Märkte Insight: Gute Nachrichten können an der Börse zu Kursverlusten führen

Kurstreiber der Aktienmärkte war in den vergangenen Monaten die Hoffnung auf fallende Zinsen.
Foto: Getty, HandelsblattAm Montag hat die EU-Kommission ihre neue Konjunkturprognose für die Euro-Zone veröffentlicht. Sie rechnet jetzt nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent für dieses Jahr. Zuvor waren es noch 1,1 Prozent gewesen. Das macht den Job der Europäischen Zentralbank (EZB) nicht einfacher.
Sie muss die nach wie vor zu hohe Inflation mittels Zinserhöhungen auf den Zielwert von zwei Prozent zurückführen. Je schwächer die Wirtschaft ist, desto weniger Spielraum hat sie dabei. Denn abwürgen will sie die Wirtschaft nicht. Die Gefahr dafür wächst aber mit jeder Zinserhöhung.
In den USA gibt es das umgekehrte Problem: Die größte Volkswirtschaft der Welt hat sich als derart robust erwiesen, dass die US-Notenbank Fed ihre Wachstumsprognose erhöhen dürfte. Omair Sharif, Chef des Analysehauses Inflation Insight, glaubt sogar, dass die Fed ihre Prognose verdoppeln könnte. Das klingt nach einer guten Nachricht für den Aktienmarkt – ist es aber nicht.
Prognosen erfüllten sich nicht
Ihre nächste Prognose wird die Fed am 20. September im Rahmen ihres Zinsentscheids veröffentlichen. Vor drei Monaten, als die Zentralbank zuletzt ihre ökonomischen Prognosen bekannt gab, waren die Geldpolitiker noch mehrheitlich davon ausgegangen, dass die Wirtschaft im dritten Quartal praktisch stagnieren würde. Und das war schon besser als noch im März, als die Währungshüter eine Rezession in der zweiten Jahreshälfte prognostiziert hatten.