Asia Techonomics: Chinas E-Auto-Hersteller überschwemmen den eigenen Markt
In der wöchentlichen Kolumne schreiben Handelsblatt-Korrespondenten im Wechsel über Innovations- und Wirtschaftstrends in Asien.
Foto: Klawe RzeczyPeking. In China gibt es in der Investoren- und Wirtschaftsszene ein ungeschriebenes Gesetz: Um viel Geld zu verdienen, muss man genau hinschauen, was die Kommunistische Partei will. In den letzten Jahren ist diese Handlungsmaxime sogar noch klarer geworden: Nun gilt als Maßstab, was Staats- und Parteichef Xi Jinping vorschreibt, Chinas mächtigster Führer seit Mao Zedong.
Es gibt viele Beispiele, in denen das aktuell so funktioniert. In die chinesische Chipindustrie etwa fließen seit Jahren Milliardensummen privates und staatliches Kapital, weil Xi das Ziel ausgegeben hat, eine umfassende eigene Halbleiterproduktion in der Volksrepublik aufzubauen. Neue Chipunternehmen sprießen wie Pilze aus dem Boden. Ein weiteres Beispiel ist der Markt für Elektroautos, die in China unter dem Sammelbegriff „New Energy Vehicles“ (NEV) laufen.
Schon jetzt tummeln sich rund 300 Anbieter auf dem Markt – und es werden immer mehr. Denn nun mischen auch die riesigen chinesischen Tech-Unternehmen mit. So verkündete der Smartphonehersteller Xiaomi jüngst den Bau einer E-Auto-Fabrik in Peking. 300.000 E-Autos sollen dort pro Jahr entstehen, die ersten Xiaomi-Wagen sollen 2024 über Chinas Straßen rollen. Erst im März hatte der Konzern angekündigt, mit einer Investition von zehn Milliarden US-Dollar über zehn Jahre in den Markt einzusteigen.
Der E-Commerce-Riese Alibaba hat seinerseits eine gemeinsame E-Auto-Produktion mit dem staatlichen Autobauer SAIC angekündigt. Selbst der hochverschuldete Immobilienentwickler Evergrande ist in diesem Jahr mit einem eigenen Autounternehmen gestartet und hat bei der Automesse in Schanghai erste Modelle vorgestellt.
Der Chef des chinesischen Elektronik-Herstellers Xiaomi bei der Präsentation der eigenen E-Auto-Pläne.
Foto: dpaDamit setzen die Unternehmen den Willen des Staatslenkers inzwischen offenbar zu enthusiastisch um. China habe „zu viele“ Hersteller von Elektrofahrzeugen, und die Regierung werde die Konsolidierung fördern, hatte der Minister für Industrie und Informationstechnologie, Xiao Yaqing, im September gesagt. Doch passiert ist in diese Richtung bislang wenig.
Je mehr chinesische Unternehmen auf dem Markt sind, umso schwerer haben es auch die deutschen Hersteller, ihre E-Autos in der Volksrepublik zu verkaufen. Derzeit ist ihr Anteil noch sehr gering. Auf dem in China beliebten Messengerdienst Wechat haben die deutschen Hersteller in den vergangenen Wochen sehr viel Werbung für ihre E-Modelle gemacht.
Laut Daten der China Passenger Car Association hatte bei den Premiummarken jedoch in den ersten drei Quartalen dieses Jahres der amerikanische Hersteller Tesla mit seinen Modellen Y und 3 die Nase vorn. Das bestverkaufte elektrische Fahrzeug überhaupt war ein sehr kleines und billiges E-Auto für den Stadtgebrauch, das von General Motors gemeinsam mit dem chinesischen Hersteller Wuling Motors und SAIC gebaut wird.
Deutsche Hersteller waren auf der Liste in diesem Jahr überhaupt nicht vertreten.