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Märkte InsightDiversifikation im Depot hilft jetzt wieder

Mit Harry Markowitz ist der vermutlich bekannteste Portfoliotheoretiker gestorben. Seine Theorie zur Diversifikation revolutionierte die Anlagestrategie – und steht vor einer Renaissance.Anke Rezmer 27.06.2023 - 18:30 Uhr
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Die Kurse deutscher Staatsanleihen ersetzen im Schnitt gut ein Drittel von dem, was Aktien in einem Abschwung an Wert verlieren.

Foto: Getty Images

Die einfachen Ideen sind oft die wirkungsvollsten. Harry Markowitz, der in der vergangenen Woche im Alter von 95 Jahren gestorben ist, leitete seine berühmte Portfoliotheorie mittels mathematischer Formeln her. Doch die Grunderkenntnis, für die der US-Ökonom 1990 den Nobelpreis bekam, lässt sich auch ohne Mathematik umsetzen: Im Kern optimiert nach Markowitz sein Depot, wer gleichzeitig in verschiedene Anlageklassen investiert. 

In schwierigen Marktphasen allerdings versagt das Modell, so wie im vergangenen Jahr, als die großen Anlageklassen Aktien und Anleihen gleichzeitig verloren. Doch mit dem absehbaren Ende der Zinserhöhungen müsste Markowitz’ Idee eigentlich wieder funktionieren. 

Markowitz‘ Gedanke ist so schlicht wie schlagend: Durch eine breite Diversifikation oder Streuung des Anlagekapitals verringert ein Anleger das Risiko von Verlusten. Zugleich erzielt er so eine höchstmögliche Rendite bei einem für ihn erträglichen Risiko. Voraussetzung ist, dass man Anlageklassen kombiniert, die möglichst unabhängig voneinander sind, also geringe Korrelationen untereinander aufweisen. 

Aktien liefern längerfristig die beste Rendite. Anleihen federn die typischen Kursschwankungen von Dividendentiteln ab: Ihre Kupons bringen dem Anleger laufende Erträge ein. Zudem legen als sicher geltende Bonds meist zu, wenn Aktien verlieren, da Anleger dann in die festverzinslichen Papiere flüchten. 

Die fünfjährige Korrelation zwischen dem deutschen Leitindex Dax und dem Index für deutsche Staatsanleihen Rex P liegt bei minus 0,37. Anders gesagt: Die Kurse deutscher Staatsanleihen ersetzen im Schnitt gut ein Drittel von dem, was Aktien in einem Abschwung an Wert verlieren. 

Die Welt von Markowitz ist wieder in Ordnung

Auch aktuell passt das wieder: Sechs Tage hat der Dax verloren, deutsche Staatsanleihen haben im Gegenzug per saldo zugelegt. Am Dienstag arbeitete sich der Dax an der Marke von 15.800 Punkten ab, konnte aber dank positiver US-Vorgaben am Nachmittag leicht ins Plus drehen. Die den europäischen Anleihemarkt bestimmende zehnjährige Bundesanleihe notierte einen Hauch im Minus. 

Damit ist die Welt von Markowitz wieder in Ordnung, nachdem im vergangenen Jahr die ungewöhnlich schnell steigenden Zinsen für ungewöhnliche Korrelationen gesorgt hatten. Die Unsicherheit über die weitere Zinsentwicklung war auch am Dienstag wieder ein Sorgenfaktor für Anleger: Die Europäische Zentralbank (EZB) wird nach der Aussage ihrer Präsidentin Christine Lagarde angesichts der weiterhin hohen Inflation von ihrem Straffungskurs vorerst nicht abrücken. Weil die Aktienmärkte das Ende der Zinserhöhungen aber bereits ein Stück weit vorwegnehmen, funktionieren die Korrelationen trotzdem wie gewünscht. 

Der Zusammenhang zwischen Aktien und Staatsanleihen ist nur ein Faktor, auf den es bei der Risikostreuung ankommt. So sind zum Beispiel Aktien und Unternehmensanleihen positiv korreliert. Das spielt vor allem bei Rezessionssorgen, wie sie zurzeit wieder aufkommen, eine Rolle. 

Markowitz sollte auch innerhalb einzelner Anlageklassen beachtet werden. Zum Beispiel bei der regionalen Verteilung der Anlagen. China hat einen ganz eigenen Wirtschaftszyklus und ist deswegen als Risikopuffer geeignet. Für Japan gilt das auch, wenn auch ein Stück weit weniger als für China. 

Für einzelne Branchen gilt: Wachstumswerte reagieren auf Zinsen, zyklische Werte auf Rezessionen, defensive Werte sind gegen beide Risiken relativ resistent. Auch hier kommt es auf die Mischung an. 

Gold und die Kryptowährung Bitcoin wiederum leiden beide unter steigenden Renditen, weil beide keine Zinsen einbringen. Bitcoin ist aber über einen längeren Zeitraum höher mit Aktien – gerade auch mit hoch bewerteten Titeln – korreliert. Denn der Kryptobereich ist sehr stimmungsabhängig. 

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Gold ist verglichen damit solider, außerdem reagiert das Edelmetall meist positiv, wenn Stress im Finanzsystem auftritt. Deshalb gehört Gold auch in diesen unruhigen geldpolitischen Zeiten in Profi-Portfolios wie das des bekannten Fondsmanagers Bert Flossbach: Er hält neben 65 Prozent Aktien, 13 Prozent Anleihen, sieben Prozent Liquidität rund 15 Prozent Gold.

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