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WorldExpo OsakaJapans Fanal für den Frieden in stürmischen Zeiten

Allen Zweifeln zum Trotz ist die WorldExpo in Osaka kein Anachronismus, sondern ein dringend notwendiger Appell für globale Zusammenarbeit – auch in der virtuellen Welt.Martin Kölling 24.04.2025 - 03:49 Uhr Artikel anhören
Weltausstellung in Osaka: Architektur als Symbol der Völkerverständigung. Foto: -/Kyodo/dpa

Osaka. Die Weltausstellung in Japan wirkt wie ein Relikt aus einer vergangenen Zeit – in einem positiven Sinn. Außerhalb des Messegeländes droht die Welt unter den Zollattacken von US-Präsident Donald Trump in rivalisierende Blöcke zu zerfallen. Doch hier in Osaka feiern sogar die streitenden Großmächte USA und China – fast nebeneinander – friedlich das japanische Happening für eine bessere Welt.

Wer diese besondere Atmosphäre nicht sofort spürt, wird spätestens beim abendlichen Abschied aufgeklärt. Ein spektakuläres Drohnenlichtballett schreibt dann „One World, One Planet“ in den Nachthimmel – genau über dem Messegelände, dessen Architektur bereits eine völkerverbindende Botschaft vermitteln soll.

Die Pavillons auf der künstlichen Insel Yumeshima umsäumt ein 2,1 Kilometer langer, bis zu 20 Meter hoher Holzbau. Nicht nur ist er das größte Holzgebäude der Welt, der Ring soll auch baulich das Motto der Messe verkörpern: „Einheit in Vielfalt“.

Für Messechef Hiroyuki Ishige ist genau dies Japans Botschaft: Angesichts der Pandemie und vieler Konflikte „war die Bedeutung der Expo noch nie so groß wie heute, da sie eine zunehmend gespaltene Welt unter dem Thema Leben zusammenbringen wird.“

Eines der wenigen wirklich globalen Happenings

Ishige, früher einer der wichtigsten außenwirtschaftlichen Diplomaten Japans, spricht vielen Ausstellern aus dem Herzen. Einer davon ist Manuel Salchli, der Chef des Schweizer Pavillons, eines futuristischen Baus aus sechs Blasen, die aus einer innovativen Membran gebaut sind. „Die ganze Welt ist hier auf einem kleinen Fleck zu sehen“ – harmonisch, gemeinsam, im Dialog.

Die Expo ist kein Anachronismus, sondern wichtiger denn je.
Marco Hückel
Geschäftsführender Gesellschafter von Facts and Fiction

Noch deutlicher werden die deutschen Vertreter. Christian Tschersich, der Architekt des deutschen Pavillons vom Berliner Laboratory for Visionary Architecture, sieht in der Expo neben den Olympischen Spielen „die einzige wirklich globale Plattform“, auf der sich die Welt als Einheit feiert. Er sieht aber einen Vorteil der Weltausstellung: „Während Olympia auf Sport fixiert ist, schafft die Expo Raum für thematischen Austausch.“

Marco Hückel, als einer der Chefs der Eventagentur Facts and Fiction verantwortlich für den deutschen Auftritt, spitzt es noch zu: „Die Expo ist eines der wenigen Weltereignisse, bei denen Menschen unpolitisch zusammenkommen.“

Labor für eine bessere Zukunft

Was die heutige Expo von früheren Weltausstellungen unterscheidet: Sie ist keine bloße industrielle Leistungsschau mehr, sondern ein Forum für globale Herausforderungen – und dient nebenbei natürlich der Imagepflege für die teilnehmenden Länder.

Eine „lebensgroße“ Version des legendären Robot Suit Gundam verteidigt die Expo gegen das Böse. Foto: Martin Kölling

Die Japaner haben als Motto „Designing a future society that shines with life“ gewählt – die Gestaltung einer Gesellschaft, die vor Leben strahlt. Die Expo soll dabei ein „Testgelände für eine zukünftige Gesellschaft“ sein. Entsprechend drehen sich die meisten Pavillons um Umweltschutz, Klimawandel, neue Technologien, Roboter und Künstliche Intelligenz.

Trumps Zoll- und Kulturkriege haben es nicht auf die Expo geschafft. Denn der US-Pavillon wurde vor seinem Amtsantritt konzipiert. Statt Trumpscher Kohle- und Ölverherrlichung nach dem Motto „drill, baby, drill“ finden sich hier vor allem Nachhaltigkeitskonzepte, erneuerbare Energien und visionäre Bilder zur Zukunft von Städten und Umwelt, alles Ideen, die der US-Präsident nicht unbedingt goutiert.

Architektur ist Programm: Das Thema des deutschen Pavillons auf der Expo ist Kreislaufwirtschaft. Foto: Martin Kölling

Der deutsche Pavillon präsentiert die Erfolge deutscher Kreislaufwirtschaft – ein Thema, das in Japan auf großes Interesse stößt. „Wir möchten Deutschland als zukunftsfähigen Standort mit fortschrittlicher Technologie und kreativem Denken präsentieren“, sagt Dorothea Schütz vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz.

Am Rand ist auch Platz für Nutzwert

Bei aller Völkerverständigung verlieren viele Aussteller praktischen Nutzen nicht aus den Augen. Schließlich ist der sechsmonatige Auftritt nicht billig. Rund 50 Millionen Euro investiert Deutschland, die Schweiz für einen kleineren Auftritt rund ein Drittel der Summe.

Die Schweizer präsentieren daher auch Start-ups und versuchen, für sie japanische Partner zu finden. Die deutsche Seite testet über die Imagepflege hinaus innovative Bauweisen, darunter Wandplatten aus Pilzen – wissenschaftlich begleitet, um die heimische Bauindustrie voranzubringen.

Humanoider Roboter: In Japans Zukunftsvision sind Roboter nicht Feinde, sondern Helfer des Menschen. Foto: Martin Kölling
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Doch immer wieder kommen die Macher vom harten Nutzen auf den monetär nicht messbaren idealistischen Geist der Expo zurück. Fast allen Ländern gelinge es, politische Konflikte beiseitezuschieben und Brücken zwischen Menschen zu bauen, berichtet Eventmanager Hückel. „Ich halte das für zunehmend wichtig in einer Welt, die wieder von Krisen geprägt wird.“

Sein Fazit ist ein Plädoyer für diese Art von Veranstaltung: „Die Expo ist kein Anachronismus, sondern wichtiger denn je.“ Denn darin liegt ihr wachsender Wert: Die Expo-Bewegung könnte uns in den kommenden stürmischen Zeiten an die Vision einer geeinten Menschheit erinnern. Wer sich mit dem Metaverse auskennt, muss dazu nicht einmal nach Japan reisen. Einen digitalen Abklatsch der WorldExpo gibt es per App auch in der virtuellen Welt.

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