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Märkte InsightAktienrente: Ein Schub für den Dax?

Im Prinzip können die Pläne nicht nur helfen, die Rente zu sichern, sondern auch den heimischen Kapitalmarkt voranbringen. Vorausgesetzt, Konstruktion und Volumen stimmen.Frank Wiebe 27.02.2023 - 18:37 Uhr Artikel anhören

Autor Frank Wiebe analysiert die Marktdaten.

Foto: Handelsblatt

Frankfurt. Nach den jüngsten Turbulenzen startete der deutsche Aktienmarkt überraschend stabil in die neue Woche. Am Montag schloss der heimische Leitindex Dax trotz aller Zinssorgen und des schlechter als erwartet ausgefallenen Geschäftsklimas im Euro-Raum mit einem Plus von 1,1 Prozent bei 15.381 Punkten.

Die Kursgewinne ändern aber nichts an der insgesamt eher labilen Verfassung des Aktienmarkts, der etwas mehr Unterstützung gebrauchen könnte, nachdem die Notenbanken nicht mehr mit niedrigen Zinsen helfen, sondern diese mit ihrer Inflationsbekämpfung sogar massiv bremsen.

Speziell der deutsche Kapitalmarkt hätte Hilfe nötig, damit er eine Stärke erreicht, die in etwa der der deutschen Wirtschaft entspricht. In einer besonderen Variante des Weltaktienindexes MSCI World, die nach Bruttoinlandsprodukt gewichtet ist, steht Deutschland mit gut acht Prozent an dritter Stelle hinter den USA und Japan. Schwellenländer enthält der Index nicht.

In der Normalversion, die nach Börsenkapitalisierung gewichtet ist, liegt Deutschland dagegen mit einem Anteil von rund 2,5 Prozent nur auf Platz sieben zwischen der Schweiz und Australien. In der Übersicht des Indexanbieters MSCI taucht Deutschland in der Normalversion gar nicht separat auf, sondern verschwindet in der Rubrik „Übrige“.

Hier kommt die geplante Aktienrente der Bundesregierung ins Spiel. Pensionsfonds gelten im Allgemeinen als sehr hilfreich für die Entwicklung der heimischen Kapitalmärkte. Sie spielen zum Beispiel in Großbritannien und der Schweiz eine wichtige Rolle, aber auch in den Niederlanden. Zwar investieren diese Fonds in der Regel international, aber als regelmäßige Käufer von Wertpapieren können sie auch am Heimatmarkt eine wichtige Funktion übernehmen.

Studie: Aktienrente löst Grundproblem der Altersvorsorge nicht

Ziel der Aktienrente ist es nicht, die deutsche Börse zu stützen. Das Projekt soll helfen, die Altersvorsorge zu sichern. Über die Frage, ob und wie das gelingen kann, wird derzeit eifrig diskutiert. Das Ergebnis wird aber nicht nur für künftige Generationen von Rentnern wichtig sein, sondern auch für den Kapitalmarkt.

In einer Studie von Fabian Mushövel und Nicholas Barr, erschienen in „Social Europe“, klingt Skepsis durch. Letztlich kann jede Rentnergeneration nur den Überschuss konsumieren, den die arbeitende Generation produziert, heißt es dort.

Wir können zwar Ansprüche ansparen, sei es an eine gesetzliche Versicherung oder an den Kapitalmarkt, aber eben keine Güter für einen späteren Verbrauch vergraben, wie es Eichhörnchen für den Winter tun. Die Schlussfolgerung: Die Aktienrente diversifiziert zwar das Ansparen von Ansprüchen, löst aber das Grundproblem nicht.

Die Studie spießt auch das Problem auf, dass die deutsche Aktienrente schuldenfinanziert sein soll, was die Rendite drückt. Die Modellrechnung geht so: Bei 4,3 Prozent jährlicher Rendite, die zum Beispiel der als Vorbild geltende deutsche „Atomfonds“ anvisiert, und zwei Prozent Finanzierungskosten bleiben am Ende 2,3 Prozent Rendite übrig. Um 100 Milliarden Euro Rentenlücke pro Jahr zu finanzieren, wäre ein Fonds von 4,35 Billionen Euro nötig – völlig utopisch.

Schuldenfinanzierung der Aktienrente kann Risiko sein

Bislang sehen die Pläne von Bundesfinanzminister Lindner (FDP) einen Kapitalgrundstock von zehn Milliarden Euro vor, der in den kommenden 15 Jahren auf 150 Milliarden Euro steigen soll.

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Wie immer man kalkuliert: Wenn die Aktienrente einen wesentlichen Beitrag zur Altersvorsorge leisten soll, muss sie ein großes Volumen erreichen. Sie sollte nicht zu sehr durch Schulden finanziert sein – auch, weil ein Kursrutsch sonst verheerende Auswirkungen haben könnte. Aber wenn das Projekt so groß angelegt wird, dass es funktioniert, könnte es auch den deutschen Kapitalmarkt stützen.

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