Essay: Die unheilvolle Symbiose von digitaler und staatlicher Macht

Es gibt sie, jene denkwürdigen Momente, in denen sich Zeitgeschichte in kleinen Symbolen ausdrückt, Weltgeschehen zu Konzentrat gefriert.
Einer dieser Momente war, als ein Mann, der zwar unglaublich reich und innovativ ist, aber seinerzeit weder ein politisches Amt besaß noch demokratisch in irgendeiner Weise legitimiert war, plötzlich vor den Augen der Weltöffentlichkeit wie aus dem Nichts über Krieg und Frieden entscheiden durfte.
Ob Elon Musk sein Satellitennetzwerk Starlink abschalten würde, davon schien plötzlich das Schicksal der Ukraine abzuhängen, die sich bereits seit mehr als drei Jahren einer russischen Invasion erwehrt. Im vergangenen Jahr drohte der Milliardär, der plötzlich die Nähe zu Russlands Präsidenten Wladimir Putin suchte, wiederholt, das ukrainische Militär von der Satellitenkommunikation abzuschneiden. Etwas später, da war er schon „Effizienzbeauftragter“ des US-Präsidenten, brüstete sich Musk dann mit der Aussage, dass sein satellitengestütztes Kommunikationssystem „das Rückgrat der ukrainischen Armee“ sei – und dass „ihre gesamte Front zusammenbrechen würde, wenn ich es abschalte“.