Prüfers Kolumne: Huch, alle Kollegen sind im Büro
Bei Amazon hört man jetzt mit dem Homeoffice auf. Künftig sollen die Mitarbeiter wieder fünf Tage in der Woche im Büro verbringen. Das hat CEO Andy Jassy in einer E-Mail verkündet. Ein Grund soll sein, dass der Zusammenhalt der Teams besser sein soll, wenn die Kollegen sich im Büro treffen. So war es überall zu lesen.
Nun ist Amazon das zweitgrößte Unternehmen der Welt mit über 1,5 Millionen Mitarbeitern. Man wird sich bald auch bei anderen Unternehmen fragen, warum man selbst noch den Angestellten gewährt, ihre Arbeit von der heimischen Matratze aus zu erledigen.
Möglicherweise werden Mobile Work und Homeoffice schon bald gar nicht mehr als modernes Arbeiten gesehen werden. Könnte sein, dass man schon bald nicht mehr davon spricht, dass man den Digital Natives der Generation Z möglichst flexible Arbeitsmodelle ermöglichen muss, damit sie Lust haben, bei einer Company anzufangen, sondern eher schöne Büros. Leider haben nun schon viele Unternehmen angefangen, Bürofläche einzusparen.
Viele Kollegen haben die Körperhygiene vernachlässigt
Gerade haben in den üblichen Gewerbegebieten die Business-Lunch-Restaurants pleitegemacht, während sich Uber Eats als der beherrschende Essenslieferant für die Arbeiterklasse etabliert hat. Es wird sich wohl eine Menge ändern – auch auf der menschlichen Ebene. Mitarbeiter werden anerkennen müssen, dass ein Kollege und eine Kollegin etwas anderes ist als eine Kachel, die man auf einem Bildschirm sieht, nämlich tatsächlich ein Wesen, das atmet und riecht.
Daran wird man übrigens arbeiten müssen. Viele Kollegen haben ja inzwischen die körperliche Hygiene vernachlässigt, weil man ohnehin nicht mehr aus dem Haus gegangen ist. Man wird sich daran gewöhnen müssen, dass der tägliche Gebrauch von Seife, Zahnpasta und Deo wieder üblich ist. Das könnte auch eine kleine Sonderkonjunktur auf dem Kosmetikmarkt verursachen.
Es wird schwer, Dinge wieder mündlich zu besprechen
Man wird sich auch damit auseinandersetzen müssen, dass Konferenzen keine Gelegenheit mehr sind, die E-Mails zu beantworten oder andere Geschäfte auf der Tastatur zu erledigen, während man mit unbewegtem Gesicht einem Meeting beiwohnt. Die Mitarbeiter werden sich Zeitfenster schaffen müssen, um die Korrespondenzen zu bewältigen. Woher soll die Zeit kommen, hat das schon mal jemand berechnet?
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Schwer wird auch, dass man Dinge wieder mündlich besprechen muss. Wenn man Nachfragen hat, wird es dann nicht mehr genügen, eine E-Mail noch mal zu verschicken mit dem Zusatz „bitte asap feedback“ darüber. Auch das kostet Zeit.
Hat Amazon sich das überlegt? Noch gar nicht eingerechnet sind die Verluste, die entstehen, weil Amazon-Pakete nicht ausgeliefert werden können, weil niemand sie zu Hause mehr entgegennehmen kann. Diese Pakete nicht mehr zu verpassen war doch der Grund, warum wir mit Homeoffice überhaupt angefangen haben.
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