte.

Dieser Text ist zuerst am 10. November 2025 im Newsletter Handelsblatt Shift erschienen. Den Newsletter können Sie hier abonnieren.

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