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SodbrennenWenn Stress auf den Magen schlägt, helfen Tabletten nur bedingt

Der Magen muss viele Dinge wegstecken, manches stößt ihm sauer auf. Manchmal brennt es dann im Bauch wie Feuer. Was wir dagegen tun können, zeigen die Tipps unseres Kolumnisten.Dietrich Grönemeyer 01.11.2024 - 04:00 Uhr Artikel anhören
Kolumnist Grönemeyer und der Schmerz im Magen. Foto: Imago, Getty [M]

Stress, Hektik, Termindruck, schnelles, hastiges Essen. Unser Magen muss über den Tag hinweg viel schlucken, manches stößt ihm auf: Bis zu 25 Prozent der Deutschen leiden gelegentlich oder häufig unter Sodbrennen. Hervorgerufen wird das brennende Gefühl im Bauch durch den Rückfluss des Mageninhalts in die Speiseröhre – den Reflux.

Um die Beschwerden zu bessern, sind Änderungen der Ernährungs- und Lebensgewohnheiten nötig. Süßigkeiten, fettige, scharfe und saure Speisen, Alkohol und Nikotin – alle Genüsse, die die Säureproduktion anregen, sollten gemieden werden.

Zudem sollte das Essen besser über den Tag auf mehrere kleine Mahlzeiten verteilt werden. Denn um eine große Portion auf einmal zu verdauen, muss der Magen mehr Säure produzieren, als ihm guttut.

Kräuter helfen, den Magen zu beruhigen

Halten die Symptome trotz allem weiter an, kann die Phytotherapie, die Kräutermedizin, für Linderung sorgen. Es gibt eine Vielzahl pflanzlicher Produkte, wie etwa Fenchel-, Anis- und Kümmeltee. Auch Rosenöl oder Zitronentee, vermischt mit einem Teelöffel Heilerde, können beruhigen.

Denn im Gegensatz zur landläufig verbreiteten Meinung wirkt die Zitrone nicht sauer, sondern basisch. Damit ist sie ein guter Gegenspieler zur Salzsäure im Magensaft, während Süßigkeiten die Säureproduktion geradezu befeuern.

Wer seinem Magen etwas Gutes tun will, sollte den Durst deshalb nicht länger mit gesüßten Getränken, sondern mit einem Kräutertee stillen. Am besten aber mit einem halben Liter Sauerkrautsaft oder einem Glas Wasser mit Natron, wie ich es von meiner Großmutter gelernt habe. Nicht alles, was wirkt, schmeckt eben auch.

Schlaf

Ruhen wie beim Militär oder Wasserwickel – So schlafen Sie besser ein

Patienten haben mir immer wieder berichtet, dass ihnen auch das Hochlagern des Oberkörpers während des Schlafs geholfen hat. Eine ganz einfache Technik, bei der man von den Gesetzen der Schwerkraft therapeutisch profitiert. Fließt doch alles, was fließt, immer ab- und nie aufwärts. Deshalb: nach dem Essen lieber einen Spaziergang unternehmen, als sich zum Verdauungsschläfchen aufs Sofa legen.

Hat sich der Reflux jedoch chronisch manifestiert, lässt sich mit den bewährten Hausmitteln nur noch wenig ausrichten. Die Krankheit ist medikamentös, gegebenenfalls chirurgisch zu behandeln. Verschrieben werden zunächst Antazida. Dabei handelt es sich um basische Präparate zur Neutralisierung der Magensäure wie Kalziumkarbonat, einzunehmen jeweils zwei Stunden nach dem Essen.

Reicht das nicht, folgt die Verordnung von H2-Antihistaminika, die von vornherein die Absonderung der Magensäure hemmen, vor allem während der Nacht. Aber Vorsicht: Eine längere Einnahme könnte einen Mangel an Vitamin B12, Vitamin D, Folsäure, Eisen und Zink bewirken. Eine Infektanfälligkeit, Magen-Darm-Störungen und Müdigkeit oder Blutarmut (Anämie) können die Folgen sein.

Hilfe von Protonenpumpenhemmern

Noch stärker wirken die sogenannten Protonenpumpenhemmer. Sie unterbinden die Säureproduktion, indem sie die Ausschüttung eines bestimmten dafür benötigten Enzyms blockieren. Weil es als besonders wirksam gilt, zählt das Präparat zu den weltweit am häufigsten verschriebenen Medikamenten.

Wie alle stärker wirkenden Arzneimittel ist die Einnahme jedoch nicht frei von spürbaren Nebenwirkungen. Müdigkeit, Schwindel, Kopfschmerzen und Schlafstörungen können ebenso dazu zählen wie eine Verschlechterung der Leberwerte, der Vitamin-B12-Werte oder der Eisenaufnahme. Diskutiert wird auch, ob die langfristige Einnahme von Protonenpumpenhemmern eine verminderte Knochendichte, eine sogenannte Osteoporose, oder Speiseröhrenkrebs nach sich ziehen kann. Spätestens nach vier Wochen ist daher ärztlicher Rat einzuholen!

Die Ultima Ratio einer erfolgversprechenden Reflux-Therapie sind schließlich operative Maßnahmen wie die sogenannte laparoskopische oder operative Fundoplicatio, eine Verengung des Magenmunds zur mechanischen Verhinderung des Refluxes. Leider ist dem Verfahren nicht immer ein dauerhafter Erfolg beschieden; die verkleinerte Öffnung kann sich nach Jahren abermals weiten.

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Es bleibt somit beim alten Lied: Nur wenn jeder für sich schonend mit dem eigenen Körper umgeht, nur wenn im Fall von Beschwerden naturheilkundliche Erfahrung mit schulmedizinischem Wissen zu einem therapeutischen weltmedizinischen Gesamtkonzept verbunden wird, nur wenn das alles zusammenkommt, dann kann uns so schnell nichts auf den Magen schlagen.

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