Discounter: Deshalb hat Lidl den Kampf um den US-Markt gegen Aldi verloren

Im vergangenen Jahr hat Lidl in den USA einen neuen Anlauf genommen. Im März holte US-Chef Joel Rampoldt – immerhin der fünfte CEO seit dem Start in den USA vor acht Jahren – vier neue Manager in die Führungsetage. Im Herbst folgte ein neuer Markenauftritt mit großer Werbekampagne. Dutzende unrentable Filialen wurden geschlossen und durch neue Standorte ersetzt.
Doch die Bilanz bleibt mager. Unter dem Strich ist die Zahl der Filialen in den vergangenen zwei Jahren nicht gestiegen, der Discounter schreibt in den USA weiterhin Verluste. Und auch wenn der Händler in Kundenumfragen häufig gute Noten erhält, hat er auf absehbare Zeit keine Chance, auch nur in die Rangliste der 50 größten amerikanischen Lebensmittelhändler aufzusteigen.
» Lesen Sie auch: Die Discounter schaffen sich selbst ab
Dass der Discounter hart um diesen Markt kämpft, ist verständlich. Denn ausgerechnet sein schärfster Rivale Aldi zeigt ihm, welches Potenzial der Lebensmittelhandel in den USA bietet. Mindestens 225 neue Filialen will Aldi Süd allein in diesem Jahr eröffnen – 50 mehr als Lidl in acht Jahren.
Doch für Lidl scheint der Kampf verloren. Zu viele Fehler hat das Unternehmen von Anfang an gemacht. Die Verwaltung wurde zu schnell aufgebläht, die Auswahl vieler Standorte war unglücklich, zu viel Geld floss in teure Neubauten und hohe Mieten.
Lidl-Chef McGrath kennt den US-Markt genau
Das Kernproblem: Gerade wenn Lidl sein Discountversprechen einlösen und die US-Kunden mit hoher Qualität zu niedrigen Preisen gewinnen will, ist Größe entscheidend. Mit seinen 175 Filialen bekommt der Einzelhändler nicht die Einkaufskonditionen, die für Aldi Süd mit rund 2500 Filialen selbstverständlich sind.
Eine Möglichkeit wäre, mutig zu sein und das Wachstum durch Übernahmen zu beschleunigen. Doch auch hier hat Aldi die Konkurrenz überholt. Im vergangenen Jahr hat Aldi die Supermarktketten Harveys und Winn-Dixie übernommen und kann so mit umgebauten Märkten sein Netz auf einen Schlag um 220 Standorte erweitern.
Lidl-Chef Kenneth McGrath hat lange in den USA gearbeitet, den US-Start von Lidl vorbereitet und ab 2017 vier Jahre lang den US-Discounter Save-A-Lot geleitet. Er weiß, wie attraktiv der Markt ist – aber auch, wie schwierig.
Den Vorstandsumbau in der Zentrale in Neckarsulm im vergangenen Sommer begründete er damit, dass Lidl künftig „noch schneller und aktiver Entscheidungen treffen“ wolle und sich immer wieder selbst auf den Prüfstand stelle.
Wenn Lidl das US-Geschäft nicht rasch auf Wachstumskurs bringt – wonach es nicht aussieht –, sollte McGrath trotz seiner Verbundenheit mit dem US-Markt so konsequent sein und diese Expansion beenden. Bevor sie noch mehr Geld verbraucht, das in anderen Märkten besser angelegt wäre.
Erstpublikation: 17.02.2025, 04:39 Uhr.